Rez.: Diana Ascher, Die Ortsnamen des Landkreises Fulda.

Diana Ascher, Die Ortsnamen des Landkreises Fulda. Fuldaer Studien Bd. 25. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2020. 848 S. – ISBN 978-3-451-38925-2, Preis: EUR 88,00.

Rezensiert von Albrecht Greule, Regensburg

Wer im Titel einer namenkundlichen Buchankündigung Fulda liest, dem steht vor Augen, was Diana Ascher einleitend in dem zu besprechenden umfangreichen, gut ausgestatteten Buch, einer Leipziger Dissertation, hervorhebt, dass nämlich der Abtei Fulda mit ihrer Klosterschule seit Hrabanus Maurus eine herausragende Stellung für die Überlieferung althochdeutscher Sprachdenkmäler ebenso zukommt, wie für die Überlieferung frühmittelalterlicher Personen- und Ortsnamen. Dass die Verfasserin sich gleich zu Beginn (Kapitel 2) ausführlich und quellenkritisch der Ortsnamen-Überlieferung in den frühen fuldischen Quellen widmet, ist ein erster Höhepunkt bei der Lektüre, zumal der Untersuchungsraum, der heutige Landkreis Fulda, zum Kerngebiet des fuldischen Klosterbesitzes im Mittelalter gehörte. Die Untersuchung erfasst die Namen aller Siedlungen, auch Burgen und Klöster, die vor 1600 urkundlich genannt sind. Über die Hälfte davon sind Wüstungen. Bei 20 Wüstungsnamen wird mit der gleichen Gründlichkeit darüber hinaus eigens nachgewiesen, dass sie fehlerhaft dem Landkreis Fulda zugeordnet wurden (S. 605–614).

Zwei Kapitel befassen sich einleitend mit dem Untersuchungsgebiet und fassen die bisherigen Thesen zur Siedlungsgeschichte zusammen. Es geht darin um die Sprachgeschichte (der mehrfach dialektologisch beschriebene Osthessisch-Fuldische Raum ist unter Anderem gekennzeichnet durch die Erhaltung der Langvokale /i:/ und /u:/), um die geographischen Grundlagen, die gute Voraussetzungen für die Anlage historischer Handelswege bieten, und um die Ur- und Frühgeschichte. Eine Tabelle der Fundplätze mit Einordnung der Funde nach Zeitschichten ist zumindest für Ortsnamenbücher eine ungewöhnliche, aber interessante Beigabe. Ein eigenes Kapitel (4) widmet Diana Ascher den bislang bekannten Thesen zur Siedlungsgeschichte des Fuldaer Raums, wie überhaupt, auch im sprachwissenschaftlichen Teil, den vorausgehenden Forschungen (aus Vorsicht oder wissenschaftlicher Gründlichkeit?) viel Platz eingeräumt wird. Die „Thesen zur Siedlungsgeschichte“ greift die Verfasserin, nach dem alle Namen gedeutet worden sind, im Ergebnis-Kapitel wieder auf, und bewertet sie aufgrund der von ihr erzielten namenkundlichen Erkenntnisse neu.

