In Sachsen fallen fünf Ortsnamen durch ihren wohl als „typisch sächsisch“ empfundenen „Klang“ auf: Potschappel, Toppschädel, Kuhschnappel, Constappel und Zuckelhausen. Die Namen machen den Eindruck von Scherznamen, wozu außer dem (scheinbaren) regionalen Deminutivsuffix und ggf. anderen regionalen Merkmalen wesentlich der Umstand beiträgt, daß die Namensglieder und/oder deren Kombination entweder semantisch gar nicht oder nur zum Teil transparent sind bzw. einen unernsten Sinn ergeben. Unter Vorbehalt kann man sie zu den Episkoptika (Spott- und Necknamen) rechnen. Bei den entsprechenden unzweifelhaft slawischen (altsorbischen) Herkunftsnamen gilt dies für zwei: Potschappel und Toppschädel. Es erweist sich, daß bei allen fünf Namen bisherige Erklärungen ihrer Geschichte wesentlich zu präzisieren bzw. gänzlich in Frage zu stellen sind.
Potschappel (sw. Dresden), Stadt Freital, 1206 Tidericus de Potshapel; 1286 Poschapel. Noch in HONSa: II, 209 klingt die 40 Jahre zuvor von Wolfgang Fleischer (1961: I, 91) geäußerte Position an, es gebe „zwei sprachlich und sachlich vertretbare Deutungsmöglichkeiten“: Außer einer Ableitung von einem PN *Počapły bzw. *Počaple, „einem Spottnamen“, als Part.Prät. zu čapnouti ›gebückt sitzen‹ passe die Lage des Ortes an der Weißeritz gut zu aso. *Po(d)čapľe zu ursl. *čapľa ›Reiher, Storch‹ und *podъ ›unter‹, wobei HONSa die zweite Möglichkeit im Sinne einer Eindeutung verstehen möchte. Tatsächlich ist die Grundform des ON *Počapli, substantivierter N.Pl. des l-Partizips zu ursl. *počapno͂ti  ›(leicht) in die Hocke gehen, sich ein bißchen hinkauern‹ (vgl. obersorbisch počapnyć so ›sich niederkauern‹), *čapěti/*čapati ›hocken, kauern‹, wie in dem tschechischen ON Počaply (5mal – Profous: III, 387f.). Die Abwegigkeit einer Ableitung von *čapľa wird klar, wenn man die tschechischen Toponyme Přečaply/deutsch Pritschapl (Profous: III, 460) und Tučapy (4 Orte in Mähren, 1 Ort in Böhmen – Hosák/Šrámek: II, 618-620; Profous: IV, 392f.) heranzieht. Mit  Přečaply, zu pře ›um, über‹ meinte man ›Umsiedler, Übersiedler‹,  Tučapy hatte wohl etwa den Sinn: ›die, die sich hier hingehockt haben‹. Nicht adäquat ist Fleischers (a.a.O) Bemerkung,  der „dem dt. Munde nicht geläufige Ausgang *-ply bzw. -pľe“ sei „als -pel übernommen“ worden, die in HONSa (a.a.O.) gekürzt wiederholt wird. Verkannt wurde, daß die Belege 1206 und 1286 den Genitiv des altsorbischen *Počapli bzw. *Počapły (vormaliger Akkusativ) wiedergeben. Dieser lautete *Počapeł, entstanden aus spätursl. *Počaplъ nach dem Wegfall des reduzierten Vokals -ъ durch die Einfügung von -e-, welche der Tendenz zur Vermeidung silbischer Sonore im Altsorbischen entsprach. Dazu zu stellen ist Pottschapplitz/oso. Počaplicy (nö. Bischofswerda (HONSa: II, 209f.) ( [1374/82] Puczaplicz; 1488 Potzschenplitz, Potzschaplitz; oso.: 1843 Počaplicy), ursprünglich eine -c-Substantivierung zu adjektivischer Basis – evtl. Deminutivum – , *Počaplьci,  die im Zuge der oben erwähnten Tendenz zur Vermeidung silbischer Sonore hier in Anlehnung an die zahlreichen Patronymika zu *Počaplici „gestreckt“ wurde, geradeso wie in *Podmoklici (Ableitung von *Podmokli), Grundform eines früheren altobersorbischen Namens von Klein-Praga/Mała Praha (w. Bautzen), 1377 Podmaklicz, 1488 Pomenklitz, und von tsch. Podmoklice (HONSa: II, 212 bzw. Profous: III, 401).
