Mirjam Kilchmann, Lautwandel in der Toponymie am Beispiel von Deutschschweizer Siedlungsnamen. Regensburger Studien zur Namenforschung Bd. 11, Regensburg: edition vulpes 2022, 410 S. – ISBN/EAN: 9783939112341, Preis: CHF 53,00.

Rezensiert von Jacqueline Reber, Basel

„Ortsnamen besitzen im Gegensatz zu Gattungswörtern keine lexikalische Bedeutung (mehr). Die fehlende Semantik hat eine Instabilität der Lautform zur Folge und macht sie besonders anfällig für Lautveränderungen“ (Umschlag Dissertation). Qualitative und quantitative Analysen solcher Lautveränderungen von Siedlungsnamen mit den typischen Suffixen und Grundwörtern (GW) wie z. B. -wil, -hausen, -dorf; -ingen, -ikon/-ikofen sind das Thema der vorliegenden Dissertation von Mirjam Kilchmann.

Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel und befasst sich „mit der Lautgestalt von Ortsnamen in der deutschsprachigen Schweiz und ihrer historischen Entwicklung“ (S. 15). Im ersten Kapitel werden die Grundlagen dazu und Fragestellungen wie z. B. mögliche Arten von Lautverschiebungen und deren unterschiedlichen Entwicklungsgrade bei Ortsnamen oder ein möglicher konservativer oder progressiver Lautstand von Ortsnamen im Vergleich zu Appellativa erläutert (S. 16f.). Des Weiteren wird der aktuelle Forschungsstand ausführlich besprochen, wobei die Arbeit in erster Linie Untersuchungen von Sonderegger, Etz und Schütte (vgl. Literaturangaben) miteinbezieht. Kapitel I.2 behandelt die Diglossie, die offizielle schreibsprachliche und dialektale Form eines Ortsnamens (Bsp. Liebistorf, mda. Libischdorf; Schleitheim, mda. Schlaate). Sie geht dabei auf die teilweise gegebene Schwierigkeit ein, „die Lautentwicklungen anhand der historischen Belegformen zu beschreiben, zumal es sich in den Quellen häufig um eine normalisierte, schreibsprachliche Namenform handelt“ (S. 22). Weiter werden das Untersuchungsmaterial sowie die wissenschaftliche Methode zur Auswertung der Siedlungsnamen beschrieben: Methodik und Terminologie, die Datenquellen sowie das Untersuchungsgebiet, die Deutschschweiz. Die Lautwandelerscheinungen der untersuchten Ortsnamen werden in zwei Abschnitte gegliedert, nämlich den gut erforschten Lautwandel im Appellativwortschatz (bspw. Entrundung, Senkung, Verdumpfung; Kap. II) und die Lautentwicklungen, für die sich im Appellativwortschatz keine Entsprechungen finden und die somit lediglich Ortsnamen betreffen (Kap. III). Die Auswahlkriterien und das Korpus werden ausführlich erklärt und begründet. Das Korpus umfasst rund 1.200 Ortsnamen (S. 30f.), gesammelt unter anderem von der Plattform www.ortsnamen.ch.

Die Arbeit von Kilchmann gibt Auskunft über den Lautwandel bei Deutschschweizer Ortsnamen. Sie nutzt einerseits manuelle Methoden – „hauptsächlich traditionelle, philologische Methoden ... die aus dem Vergleich von schriftlichen sowie mündlichen Belegformen bestehen“ (S. 325) – andererseits computergestützte, d. h. statistische Auswertungen.

Der Ansatz für das Analyseverfahren wurde von der Autorin selbst entwickelt, wobei eine diachrone und synchrone Betrachtung des Datenmaterials im Vordergrund steht. Hauptsächlich werden manuelle, qualitative Untersuchungen durchgeführt, ergänzend kommen einzelne computergestützte statistische Verfahren zum Einsatz (S. 36f.). Die Ortsnamen werden in zehn Namentypen (-ach, -au, -dorf, -hausen, -heim, -hofen, -ikon/-ikofen/-ighofen, -ingen, -wang(en), -wil(en)/-wiler) unterteilt, in je einem Unterkapitel anhand zahlreicher Beispiele besprochen und deren Verteilung im Gebiet kartographisch dargestellt (Kap. I.4).