Das Herzstück des Buches bilden die weit über 500 detailliert ausgeführten Namenartikel im Rahmen des Namenbuchs, die nach dem in der Forschung allgemein üblichen Schema gegliedert sind, wie es besonders im Niedersächsischen und Westfälischen Ortsnamenbuch (NOB und WOB) seit Jahren praktiziert wird: Namenlemma mit Langeangabe und Kennzeichnung der Wüstungen, Historische Belegformen, Vergleichsnamen, Quellenkritische Anmerkungen, Belegdiskussion, Bisherige Erklärung, Eigene Deutung. An dieser Art der Artikelgliederung fällt eine Neuerung ins Auge, über die aus methodischen Gründen nicht bedenkenlos hinweg gegangen werden kann: die Kategorie „Vergleichsnamen“, die man im Artikelaufbau erst dann erwarten würde, wenn eine eigene Deutung vorgeschlagen wird, um den Deutungsvorschlag durch analoge Beispiele zu stützen. Nach Diana Ascher sollen die „Vergleichsnamen“ die Urkundenbelege (im unmittelbar vorausgehenden Belegteil) ergänzen, bei der Deutung des Namens weiterhelfen und „den Blick über die Kreisgrenzen hinweg auf andere Namenräume lenken“ (S. 11). Dass der „Blick auf andere Namenräume“ den Weg zu einer eigenen Deutung des zu deutenden Namens eher verstellt als ebnet, kann am Beispiel Bimbach (S. 82–85) gezeigt werden: Ältester (nicht kopialer oder gefälschter) Beleg ist a.1116 in Biunbah, zu dem – in der Nachfolge von Förstemann – die Namen Bauna, Baunach (mehrfach), Beunbach und Bimbach (ohne historische Belege) verglichen werden und eine kühne Etymologie konstruiert wird, die naheliegende, in den bisherigen Deutungen genannte Etymologie, nämlich als *Bien[wurz]bach (ahd. bienw[u]rz ‘Bienenkraut’), ohne Begründung verworfen wird. An dem Beispiel wird auch deutlich, dass der ständige Rückgriff auf Ernst Förstemanns weit über 100 Jahre alten Namenbücher (1863 und 1900) als Deutungshilfe problematisch ist. Als eine andere Art, die historischen Belege zu ergänzen, werden in der Forschung die in der rezenten Mundart gebräuchlichen Namen des betreffenden Ortes in der Mundart gesehen. Auf eine systematische Erhebung der Ortsmundartformen im Kreis Fulda musste die Verfasserin aus Zeitgründen verzichten; in der Sekundärliteratur und in Flurnamensammlungen vorfindliche Mundartformen werden jedoch zitiert.

Zur Veranschaulichung, wie Diana Ascher im Rahmen des Artikelschemas agiert, bietet sich die Lektüre eines nicht „durchsichtigen“ Namens an: Eine der Gemeinden des Landkreises trägt den Namen Flieden. In der Ortsmitte von Flieden entsteht aus zwei Quellbächen der Fulda-Zufluss die Fliede. Sowohl der Siedlungs- als auch der Gewässername ist in der ältesten (nur kopialen oder gefälschten) fuldischen Überlieferung bezeugt; der erste Originalbeleg stammt aus dem 11. Jahrhundert (a.1012 ad … Fliedenu), als Mundartform wird Fliirǝ angegeben. Unter der Rubrik „Vergleichsnamen“ wird – ohne Nennung eines (Vergleichs-)Namens – auf die Dissertation von Gudrun Kvaran (1981) verwiesen. Unter „Quellenkritik“ erfolgt die Ablehnung der Annahme einer „fränkischen Fliedina“; die „Belegdiskussion“ erkennt eine n-haltige Endung sowie e-Apokope, erkennt aber nicht, dass das Syntagma ahd. fliedinero marcu das Adjektiv Fliedener (Mark) enthält und legt als Grundform der weiteren Analyse *Fliodina fest (warum?) Statt auf der Grundform eine Etymologie aufzubauen, folgt auf zwei Seiten eine – wissenschaftsgeschichtlich zwar interessante – unkritische Zusammenstellung bisheriger Erklärungen des Namens, beginnend mit Karl Roth (1850–1853). Die „eigene Deutung“ geht von der Erkenntnis aus, dass die bisherigen Deutungen, des Gewässernamens Fliede, in den Zusammenhang mit nhd. fließen, ahd. fliozan, gebracht werden, was aber wegen der Divergenz im Stammauslaut nicht stimmen kann. Stattdessen wird Flied– über *Fliod– auf germ. *fleud-, idg. *pleut– zurückgeführt und die Stammauslaut-Divergenz mit einer „Doppelwurzel“ idg. *pleud-/*pleut-, Erweiterungen der idg. Verbalwurzel *pleṷ– ‘schwimmen, schweben’ (LIV, S. 487f.), erklärt. Der Rekurs auf indogermanische Konstrukte, ein von Diana Ascher zur Deutung gern beschrittener Weg, ist zumindest hier nicht notwendig: Die Grundform von Fliede/Flieden ist germ. *Fleuþanō feminin, ein mit n-Suffix vom Nominalstamm germ. *fleuþadas Fließen, der Fluss’ abgeleiteter Gewässer- oder Flurname; der Verbalstamm germ. *fleu– ist im kausativen Verb ahd. (ir-)flouwen ‘ausspülen’ präsent. Die lautliche Entwicklung von germ. *Fleuþanō über nicht belegtem ahd. *Fliodana zu spätahd. Fliedine wird von der Verfasserin korrekt beschrieben. Dass als „Bindevokal“ nur -i- und -e- belegt sind, hängt mit der (ahd.) Vokalharmonie der Mittelvokale zusammen: der ursprüngliche Mittelvokal -a- wird an den Stammvokal (-ie) und an den Endungsvokal (-e) angeglichen.

