Es zeugt von dem hohen Entwicklungsstand der slavistischen Toponomastik in Deutschland, wenn bisher ungeklärte Fälle aufgegriffen und neu ins Blickfeld gerückt werden. Das jüngste Versuchsobjekt mit den historisch überlieferten Formen 966 (Fälschung 11. Jh.) Nessuzi, 1004 Nessoc und Neszuc haben Walter Wenzel und Bernd Koenitz nacheinander auf den Prüfstand gestellt. Überzeugend und zufriedenstellend sind die vorgeschlagenen Lösungen allerdings leider immer noch nicht. Je verschlungener und komplizierter die vorgetragenen Gedankengänge sind, umso weniger kann ich aus langjähriger Erfahrung zustimmen.

Eine endgültige Klärung ist bei allem Bemühen wohl auch heute immer noch schwerlich möglich. Schon der älteste Beleg ist mit Vorsicht zu behandeln, da es sich um eine Aufzeichnung im 11. Jahrhundert in einer gefälschten Urkunde handelt. Der Auslaut kann auf Zetazismus hinweisen.

Übereinstimmend ist in den drei historischen Formen immerhin jedoch dreierlei: Die Anlautsilbe <ne> + die Graphie <ss> resp. <sz> + dunkler Vokal <u> resp. <o>. Im Auslaut erweckt wohl <c> mehr Vertrauen als <zi>.

Die Niederschrift der Formen in einer Zeit, als das Slawische dominierende Landessprache war, muss bei ihrer Interpretation strikt beachtet werden. Das bedeutet konkret, dass erstens im 11. Jh. mit einer Aufzeichnung von Sprachformen zu rechnen ist, die in der interethnischen Kommunikation verwendet wurden und infolgedessen der slawischen Ausgangsform noch recht nahe sind. Dazu kommt zweitens: Im 10./11. Jh. scheidet in lat. Urkunden graphisch <ss> als Wiedergabe von slaw. /s/ nach meinem derzeitigen Überblick aus. Die Phonem-Graphem-Relationen erlauben bei <ss> und <sz> bis 1200 nur, von slaw. /š/ oder /č/ auszugehen. Die in Band DS 35, S. 40 zum Saale-Elster-Gebiet angeführte Schreibung von <ss> als mögliche Entsprechung für ein slaw. /s/ oder auch /z/ ist mit sehr großer Vorsicht zu vergleichen, denn die dortige Übersicht ist zeitlich undifferenziert für einen Zeitraum vom 10. bis 14./15. Jh. zusammengestellt worden.

Nach meinem Einblick in den Forschungsstand zu altsorbischen Onymen und ihrer Transposition in lat. Urkunden würde sich daher als möglicher Ansatz ergeben entweder altsorbisch *Nešuk oder *Nečuk, evtl. reiner PN im Sinne von ´nörgelt nicht´ oder aber ´schreit nicht´? Aber finden sich zu den Verbalwurzeln strukturell vergleichbare PN in der Slavia?   

Die Suche ist damit keineswegs beendet, nur der Problemkreis etwas verändert, aber die Klärung noch offen.