Der Slavist Walther Wenzel hat als bester Kenner der altsorbischen (aso.) Anthroponymie eine sehr interessante und anregende Korrektur bei der Herleitung zweier aso. ON geboten. 

Neben dem erwogenen „seltenen Suffix“ –ta lässt sich alternativ auch an das sicher und häufiger belegte Suffix –ota denken. Es ist nachgewiesen in tschech. PN wie Milota, Drahota, Blahota zu den urslaw. Vollnamen *Blagoslav, *Drogomir, *Miloslav (Josef Beneš, Tschechische Familiennamen [tschech.], Praha 1962, S. 89 mit weiteren Bsp.). Auch aso. ist Milota vertreten (W. Wenzel, Studien zu sorbischen Personennamen, Bd. 1, Bautzen 1987, S. 108). 

Es ist bei diesen auffällig kurzen Kosenamenformen *Dota und *Rota wahrscheinlich von Gebrauchsformen aus der Kindersprache auszugehen. Dabei erfolgte zunächst von Kindesseite im Kleinkindalter eine maximale Reduktion des ursprünglichen Vollnamens oder evtl. auch einer Kurznamensform bis hin zu zwei anlautenden Phonemen, an die dann das Suffix angefügt wurde. Dieser Vorgang ist zumindest denen, die einst Russisch lernten, gut vertraut aus solchen Formen wie Saša  [Sascha] für Aleksandr oder Miša [Mischafür Michail, Maša [Maschafür Marija.        

Im Falle des Wüstungsnamens Rotin spricht der Bildungstyp des ON für eine Namengebung in der Zeit des slawischen Landesausbaus und gibt zu erkennen, dass ein Nachkomme eines Slawen nun ganz nahe Altenburg (im östlichen Thüringen) eine Niederlassung angelegt hatte. Zieht man nun für eine weitere Präzisierung noch ON in der näheren Umgebung mit heran, so lässt sich etwa zumindest als Möglichkeit neben dem von Walter Wenzel erwähnten PN *Rodoslav oder einem auch im Aso. belegten *Roslav (<*Rostislav, vgl. 1291 Roslaus; dazu ON Raßlitz bei Meißen, 1334 Rozlawicz) noch ein anderer aso. PN als Ausgangsform zusätzlich mit bedenken. Dies ergibt sich aus dem Folgenden: 

Das nur bis Ende des 13. Jh.s  urkundlich belegte und sehr wahrscheinlich in der Flur von Altenburg aufgegangene Rotin kann ein aus dem heute nördlichen Altenburger Stadtteil Rasephas stammender *Rota angelegt haben. Dann allerdings käme als Basis ein anderer aso. Ausgangsname in Betracht, nämlich *Rozvad, vgl. 1172 (F) Rosewaz, 1188 Rozewaz, [1184/1214] Rozwaz (h. Rasephas)  < aso. *Rozvaź (Die ON des Bosauer Zehntverzeichnisses, Neudruck in K. Hengst, Beiträge zum slavisch-deutschen Sprachkontakt, Veitshöchheim 1999, S. 135). Der PN Rozwad ist in dieser Form westslawisch gut belegt. 

Die von Walter Wenzel vorgetragene und von strukturellen Überlegungen ausgehende Neubetrachtung zweier ON slawischer Prägung erweist sich als recht fruchtbar. Die nun hier zusätzlich bei Rotin unternommene mikroareale Vertiefung kann vielleicht im konkreten Fall Unterstützung sowie gewisse Präzisierung bieten. Einen direkten Beweis für einen ganz bestimmten Ausgangsnamen freilich zu liefern ist allerdings nicht möglich. Und offen bleibt letztlich auch, ob wir bei den beiden ON nun von  einer PN-Form mit Suffix –ta oder möglicherweise –ota ausgehen können oder müssen. 

Die Erörterung macht jedoch auch erneut verständlich, dass die von der Öffentlichkeit gern gestellte Frage nach der „einzigen richtigen Ausgangsform“ in vielen Fällen nicht möglich ist.  Als weiterführend darf aber auf jeden Fall die von Walter Wenzel vorgetragene etymologische Korrektur bei den beiden ON gelten. Aus germanistischer Sicht bleibt noch die Frage offen, warum beide ON nicht den in der Überlieferung bereits erwartbaren Umlaut zeigen.