Nach der kritischen Relecture des einen Artikelschemas darf nicht der Eindruck entstehen, alle der über 500 Namenartikel würden eine ähnlich schwierige Erklärung erfordern und würden Kritik hervorrufen. Für die große Mehrzahl der Namenartikel bietet Diana Ascher einwandfreie Erklärungen. Gerade die das historische Namenbild des Landkreises Fulda prägenden Genitivischen Ortsnamen des Typs Allmus (12.Jh. Almundes) verlangen von der Verfasserin ein intensives Eingehen auch auf die Personennamen und ihre morphologischen Besonderheiten. (Die aus den Ortsnamen erschlossenen Personennamen sind im Register aufgeführt.) Bei den Wüstungsnamen, die die Hälfte des zu deutenden Namenmaterials ausmachen, kommt die für fuldische Verhältnisse meist spät einsetzemde Überlieferung erschwerend hinzu. Welche Fülle an ortsnamenkundlichen Erkenntnissen Diana Ascher durch die Deutung der Ortsnamen erschließt, wird erst richtig im Kapitel „Auswertung“ deutlich, in dem auf die Ortsnamen übersichtlich und konzise unter morphologischem, lautlichem, benennungs-semantischem Aspekt sowie mit Bezug auf Namenwechsel und Wüstungsnamen eingegangen wird (S. 615–713). Im Ergebnis-Kapitel werden namenkundliche Schlüsse zur Besiedelungsgeschichte des fuldischen Raumes gezogen. Es konnte „herausgestellt werden, dass der Fuldaer Raum schon in vorgermanischer Zeit besiedelt gewesen sein musste und eine Siedlungskontinuität vorauszusetzen ist, da die alten Namen bewahrt blieben, die die lautlichen Veränderungen des Germanischen aufweisen“ (S. 719). Dieser Schluss erscheint dem Rezensenten aber bei keinem der „alten Namen“ (gemeint sind Gewässernamen) zwingend zu sein. Vielmehr herrscht der Eindruck vor, dass die „alten Namen“ des Fuldaer Raums zu einer frühen germanischem Namenschicht gehören. Im Unterschied dazu kann dem Ergebnis: „Eine keltische und frühe slawische Besiedelung ist auszuschließen“ voll und ganz zugestimmt werden.