Toppschädel (Nieder-, Ober-, nw. Nossen), 1334, 1336 Tupschol, Tupschol parvum; 1337 Tupschal; 1378 Tupschel, Tubschel, Tupshal; (1428) K [um 1500] Topschal maior; 1470 Topschedil; 1506 Topschedel. Alle bisherigen Erklärungsvorschläge gingen davon aus, daß es sich um einen altsorbischen pluralischen, einen Bewohnernamen auf -ły handle. Während Gustav Hey (1893: 300) mit dem Rekonstrukt eines Berufsnamens *Toposadły ›Fettschmelzer‹  zu *sadło ›Fett, Schmer‹ und *topiti ›schmelzen‹ geglaubt hatte auch das erst im späten 15. Jahrhundert aufgekommene Zweitglied aus einer slawischen Basis erklären zu können, sahen die jüngeren Forschungen (HONSa: II, 511; Wenzel 2016: 6) eine solche Möglichkeit nicht, sondern nahmen eine bloße spätere Anlehnung an deutsch Schädel an, ohne eine reguläre Veränderung im entsprechenden Dialekt anzugeben, die das plausibel begründen könnte. Wie im Falle Potschappel wurde wahrscheinlich nicht gesehen, daß die Ursache für die Endungslosigkeit der rezipierten Formen weder in deutschen Ausspracheschwierigkeiten noch in der mittelhochdeutschen Tendenz zur Apokope zu suchen sind, sondern die altsorbische Genitivform übernommen wurde. Der Ansatz von Hey, der die Belege des 14. Jahrhunderts, mit <Tu>- nicht kannte, war auch im Hinblick auf den Anlaut des Zweitgliedes kaum haltbar. Er hatte auch ein „asl. [altslawisch] toposaly“ rekonstruiert, ohne auszuführen, in welchen slawistisch-sprachhistorischen Zusammenhang das Fehlen des -d- in <Topschal> usw. zu stellen wäre. Der Ansatz *Tupočały zu aso. *tu ›hier, da‹ und *počati ← *poče͂ti ›anfangen, beginnen‹ (HONSa: II, 511) paßte gut zu dem tschechischen Tupadly (3 Orte in Böhmen – Profous: IV, 397). das sein Pendant in Taupadel (Wg. sö. Delitzsch), 1378 Tupadel deserta ...) hat (HONSa: II, 489). Die Grundform ist atsch./aso. *Tupadli zu *pasti ›fallen, stürzen‹ (gemeint vielleicht: ›die, die sich hier haben fallen lassen‹). Für den altsorbischen Namen gilt auch hier, daß der urkundlichen Notierung der Genitiv, *Tupadeł statt *Tupadł, mit eingefügtem -e- zur Vermeidung des silbischen Sonors, zugrunde liegt. Hinzuweisen wäre bzgl. der eindeutigen Etymologie der Teilsequenz <Tu>- ferner auf die tschechischen Ortsnamen Tučapy, Tukleky, Tuklaty und Tutleky, die aber nicht auf -l-Partizipien zurückgehen. In semantischer Hinsicht wäre der Deutungsvorschlag unbedenklich, eine Sinngebung durch die Namenträger wäre nicht schwerer durchschaubar als in ähnlichen Toponymen. Zu Bedenken Anlaß gibt der Umstand, daß das verbale Zweitglied aller vergleichbaren Ortsnamen präfixlos ist.
Einen Gegenvorschlag bietet Walter Wenzel (2016: 6) mit der Rekonstruktion einer gänzlich anderen morphologisch-semantischen Struktur: aso. *Tupošały zur adverbiellen Form des Adjektivs *tup- ›stumpf; dumm, dumpf, stumpfsinnig‹ u.dgl. und šaliti ›übermütig sein‹ u.dgl.