Das zweite Kapitel widmet sich den Lautentwicklungen bei Toponymen und Appellativa. Lautentwicklungen wie Entrundung, Senkung, Monophtongierung, Dissimilation usw. werden detailliert erklärt, in den fachlichen Kontext eingebettet, mit zahlreichen Ortsnamen-Beispielen visualisiert und statistischen sowie kartographischen Auswertungen ergänzt. Insbesondere dem i-Umlaut schenkt die Autorin Beachtung (Kap. I.1), es wird untersucht, „ob sich Ortsnamen des Untersuchungsgebiets hinsichtlich des i-Umlauts einerseits entsprechend dem Appellativwortschatz und andererseits entsprechend den bereits untersuchten Ortsnamen im obdt. Sprachraum verhalten, oder ob sie Abweichungen und Besonderheiten zeigen“ (S. 79). Das Kapitel wird unterteilt in die Untersuchung von i-Umlauten in den schwzdt. Mundarten (Bsp. Umlaut von ahd. a und ā oder ahd. /ŭ/, /ou/, /uo/ sowie /o/) und i-Umlauten in Deutschschweizer Ortsnamen. Letzteres beinhaltet Namen mit Endungen auf -wil (Bsp. Egliswil AG, 924 Egririchswilare), -ingen und -ikon (Bäbikon SG, 1243 Baebingen), -ighofen, -ikofen (Hüttikon ZH, 883 Huttintinchova) sowie Namen mit demselben ahd. Personennamen im Vorderglied (Abtwil AG, 1256 Apwiler und Abtwil SG, 1200 Appiwila, 1255 Appwiller; Döttingen AG, 1239 Tottingen und Dottikon AG, 1179 Totinchon). Die Autorin resümiert, dass die Resultate der Auswertung zu einem großen Teil den Beobachtungen zum Appellativwortschatz in den historischen Grammatiken entsprechen (Bach, Sonderegger, Nübling, Löffler; S. 102f.). Es zeigen sich aber durchaus auch Abweichungen, so lässt sich bspw. feststellen, dass „der Umlaut von o- und u-Lauten bei den untersuchten Ortsnamen gegenüber dem Appellativwortschatz (noch) häufiger unterblieben ist“ (S. 104). Ortsnamen dürften zudem, im Gegensatz zum Appellativwortschatz, „schon früh in ihrer Form erstarrt gewesen sein und machten dadurch appellativischen Lautwandel weniger konsequent mit“ (S. 104). Im Weiteren werden die Lautentwicklungen wie Entrundung, Rundung, Senkung, Vokalwechsel, Verdumpfung, Monophtongierung, Velarisierung, Dentalepithese und -epenthese, Dissimilation, Vokalisierung von n vor Reibelaut (Staubsches Gesetz), Reduktion des Bestimmungsworts (BW) in Zusammensetzungen (Brandstettersches Gesetz), Reduktion des unbetonten Endglieds, Agglutination und Deglutination in je einem Unterkapitel anhand diverser Ortsnamen-Beispiele erklärt und teilweise mit Kartenmaterial visualisiert.

Kapitel III widmet sich in sechs Unterkapiteln den spezifisch toponymischen Lautentwicklungen, ergänzt mit anschaulichen Diagrammen und kartographischen Darstellungen. Die Unterkapitel werden folgend kurz erläutert.

Kapitel III.1 behandelt die „Lautentwicklung des Vorderglieds von zusammengesetzten und abgeleiteten Ortsnamen“ und zeigt im Anschluss das Ergebnis auf, „dass einerseits die Beschaffenheit des Vorderglieds dessen Lautentwicklung beeinflusst, und andererseits die Beschaffenheit des Endglieds (GW oder Suffix -ingen, -ikon) und somit die Art der Wortbildung auf die Lautentwicklung einwirkt“. Hierbei spielen „primär morphologische Eigenschaften …. aber auch phonetische Merkmale“ eine Rolle (S. 189). Es werden des Weiteren regionale Ausprägungen beobachtet und detaillierte Untersuchungen zur Lautentwicklung in Ortsnamen gemacht: Synkope der Flexionssilbe von schwach flektierten BW in Ortsnamen auf -au, -dorf, -hofen, -wil(en)/-wiler (wie bspw. Andwil SG, 846 Anninwilare); Ortsnamen mit einem zweigliedrigen ahd. Personennamen (PN) im Vorderglied (wie bspw. Dübendorf ZH zum PN *Tuobilo, 946 Tuobilindorf). Die Auswertungen zeigen auf, dass das PN-Zweitglied je nach Beschaffenheit des Endglieds (-hofen, -au, -hausen, -dorf) eine unterschiedliche Lautentwicklung erfährt.