Addenda und Corrigenda: Aschenberg (S. 55–57): der älteste (originale) Beleg 980 in Wasgunberg kann nicht mit ahd. was ‘scharf’ verbunden werden. Er enthält das flektierte Nomen ahd. wasga ‘Waschung, Bad’, das auch H. Ramge, Südhessische Flurnamen, S. 958, als die Wasch für Flurnamen wie am Weschberg voraussetzt. – Fulda (S. 185–190): Die Behauptung, dass die germanische Deutung des Namens Fulda ausscheidet, weil „verwandte Namen über ganz Europa verteilt vorkommen und der GewN Fulda zahlreiche Parallelen in Europa besitzt“ (S. 190), ist nicht haltbar. Wenn schon Parallelen in Europa eine Rolle spielen, dann sind es die norwegischen und der schwedische Name wie Folda usw., die durch ein germanisches Etymon (z. B. altsächsisch folda ‘Erde, (Erd-) Boden, Land’) erklärt werden können: Fulda ist ein germanischer Name. Unter semantischem Aspekt kann die Fulda, der größte Fluss Hessens und ein alter Verkehrsweg, der aus der norddeutschen Tiefebene ins hessische Bergland führte, als „Landwasser“ bezeichnet worden sein. Die Existenz von anderen Namen in Europa (z. B. Pilica, Pelta, kelt. Litanomagus), für die die gleiche indogermanische Form wie für germ. Fulda rekonstruiert werden kann, sollte nicht dazu verleiten, aus der rekonstruierten Namenidentität auf indogermanischer Ebene siedlungsgeschichtliche Schlüsse zu ziehen, wie: der GewN Fulda gehört zu einer voreinzelsprachlichen Schicht. – Haun (S. 247–253): Der GewN (< ahd. *Hūna) ist nur deshalb eine „altertümliche Bildung“, weil der Name nicht (mehr) an germanische Appellative angeschlossen werden kann. Von idg. Wurzel *ḱṷeh1– ‘anschwellen’ ist im Germanischen nur das Adjektiv vorgerm. *kūno– ‘anschwellend’ als Gewässername erhalten geblieben. Deswegen ist der Name aber kein Kandidat der „alteuropäischen Hydronymie“. – Hünfeld, Hünhan (S. 278–282): Die Belegreihen für beide Namen sind interpretationsbedürftig. Der älteste Beleg (781 campo … Unofelt) entstammt einer originalen Schenkungsurkunde Karls des Großen. Dass im Erstbeleg kein <H> im Anlaut steht, ist keineswegs auf „die allgemeine Tendenz des Ahd. (…), dass H- im Anlaut ausfällt“ (die es nicht gibt), zurückzuführen; vielmehr geht der „H-Ausfall“ auf romanische Schreiber zurück. Der Erstbeleg kann getrost als *Huno- felt verbucht werden. Die weiteren Belege sowohl für Hünfeld als auch für Hünham zeigen ein für das Ahd. typisches Schwanken des Fugenvokals (-o-, -i-, -a-). Da dabei -i- (> mhd. -e-) überwiegt, dürfen als ahd. „Normalformen“ *Hunifeld und *Huniheim und in *Huni– die Kompositionsform eines GewN *Hunja angenommen werden. *Hunja (zu westgerm. *huna– ‘gelb-braun’) dürfte ein Abschnittsname der Haune gewesen sein und könnte z. B. nach der (lehmigen) Färbung, die das Wasser nach Einmündung der Nüst angenommen hat, benannt worden sein. Der Parallelname ist die Hönne (r. z. Ruhr). Dass die Belegreihen auch Formen mit umgelautetem /ū/, nämlich /eu/ (1526 Heunfelt, um 1560 Heunhaun) zeigen, geht auf Resemantisierung durch frühnhd. heune ‘Riese, Hüne’ zurück. – Keulos, Kielos (S. 306-309): Der Versuch, beide Namen mit den Fortsetzungen von keltolat. cucullus in der metaphorischen Bedeutung ‘Bergkuppe’ und mit germ. *kuk– (schweizerdt. choche, chuche ‘kleine höckerartige Erhebungen in einem Sumpfgebiet’) in Verbindung zu bringen, wer- den aus sprachgeographischen, semantischen und lautlichen Gründen den Belegen (1212 in Cugels, in Chugels, 1325 Kůls) nicht gerecht. Die wenig erhöhte Lage spricht gegen eine Motivation durch nennenswerte Erhebungen; die heutige Lautung und Schreibung verlangen umgelautetes mhd. /ū/. In den von Diana Ascher zitierten „bisherigen Erklärungen“ findet sich bereits ein plausibler Ansatz als Genitivischer Namen: Geht man von dem PN *Kugil(i) aus, dann ergibt sich folgende Entwicklung: PN im Genitiv ahd. *Kugiles > mhd. *Kügeles, kontrahiert > *Kǖles, diphthongiert > Keules/Keulos. – Liels (S. 330f.) kann ebenso durch Kontraktion des bei Kaufmann, Ergänzungsband, S. 223, angesetzten PN *Lagilo bzw. *Lagil(i) erklärt werden: PN. im