Zum plötzlichen Tod von Herrn ao. Univ.-Prof. Dr. Edgar Hoffmann (Wien)

Erschüttert teilen wir das Ableben des seit über vierzig Jahren mit der Onomastik in Leipzig verbundenen bescheidenen, stets hilfsbereiten und vielseitigen Sprachforschers Edgar Hoffmann mit. Er verstarb völlig unerwartet kurz vor Semesterbeginn im Alter von nur 64 Jahren am 30. Oktober 2021.

Geboren am 22. September 1957 in Chemnitz, legte er hier 1976 das Abitur ab und studierte anschließend die Fächer Slavistik mit Schwerpunkt Russistik und Bohemistik sowie Geschichte für das Lehramt an der Universität Leipzig und in einem Auslandssemster an der Universität Voronezh in Russland. Sein akademischer Lehrer von nachhaltiger Prägung war der international hoch geschätzte Slavist und Mitbegründer der Leipziger  Onomastischen Schule Ernst Eichler. Ganz organisch folgte nach dem Studium dann in Leipzig 1984 E. Hoffmanns Promotion zur Geschichte der slavistischen Onomastik in Deutschland. Danach war er in Zwickau tätig, zunächst als Ortschronist der Stadt, danach vier Jahre an dem von mir geleiteten Institut für Fremdsprachen an der Pädagogischen Hochschule Zwickau. Neben seiner Lehrtätigkeit in den Fächern Russisch und Tschechisch unterstützte er unsere Untersuchungen zur Fremdsprachenausbildung in Westsachsen seit dem 16. Jahrhundert. Über seine Forschungsergebnisse referierte er auf mehreren Tagungen und publizierte dazu in den „Studien zur Geschichte der Sprachwissenschaft“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1988 und 1989 ebenso wie in der Schrift „Fremdsprachenausbildung und Sprachforschung in Südwestsachsen in Geschichte und Gegenwart“ (Zwickau 1990).

In Zwickau lernte er auch seine Frau Dr. Sibylle Hoffmann geb. Hötzmann kennen. Sie hatte als eine der letzten Forschungsstudentinnen am Institut für Fremdsprachen den Dr. phil. mit einer Dissertation im Bereich Fachsprachen erworben und ging danach mit ihrem Mann nach Wien.

Nach erfolgreicher Bewerbung wirkte er seit 1991 ohne Unterbrechung am Institut für slawische Sprachen der Wirtschaftsuniversität Wien. Dort konnte er sich im September 2015 habilitieren. Seine Forschungstätigkeit galt in Wien von Anfang an besonders den slawischen Wirtschaftssprachen, aber darüber hinaus weiterhin der Geschichte der slavistischen Namenforschung und der Rolle der Namen in der Wirtschaftskommunikation. Diese Themen bestimmten seine Tätigkeit auch bei der Betreuung von Promovenden. Darunter waren mehrere aus Osteuropa und noch entfernteren Staaten. Wiederholt nahm er eine Gastprofessur an der Staatlichen Universität in Almaty wahr. Innerhalb der Slavistik hat sich Edgar Hoffmann auch Ansehen verschafft durch seine Aktivitäten in der Österreichischen Gesellschaft für Slavistik. Von 2002 bis 2005 gehörte er zum Vorstand des damaligen Slavistenverbandes.

Die Forschungsleistungen von Edgar Hoffmann fanden stets breite Anerkennung. Das spiegelt sich auch in der langen Liste seiner Publikationen wider. In der Onomastik betrifft das z. B. seine Studien zur Geschichte der Namenforschung sowohl in ihrer Breite mit Blick auf die slavistischen Leistungen als auch hinsichtlich einzelner Forscher wie Julius Koblischke, Georg Körner, Paul Kühnel und Alfred Meiche sowie Ernst Mucke. Die Aufnahme in international verbreitete Schriftenreihen wie die in Berlin und Wrocław im Wechsel edierten „Onomastica Slavogermanica“ und die Leipziger Zeitschrift „Namenkundliche Informationen/Journal of Onomastics“ sprechen für die Qualität von Edgar Hoffmanns Ergebnissen.

Noch zu wenig bekannt ist, dass Edgar Hoffmann ganz entscheidend an der Ausarbeitung sowie Druckvorbereitung des 1992 im Domowina-Verlag in Bautzen erschienenen umfangreiche biographischen Lexikons „Slawistik in Deutschland von den Anfängen bis 1945“ als Mitherausgeber beteiligt war. Gleiches gilt wohl auch hinsichtlich seines Engagements bei der Entwicklung und Gründung neuer Organisationsformen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Österreich.

Nach den ersten Kontakten mit Fachsprachen und ihrer Erforschung in Zwickau hat er sich schließlich in Wien seinem Arbeitsgebiet entsprechend den Fachsprachen in der Wirtschaft mit Konzentration auf das Russische zugewandt und sich dabei wiederholt auch der Onomastik zugewandt und so z. B. seit 1993 „Zu Namenbildung und Namengebrauch in der russischen Wirtschaftswerbung“ publiziert. Auch da war es wieder die Breite von Themen, die von Anfang an seine Aufmerksamkeit erhielten, so etwa „Neue onymische Räume in Russland“ (1999). Die Verbindung zu seiner Alma mater hat er immer gewahrt. Seine jüngste Arbeit „Personennamen als Bestandteile von Namen in der russischen Wirtschaft“ ist soeben in dem 14. Band der Reihe „Onomastica Lipsiensia“ in Leipzig in Druck gegangen. Das Erscheinen vermag Edgar Hoffmann nun nicht mehr zu erleben.

Ein international bekannter Wissenschaftler und stets freundlicher sowie aufgeschlossener Mitstreiter ist für immer von uns gegangen. Unser Mitgefühl gehört seiner Frau Sibylle Hoffmann.