Kapitel III.2 behandelt Ortsnamen mit demselben PN im Vorderglied, denn hier lassen sich insbesondere „Parallelen und Unterschiede bei der Lautentwicklung der Ortsnamen beobachten“ (S. 232). Im Datenmaterial finden sich bspw. rund 260 etymologische Homonyme, also Ortsnamen mit gleichem GW oder Suffix, so z. B. in Ottikon (Gossau) ZH (809 Ottinchoua) und Ottikon b. Kempthal ZH (um 1274 Ottinkon) zum PN Otto. Hier ist eine Kürzung bzw. eine Abschwächung des Suffixes -inchova > -ikon (mda. -ike) zu erkennen. Die Autorin stellt fest, dass sich rund die Hälfte dieser ursprünglich etymologischen Homonyme von der Homonymie weg entwickelt haben. Als Beispiel wird die Ausgangsform Anninwilare aufgeführt, die für folgende fünf Namen gelten soll: Andwil SG, Andwil TG, Anwil BL, Anwil (Kradolf-Schönenberg) TG und Anwil (Fischingen) TG. Des Weiteren werden rund 300 Toponyme untersucht, deren Vorderglied auf denselben oder einen ähnlichen PN zurückgeht, die jedoch mit unterschiedlichem GW oder Suffix gebildet sind. Als Beispiel aufgeführt ist u. a. Egerkingen SO (1242 Egerchingen) und Egliswil AG (924 Egirichswilare), deren Vorderglieder sich wohl beide vom PN Egirich, Agirich herleiten lassen.

Kapitel III.3 untersucht die Betonung von zusammengesetzten Ortsnamen. In der bisherigen Forschung wurde in erster Linie der Wortakzent untersucht. Wichtig war Kilchmann dabei, eine Regelmäßigkeit in der Betonungsweise von zusammengesetzten Ortsnamen herauszufinden und somit die ursprünglichen Betonungsmuster und die historische Entwicklung der Betonungsweise zu rekonstruieren (S. 238). Die Autorin führt eine fachliche Diskussion von Bach über Kaufmann zu Wilbur A. Benware, der über 24.000 Namen des deutschsprachigen Europas untersucht hat und erwähnt die Uneinigkeit bezüglich der ursprünglichen Betonungsweise von zusammengesetzten Ortsnamen. Die Verschiebung des Haupttons vom GW auf das BW scheint gemäß den meisten Forschungsansätzen unter Einfluss der germanischen Erstsilbenbetonung stattgefunden zu haben, wobei die Betonung auf dem GW einen älteren Sprachstand darstellt (S. 252). Ausnahmen bilden wohl Namen mit dem ahd. GW -wilari (vgl. Kap. III.4). Des Weiteren werden in diesem Unterkapitel die zusammengesetzten Ortsnamen auf -au, -dorf, -hausen, -heim, -hofen, -wang/-wangen und -wil/-wilen untersucht und anhand zahlreicher Beispiele ausgewertet. Das Grundschema von Kaufmann zur Betonungsweise von zusammengesetzten Namen lässt sich dabei kaum auf die untersuchten Ortsnamen von Kilchmann anwenden, wobei die Abweichung von Kaufmanns Schema für den Bildungstyp EN + App. in den Untersuchungen am häufigsten beobachtet werden kann. Im Untersuchungsgebiet der vorliegenden Arbeit dominiert die Anfangsbetonung, so argumentiert denn auch Kaufmann mit einer Endbetonung im Norden und einer Anfangsbetonung im Süden, was sich auch in den Resultaten des Untersuchungsgebiet der Deutschschweiz widerspiegelt (S. 262f.).

Kapitel III.4 befasst sich ausführlich mit der Betonung von -wil-Namen, es ist denn auch das Kapitel, welches erstmals eine statistische Auswertung vornimmt, da Namen mit dem GW -wil im Untersuchungsgebiet „hinsichtlich ihrer Betonungsweise grosse Schwankungen aufweisen“ (S. 264). Für diese statistische Analyse werden nur Namen mit dem einsilbigen GW -wil berücksichtigt, -wilen und -wiler demnach ausgeschlossen. Die Analyse erfolgt auf Basis von zwei verschiedenen Datensammlungen (Sammlung A mit 382 Mundartformen und Sammlung B, einer Forschungsarbeit von Max Mangold mit mündlichen und schriftlichen Erhebungen). Die Ortsnamen werden nach Betonungsweise, Silbenzahl und geographischer Lage analysiert. Die Auswertungen werden mit Kreisdiagrammen und kartographischem Material dargestellt. Die statistischen Untersuchungen belegen, dass „aus synchroner Sicht sowohl die Silbenzahl des BW als auch die geographische Lage eines wil-Orts mit dessen Betonungsweise zusammenhängt. Ist das BW mehrsilbig, wird der Namen tendenziell endbetont; ist das BW einsilbig, wir es eher anfangsbetont“ (S. 288).