Genitiv ahd. *Legiles > *Leiles, monophthongiert > *Lēles, mit Hebung > *Līls bzw. Liels. – Lüder (S. 338-341) und Lütter (S. 344): Beide Flussnamen waren ursprünglich identisch; die Flüsse münden nahe bei Fulda, der eine links, der andere rechts in die Fulda. Als Grundform kann (Diana Ascher zustimmend) vorahd. *Ludira angesetzt werden. Die Belegreihen für beide Namen zeigen ein Schwanken bei der Schreibung der Fortsetzung des vorahd. -d-. Dass in einigen Belegen <d> statt <t> geschrieben wurde, hängt damit zusammen, dass von einigen Schreibern <t> als Ergebnis der 2. Lautverschiebung (aus Gründen der Latini-sierung?) nicht geschrieben wurde bzw. ein Reflex der „Binnendeutschen Konsonantenschwächung“ wie bei mda. Liidǝr vorliegt. Der „Konsonantenwechsel“ darf nicht mit grammatischem Wechsel erklär werden (so S. 340). Das Schwanken in der Schreibung wird ausgenützt, um heute die beiden gleichlautenden Namen zu differenzieren. Für die Grundform vorahd. *Ludira findet sich im Germanischen kein appellativischer Anschluss. Führt man *Ludira auf vorgerm. *Ludhrā zurück, dann gibt es mit griech. λύθρος ‘Besudelung, Schmutz’ einen passenden etymologischen Anschluss. Der Mittelvokal -i- ist als ahd. Sprossvokal zu erklären, der wie der Beleg 12. Jh. ville Luturun aus dem Codex Eberhardi zeigt, auch als -u- auftritt. – Molzbach (S. 371f.): Das als Etymon des bach-Namens vorgeschlagene Adjektiv nhd. molsch, mulsch ‘vom Obst in den ersten Grad der Fäulnis übergehend’ (Adelung) kann nicht aus germ. *malta-, ahd. malz ‘mild, sanft’ hervorgegangen sein. Der älteste Beleg, 1305 Mulspach, zeigt, obwohl aus einer Kopie zitiert, den ursprünglichen Stammvokal, der im Mitteldeutschen zu -o- gesenkt wurde und mit /-s-/ keinen Reflex der 2. Lautverschiebung aufweist. Das Bestimmungswort Muls-, Mols– fügt sich in die Reihe der von Kaufmann, Ergänzungsband, S. 261, anführten Ortsnamen ein, die mit einem PN (germ.) Mulw-/Molw– gebildet sind. Als Grundform kann für Molzbach *Mul(w)esbach angesetzt werden. – Müss  (S. 380–382): Die historischen Belege, seit 1346 Můse (lies Muese), mda. Miis, erfordern den Ansatz von vorahd. (germ.) *Mūsja– (n.?), eine Kollektivbildung ‘vermoostes Gelände’ zu germ. *mūs-, *musa– ‘Moos, Sumpf’. Müs liegt im Tal der Altefeld (zur Schlitz). – Sanzenrode (S. 474f.): Das Kompositum 1487 Santzenrode ist mit dem RN ahd. Sanzo, Genitiv Sanzen– gebildet (Kaufmann, Ergänzungsband, S. 302). Die Belege 1413 Saltzenrode sind durch regressive Dissimilation /n – n/ > l – n/ entstanden; die Dissimilation hat sich in der Überlieferung nicht durchgesetzt. – Setzelbach (S. 504–507): Der Name enthält als Bestimmungswort ahd. *setzel, eine Variante (mit Affrikata) zu ahd. sezzel (mit Spirans) ‘Sessel’; *setzel setzt germ. *setla– m. (got. sitls ‘Sitz’), mit west-germ. Gemination *settla– (engl. settle ‘Wandbank’), mit 2. Lautverschiebung ahd. setzel, fort. Der Bach wurde nach einem einem Sessel vergleichbaren Gelände benannt. Der einmalige Beleg 1479 Sesselbach ist eine Verschreibung aufgrund der semantischen Identität von *setzel und sessel. Die Rückführung von Setzelbach auf einen germanischen Flussnamen *Sitala (< idg. *Sidala) ist nicht haltbar, ebenso wenig wie die Begründung, dass –bach „sekundär angetreten sein“ muss. Aus germ. *Sitala wäre ahd.*Sezzala (mit Spirans /-ss-/) entstanden.

Diana Ascher verspricht in der Einführung, dass sie eine umfassende Analyse des Ortsnamenbestandes des Fuldaer Raums vorlegt. Es besteht kein Zweifel, dass sie das Versprechen eingelöst hat und darüber hinaus den wenigen Aufsätzen und systematischen Untersuchungen der Toponymie Hessens eine weitere wichtige hinzugefügt hat. Es bleibt zu hoffen, dass „Die Ortsnamen des Landkreises Fulda“ die systematische Erforschung der Toponyme (jeweils im Umfang der Namen eines Kreises, wie in mehreren anderen Bundesländern bereits üblich, auch in Hessen angeregt und fortgeführt wird.

Hinweise

Zitierbare DOI: https://doi.org/10.58938/ni721

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