Prof. Dr. Barbara Czopek-Kopciuch, 31. Mai 1952 – 07. Juli 2020

Foto: Urszula Bijak (Kraków)

Geboren am 31. Mai 1952 in Częstochowa/Tschenstochau (Polen), verbrachte Barbara Czopek-Kopciuch in dieser Stadt ihre Kindheit und auch die Schulzeit.

Es folgte ein Studium der Polonistik an der berühmten Jagiellonen-Universität in Kraków/Krakau. Dieser Stadt hielt Barbara Czopek-Kopciuch die Treue, als Lebensmittelpunkt wie auch als Ort ihres beruflichen Wirkens. Über 40 Jahre und damit ihr gesamtes Arbeitsleben war sie am Institut für Polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau tätig. Daneben nahm sie Lehrverpflichtungen an Universitäten außerhalb Krakaus wahr. Zu Tagungen und Kongressen, zu Studienaufenthalten und zur Archivarbeit war sie in Polen und auch im Ausland unterwegs.

Bereits früh wandte sich die studierte Polonistin der Namenforschung zu und wurde im Jahre 1985 mit einer toponomastischen Dissertation[1] promoviert.

Bald entwickelte Barbara Czopek-Kopciuch ein großes Interesse an den Fragen des deutsch-polnischen Sprachkontaktes, genauer an den Ergebnissen von sprachlicher Interferenz und onymischer Integration. Dieses Thema griff sie auch in ihrer 1995 erschienenen Habilitationsschrift[2] auf, wo sie sich der Adaption deutscher Ortsnamen im Polnischen zuwandte.

Zu den Interessensgebieten Barbara Czopek-Kopciuchs gehörten jedoch nicht nur die geographischen Namen. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit waren die polnischen Familiennamen. Nach ihrer im Jahre 2004 erschienen Monographie[3] zu den polnischen Familiennamen im Ruhrgebiet, folgte mit der Bearbeitung von über 13 Tausend Stichwörtern eine intensive Mitarbeit am zweibändigen „Lexikon der Familiennamen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet“[4].

Im Jahre 2008 wurde Barbara Czopek-Kopciuch zum ordentlichen Professor berufen.

Die Liste ihrer Publikationen und Vorträge ist lang, in polnischer, deutscher, russischer und englischer Sprache. Ihr Interesse galt dabei verschiedenen Namenklassen und unterschiedlichen Themen in Sprachwissenschaft und Namenforschung. Auch an der Erarbeitung polnischer und internationaler Handbücher zur Namenforschung war sie beteiligt.

Darüber hinaus war Prof. Barbara Czopek-Kopciuch Leiterin und gleichzeitig Mitarbeiterin an zahlreichen namenkundlichen Projekten des Instituts für Polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften, so u.a. des elektronischen „Wörterbuches der Gewässernamen Polens“[5] (2012-2015) und des ebenfalls elektronischen „Wörterbuches der häufigsten Familiennamen in Polen“[6] (2014-2020).

Sie hat sich aktiv in die Arbeit der „Onomastica Slavogermanica“, der „Namenkundlichen Informationen“ und der „Folia Onomastica Croatica“ eingebracht und sich in mehreren wissenschaftlichen Gremien engagiert, so im Komitee für Sprachwissenschaft der Polnischen Akademie der Wissenschaften (2015-2019), in der Kommission für slawische Onomastik beim Internationalen Slawistenkomitee (2008-2020) und nicht zuletzt im Vorstand des ICOS (2008-2011).

Austauschprogramme und Stipendien führten Barbara Czopek-Kopciuch regelmäßig ins Ausland. Eine intensive Zusammenarbeit verband sie mit wissenschaftlichen Zentren in Deutschland, so in Göttingen, Dortmund, Leipzig, Berlin und Mainz. Sie war Stipendiatin der VW-Stiftung, des GWZO und des DAAD und arbeitete besonders eng mit den verstorbenen deutschen Sprachwissenschaftlern und Namenforschern Prof. Wolfgang P. Schmid (Göttingen) und Prof. Ernst Eichler (Leipzig) zusammen. 

Barbara Czopek-Kopciuch war aber nicht nur für die beachtlichen Ergebnisse ihrer namenkundlichen Forschungen bekannt, sondern auch für ihr Organisationstalent. Über die Jahre hatte diese tüchtige Wissenschaftlerin eine ganze Reihe von leitenden Funktionen inne, die, jede für sich genommen, schon ein hohes Arbeitspensum erforderten, wie z.B. das Amt der stellv. Direktorin des Instituts für Polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften (2002-2012), der Leiterin der Abteilung Namenforschung an diesem Institut (2011-2019), der Chefredakteurin der polnischen namenkundlichen Zeitschrift „Onomastica“ (2015-2020) und nicht zuletzt der Leiterin der Kommission für geographische Namen beim Innenminister (2008-2016), um hier nur ihre wichtigsten Verpflichtungen zu nennen. All diese Aufgaben erfüllte sie mit großem Engagement und gab dabei wesentliche Impulse für innovative wissenschaftliche Vorhaben.

Ganz besondere Verdienste erwarb sich Prof. Czopek-Kopciuch in den fast 15 Jahren ihrer Mitautorschaft (Bd. I-XVI: 1996-2020) am vielbeachteten „Wörterbuch der Ortsnamen Polens. Geschichte, Herkunft, Veränderungen“[7], dessen Mitherausgeberin sie außerdem von Band VIII an war.

Barbara Czopek-Kopciuch war ein gern gesehener Gast auf nationalen wie internationalen Treffen, dazu eine überaus aktive, kreative und inspirierende Kooperationspartnerin, ein Motor nationaler wie auch internationaler Zusammenarbeit.

Die Pflege der Kontakte zu den Fachkollegen im In- und Ausland war Barbara Czopek-Kopciuch ein großes Bedürfnis. Ihre Aufenthalte in Leipzig, an der Universität, an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig wie auch am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), waren für alle Beteiligten immer besondere Gelegenheiten intensiven und anregenden fachlichen Austausches.

Die polnische und auch die internationale Namenforschung hat mit dieser Wissenschaftlerin nicht nur eine überaus tüchtige und kompetente Fachfrau verloren, sondern auch einen großartigen, warmherzigen und liebenswerten Menschen.

Inge Bily, Leipzig


Anschrift:

Dr. Inge Bily, Industriestr. 36, 04229 Leipzig, e-mail: ingebily@t-online.de


[1] Barbara Czopek, Nazwy miejscowe dawnej ziemi chełmskiej i bełskiej (w granicach dzisiejszego państwa polskiego). Wrocław, Warszawa, Kraków, Gdańsk, Łódź 1988.

[2] Barbara Czopek-Kopciuch, Adaptacje niemieckich nazw miejscowych w języku polskim. Kraków 1995.

[3] Barbara Czopek-Kopciuch, Nazwiska polskie w Zagłębiu Ruhry. Kraków 2004.

[4] Lexikon der Familiennamen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet, hrsg. von Kazimierz Rymut und Johannes Hoffmann. Bd. 1, 2. Kraków 2006-2010.

[5] eshp.ijp.pan.pl

[6] nazwiska.ijp.pan.pl

[7] Nazwy miejscowe Polski. Historia, pochodzenie, zmiany, pod red. Kazimierza Rymuta. [ab Bd. VIII pod red. Kazimierza Rymuta i Barbary Czopek-Kopciuch, ab Bd. X pod red. Kazimierza Rymuta, Barbary Czopek-Kopciuch i Urszuli Bijak]. Bd. 1ff. Kraków 1996ff.