Kapitel III.5 macht statistische Analysen zum Suffix -ingen. Zu dessen Aussprache in der Deutschschweiz gibt es bis anhin noch keine systematischen Untersuchungen. Lediglich Bach stellte fest, „dass -ingen-Namen in der Deutschschweiz auf zwei Arten realisiert werden, nämlich als -ingen und -igen“, bspw. Hedingen ZH, mda. Hedige, aber auch Andelfingen ZH, mda. Andelfinge (S. 293). Die Verteilung der verschiedenen Schreibungen wird statistisch ausgewertet, wobei sich herausstellt, dass „die Aussprachevariante als [ige] oder [inge] einerseits mit der Silbenzahl des Vorderglieds und andererseits mit der geographischen Lage des -ingen-Orts zusammenhängt. Ist das Vorderglied einsilbig, überwiegt die Aussprachevariante [ige], während bei mehrsilbigem Vorderglied mit wenigen Ausnahmen immer [inge] gilt“ (S. 303).

Kapitel III.6 behandelt den Wechsel des GW oder des Suffixes, so z. B. ein Wechsel vom GW -heim bzw. -wilare zum Suffix -ikon (Hilfikon AG, 924 Hilfiniswilare). Ein weiterer Wechsel ist für Rüeggshusen aufgeführt, 775 als Hroadgisinchoua belegt, ein Wechsel also vom Suffix -inghova zu -hausen. Die Silbe -ing blieb bestehen, während -hova durch -husen ersetzt wurde (S. 306). Die Autorin begründet solche Wechsel hauptsächlich mit „benachbarten Ortsnamen und/oder mit im Gebiet verbreiteten Ortsnamentypen“ (S. 310). Die Wechsel dürften also durch analogische Prozesse motiviert worden sein. Schließlich wird auf den Sonderfall der -wang-Namen hingewiesen, wobei diese meist eine lautliche Veränderung erfuhren und die ursprüngliche Form -wang(en) nur selten erhalten blieb (S. 312–318).

Im vierten und letzten Kapitel fasst die Autorin die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, beantwortet eingangs gestellte Fragen und hält fest, dass nach Abschluss von laufenden Forschungsprojekten in den Kantonen AG, BE, LU, OW, SO und ZH weitere Nachforschungen und Auswertungen lohnenswert wären.

Im Anhang werden zudem eine große und detaillierte Belegauswahl an Ortsnamen (sortiert nach Endungen wie -ach, -heim, -wil als auch nach PN-Zweitglied) aufgelistet. Auch für etymologische Homonyme und Ortsnamen mit gleichem oder ähnlichem PN werden zahlreiche Belege aufgeführt. Abschließend gibt es eine Gesamtliste nach Namentyp geordnet und ein Ortsnamenregister mit Seitenzahlangaben, so dass die Ortsnamen innerhalb der Arbeit gut auffindbar sind.

Kilchmann zeigt mit ihren detaillierten Analysen auf, dass sich Ortsnamen systematisch erfassen und beschreiben lassen und daraus Maßgebliches zu ihrer Lautentwicklung erschlossen werden kann. Als mögliche Formen der Lautveränderung führt sie an: Entrundung, Rundung, Senkung, Verdumpfung, Monophtongierung, Velarisierung, Dentalepithese und -epenthese, Reduktion des BW in Zusammensetzung (Brandstettersches Gesetz), Vokalisierung des n vor Reibelaut (Staubsches Gesetz), Dissimilation, Agglutination, Deglutination und Reduktion des unbetonten Endglieds (S. 321). Außerdem werden Lautveränderungen beobachtet, die im Appellativwortschatz nicht oder kaum zu finden sind, z. B. die „besonderen Entwicklungen im Bereich des Wortakzents“ (S. 322), insbesondere bei den -wil und -ingen-Namen. Die Frage, ob sich regionale Ausprägungen feststellen lassen, kann die Autorin bejahen, bspw. bei der Aussprache von -ingen oder -igen. Erstere treten vor allem Nordosten des Untersuchungsgebiets auf, während -ige in den anderen Regionen vorherrschend ist.

Die Verbindung von manuellen und computergestützten Methoden ist ein großer Mehrwert für die Arbeit, ebenso der überaus lobenswerte und hilfreiche Anhang mit Belegauswahl und der Gesamtliste der Ortsnamen.

