Volker Kohlheim: Der Name in der Literatur. Unter Mitarbeit von Rosa Kohlheim (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte Bd. 393), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2019, 371 S.


Rezensiert von Karlheinz Hengst

Seit dem Ausgang des 20. Jahrhunderts hat sich die Literarische Onomastik als Bindeglied zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft vor allem durch die über dreißig vielseitigen und umsichtigen Untersuchungen des Bayreuther Germanisten und Sprachforschers Volker Kohlheim im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus vor allem in Mitteleuropa einen wohlverdienten Namen gemacht. Nun liegt von ihm als Autor unter Mitarbeit seiner Frau erstmals ein Kompendium aus den eigenen Forschungen vor. Die Monographie darf als sowohl komplexe als auch kompakte Darstellung zu Gehalt und Umfang von Onymen in der Literatur sowie zum derzeitigen Forschungsstand gelten. Besonders hervorhebenswert ist die in den einzelnen Kapiteln oder Abschnitten praktizierte Interdisziplinarität der Betrachtungen. Des Weiteren ist der gesamteuropäische Blick in einer Reihe von Beiträgen recht bemerkenswert, blickweitend und ausgesprochen anregend. Für alle sich der Thematik „Eigennamen in der Literatur“ verbundenen Interessenten bieten die ausgeführten Analysen literarischer Werke und die Synthetisierung der gewonnenen Ergebnisse sowie Erkenntnisse eine Veranschaulichung des methodischen Vorgehens als Voraussetzung auch für künftige Arbeiten. Hierin liegen Anreiz und Nutzen zugleich für die sich zunehmend mit Namen im heutigen Sprachgebrauch befassenden Studierenden in den Philologien. 

Die innere Struktur und der Aufbau des Bandes verleihen dem Werk den Charakter eines Lehrbuchs. Theoretisch ausgerichtete Beiträge wechseln sich in dem Band mit jeweils nachfolgenden konkreten Studien zu Eigennamen in literarischen Werken ab. Wenn auf den ersten 150 Seiten vor allem Personennamen im Fokus stehen, so folgen ebenso Orts-, Straßen- und andere städtische Namen auf weiteren mehr als hundert Seiten S. 153 – 262). Den Abschluss des Textteils bilden Ausführungen zum Namen als psychologischem Faktor (S. 263 – 290) sowie zu Namen in der Übersetzung (S. 291 – 309).

Ein umfangreicher abschließender Teil mit Literaturverzeichnis (besonders S. 322 – 361) sowie Sach- und Begriffsregister (S. 362 – 371) runden den Band bibliographisch und terminologisch ab. Damit wird zugleich nochmals der Nutzen als Handbuch und Nachschlagewerk unterstrichen. Der zweispaltige Sach- und Begriffsindex mit zahlreichen Zwei- und Mehrworttermini ist auf dem weiteren Entwicklungsweg der Literarischen Namenforschung als ein erster Schritt zu einem einschlägigen Lexikon recht nützlich.   

Autor und Verlag verdienen Anerkennung sowie Dank für die ansprechend und gut lesbar gestaltete Edition mit einem beachtlichen Anmerkungsapparat. Dem übersichtlich gegliederten Werk ist in einer zunehmend globalisierten und für Namen sensibilisierten Welt ein weiter Nutzerkreis sowie eine die weitere Forschung anregende Wirkung sehr zu wünschen.