Bezieht man die hier oben akzentuierte Feststellung, daß die älteren Belege oft auf  der altsorbischen Genitivform beruhen, im gegebenen Fall auch auf die um 1500 belegten Formen und sucht einen Zusammenhang mit den vorangegangenen Belegen, wie das auch Hey getan hat, so kommt man für das Zweitglied der altsorbischen Grundform auf eine andere Basis: urslawisch *šьd-, Stamm des l-Partizips zu *iti ›gehen‹, dessen Formen *šьdlъ, *šьdla, , ..., *šьdli lauteten und nach Fall bzw. Vollvokalisierung der reduzierten Vokale im Altsorbischen zu *šedł, *šła, ..., *šli wurden, wo die Form *šedł sich weiter zu *šeł und schließlich per eo-Umlaut zu *šoł veränderte (vgl. poln. szedł, szła, …; oso. šoł, šła, ...). Man kann nun, angelehnt an die Rekonstruktionsvorschläge *Tupočali und *Tupošali, zunächst zu einem Gegenvorschlag auf dieser Grundlage gelangen: *Tupošli (← *Tupošьdli)  mit  Genitiv *Tupošedeł ← *Tupošьdlъ (zur Vermeidung des silbischen Sonors statt *Tupošedł, vgl. oben Taupadel), im Altsorbischen später abgelöst durch *Tupošeł und  schließlich *Tupošoł. Die ursprüngliche Form *Tupošedeł schien also, eingedeutscht, erst spät wieder auf, während bis dato die altsorbische Neuform *Tupošoł die amtliche deutsche Form begründete. Die so erschlossene Grundform *Tupošli wäre doppeldeutig: (1) = *Tu- + -pošli, zu *tu und dem l-Partizip von *pojiti ›gehen‹ (in verschiedenen Bedeutungsspezifizierungen – im Kontext der anderen tschechischen und altsorbischen *Tu-Namen ist nicht zu bezweifeln, daß die spottenden Nachbarn dieser Bezeichnung einen plausiblen Sinn gegeben haben könnten, auch wenn dieser angesichts der hochgradigen Polysemie etwa des neutschechischen Verbs pojíti heute nicht leicht zu ergründen wäre); (2) = *Tupo- + -šli zu *tup- (s.o.) und *iti ›gehen‹, etwa ›die plump (?) Gehenden‹.
Wie bei dem Vorschlag *Tupočali ist auch für das Rekonstrukt *Tu- + -pošli der Einwand gegen das Vorkommen eines Präfixes im Zweitglied geltend zu machen, und darüber hinaus stimmt bedenklich, daß für Ober- und Niedersorbisch zum Verb *iti offenbar *po- nur als grammatisches Präfix für Imperativ- und Futurformen belegt ist.  Hinzu kommt, daß  die historischen Belege keine Spur eines Fugenvokals enthalten, wie er mit –o– in allen oben genannten Deutungsversuchen vorausgesetzt wird. Es ergibt sich denn auch noch eine weitere Erklärungsmöglichkeit, wenn man den Belegen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert unter dem zuletzt genannten Aspekt eine noch größere Nähe zu altsorbischen Namensformen zutraut: Sollte nicht <Tupschol> ein aso. *Tupšoł,  <Topschedel> ein aso. *Tupšedeł wiedergeben? Diese altsorbischen Formen wären sodann zurückzuführen auf  den altsorbischen ON *Tupi šli, Genitiv ursprünglich *Tup šedeł, später Tup šeł, noch später*Tup šoł (wobei in jedem Fall eine Univerbierung im Altsorbischen durch Tilgung der Wortgrenze wahrscheinlich ist). Damit wäre der ON dem jüngst in Koenitz 2019 vorgeführten Namentyp Adjektiv (nominale Form) + Substantiv zuzurechnen, wobei hier das reine l-Partizip des Verbs *iti als substantiviert fungiert. Als Stütze für diesen Ansatz sei der tschechische Personenname/Familienname Šel genannt, der als vom l-Partizip stammend erklärt wird (Svoboda 1964: 168; Moldanová 2015: 181). Hier wie so oft bei diesen archaischen Personennamen und auch episkoptischen Bewohnernamen ist es schwer, eine Hypothese über den ursprünglich intendierten Sinn aufzustellen. Unklar ist, welche Bedeutungsnuance der zu *i- suppletive Stamm spätursl. *šьd- (← *chьd-(/*chod-) ← ide. *sed-, vgl. Trubačev 1981: 8, 48-50, 247f.) ursprünglich in das slawische Verb eingebracht hat. Es könnte ›wandern‹ mit der auf die Ansiedlungssituation gemünzten Tendenz zu ›zuwandern, ankommen‹ gewesen sein, so daß šьdlъ → atsch. *šedl/*šel, aso. *šedeł  ›Wanderer, Ankömmling‹ bedeutet, ursl. *Tõpi šьdli, aso. *Tupi šli ›stumpfsinnige Wanderer‹ o.dgl. gemeint haben könnte.