Der Rezensentin stellen sich abschließend folgende Fragen: Zu den Auswahlkriterien der Daten schreibt die Autorin, dass die Namen „möglichst einheitlich“ gehalten werden sollen (S. 35). Werden demnach gewisse Ortsnamen von der Auswertung ausgeschlossen und wenn ja, in welchem Verhältnis steht das Korpus der ausgewählten Namen zu den restlichen Siedlungs- und Ortsnamen, die auf andere Weise gebildet worden sind? Wie viele sind das im Vergleich zu denjenigen Ortsnamen, die in der vorliegenden Arbeit ausgewertet worden sind und was sind das für Namen? Für eine differenziertere Einordnung der Forschungsergebnisse wäre eine grobe Kontextualisierung hilfreich gewesen; gleichermaßen eine qualitative Auswertung von Einzelfällen.

Eine Nachfrage richtet sich weiterhin zum computergestützten Verfahren mittels der Statistiksoftware R. Eine nähere Erläuterung des Programms wäre wünschenswert gewesen. Gerade in namenkundlichen Untersuchungen werden die Auswertungsmöglichkeiten mittels Statistiksoftware viel zu wenig genutzt, umso interessanter ist es, über deren Möglichkeiten und Vorgehensweisen mehr zu erfahren, so dass noch mehr qualitative Studien durch statistische Analysen erweitert werden könnten.

Die Dissertation von Kilchmann schafft es, qualitative und quantitative Analysemethoden für ihre Datenbasis ausgezeichnet anzuwenden. Die qualitativen Analysen sind sehr umfassend und werden durch die statistischen Auswertungen meist gestützt, manchmal auch widerlegt. Die Siedlungs- und Ortsnamen der deutschsprachigen Schweiz werden erstmals in einem so breiten Korpus in ihrer historischen Entwicklung qualitativ und quantitativ fundiert ausgewertet. Damit leistet die Arbeit einen äußerst wichtigen Beitrag zur Erforschung der Lautgestalt von Siedlungs- und Ortsnamen der deutschsprachigen Schweiz. Weiterhin eignet sie sich hervorragend als Grundlage für weiterführende Forschungsarbeiten.

Literatur

– Benware, Wilbur A. (2015): Zur Betonung geographischer Namen im deutschsprachigen Europa. Heidelberg (Germanistische Bibliothek 57).
– Etz, Albrecht (1971): Die Siedlungsnamen des Innviertels als lauthistorische Quellen. Eine Untersuchung ihrer mundartlichen Aussprache und der Akzentverhältnisse. Wien (Dissertationen der Universität Wien 53).
– Kaufmann, Henning (1977): Bildungsweise und Betonung der deutschen Ortsnamen. Zweite, verbesserte und erweiterte Auflage. München.
– Löffler, Heinrich (1987): -ing-hova / -in-chova. Zu einem Ortsnamen-Doppelsuffix im Althochdeutschen. In: Rolf Bergmann et al. (Hrsg.): Althochdeutsch. Wörter und Namen, Forschungsgeschichte. Heidelberg, S. 1342–1349 (Germanische Bibliothek. Reihe 3, Untersuchungen).
– Nübling, Damaris et al. (2015). Namen. Eine Einführung in die Onomastik. Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen (Narr Studienbücher).
– Pitz, Martina (1997): Siedlungsnamen auf -villare (-weiler, -villers) zwischen Mosel, Hunsrück und Vogesen. Untersuchungen zu einem germanisch-romanischen Mischtypus der jüngeren Merowinger- und der Karolingerzeit. Saarbrücken (Beiträge zur Sprache im Saar-Mosel-Raum 12/1).
– Schütte, Leopold (1999): Erscheinungsformen silbenübergreifenden Lautwandels bei westniederdeutschen Ortsnamen – aus der Sicht des Archivars. In: Niederdeutsches Wort. Beiträge zur niederdeutschen Philologie 39, S. 83–108.
– Sonderegger, Stefan (1998): Namengeschichte als Bestandteil der deutschen Sprachgeschichte. In: Werner Besch et al. (Hrsg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 1. Teilband. Zweite, vollständig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Berlin/New York, 3405–3436 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 2.1, Ed. 2).

Empfohlene Zitierweise
Jacqueline Reber: [Rezension zu] Lautwandel in der Toponymie, in: Onomastikblog [11.01.2023], URL: www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-lautwandel-toponymie

Druckversion dieses Artikels als PDF

Dieser Blogartikel und das zugehörige PDF-Dokument sind lizenziert unter CC BY 3.0 DE.
Die Titeldaten für das rezensierte Werk finden Sie im DNB-Katalog.