Kuhschnappel (w. Hohenstein-Ernstthal), [um 1460] Consnapele, Consnapel; 1464 zcu Konschnoppel; 1476 zu der Kuesenappel; 1485 zu der Kuschnap; 1493 Conschnappel; 1497 Kwesnapel; 1542 Kunschnappel; 1547 Khueschnappel. Laut HONSa: I, 547 ist („wohl“) auszugehen von einem aso. FlN *Końčno poľe oder *Końčne poľe, vgl. oso. kónčny, nso. końcny ›am Ende befindlich‹, oso. kónc, nso. końc ›Ende‹, poln. koniec, tsch. konec usw., und oso. polo ›Feld, Acker, Ebene‹, nso. polo ›Feld, Gefilde, Flachland‹ (poln.,tsch., russ. pole ›Feld‹), in der Bedeutung ›End-Feld, weit abgelegenes Gefilde‹. Diese Erklärung bedarf  lediglich einer Präzisierung, offenbar nahegelegt durch den ältesten Beleg (wie auch die folgenden bis auf den von 1464): Der Name war offenbar pluralisch: Końčna poľa ›End-Felder‹. Es besteht m.E. kein Grund, daran zu zweifeln, daß der Beleg von Mitte des 15. Jahrhunderts noch authentischen altsorbischen Lautstand bewahrt, zumindest bzgl. der Adjektivform. Darüber hinaus kann auch hier wieder der endungslose Beleg <Consnapel> auf dem altsorbischen Genitiv *-poľ  bzw. *-pol (← *polь) beruhen. Man hat freilich damit zu rechnen, daß die Zweiwortbenennung Adjektiv + Substantiv der Ausgangsform inzwischen zum Kompositum umgewandelt war, und zwar mit Generalisierung des Nominativstammes *Końčnapoľ- (vgl. das Beispiel Doberlug, 1012/1018 Dobraluh in Koenitz 2019). Schließlich ist der erörterte Beleg noch die Überlegung wert, daß das -e- der vorletzten Silbe ebenfalls aus dem Altsorbischen stammen könnte: *poľe könnte am Ort der (aus dem Ober- und Niedersorbischen bekannten, aber dort allgemein nicht konsequent durchgeführten) oe-Umlaut-Regel gefolgt sein. Die Endung -<e> jedoch wäre wahrscheinlich auf eine offene Artikulation des altsorbischen *-a zurückzuführen. Zugrunde läge beiden Annahmen ein nicht depalatalisiertes [ľ]. Kurzum: der FlN *Końčna poľa erscheint in dem Beleg von um 1460 als altsorbischer ON in der Form *Končnapeľa, (G.) *Končnapeľ.
Die weiteren Veränderungen im Zuge der Eindeutschung sind relativ geringfügig (Hebung ou und Tilgung des ersten Nasals samt klusilem Anglitt der Affrikate) und dürften im wesentlichen Regularitäten des mitteldeutschen Dialekts entsprechen. Im Ergebnis war ein wie ein Spottname klingender Ortsname entstanden, dessen Gestalt per Volksetymologie zu einem wohl irgendwie deutbaren Episkoptikum „vervollständigt“ wurde.
Constappel (sö. Meißen), 1334, 1336 Kuntopel; 1350 Guntopel, Kuntopel; [vor 1360] Constopil; 1378 Kuntapel, Constapil; (1428) K [um 1500] Constapil; 1445 Konstopil; 1501 Constappel; 1791 Constappel; dial. [kʱunʃtɔpl], [kʱu:ʃnɔ:wl], [kʱunʃtantino:pl]. Der Name enthält die altsorbischen Elemente kóń ›Pferd‹ (so obersorbisch) und *topľa oder *toṕeľ (zu *topiti ›tauchen‹), vgl.  poln. topiel, topiela ›Wasserabgrund, tiefe Stelle im Wasser‹, russ. topeľ ›Sumpf‹, ukr. topiľ ›Abgrund im Wasser‹ usw., und war laut HONSa: I, 152  am ehesten ein Kompositum *Konotopľa mit der Bedeutung ›Pferdeschwemme, -tränke‹. – Es handelt sich allerdings nach Ausweis der ältesten Belege offenbar um einen pluralischen Namen und nicht um ein ursprüngliches Kompositum, vielmehr lautete der Name (im Nominativ Pl.) *Końě toṕ(e)ľě (mit dem Beziehungsadjektiv *kóń (= [kuonʲ]), *końa, *końe, ... ) und dessen Genitiv (Pl.!) *Kóń toṕeľ. *Kóń(-)toṕeľ, wohl  inzwischen durch Tilgung der Wortgrenze und Standardisierung des Stammes univerbiert, ist die Form, die die Belege <Kuntopel> wiedergeben (mit dem diphthongierten Stammvokal [uo] und ggf. nach altsorbischen Depalatalisierungen). Dieselbe Ausgangsform liegt u.a. dem GewN Conduppelbach (1557 Kuntoppel, Kuhetoppel, ... [Walther 1960: 50f.]) und eine modifizierte dem tschechischen Ortsnamen Konětopy (3mal, offenbar *Końě topi, zu atsch. *toṕ, vgl. russ. top'  ›morastige Stelle‹, in Profous: II, 297f. mißdeutet als episkoptischer Bewohnername) zugrunde.
Laut HONSa a.a.O. entstand die heutige Form des Ortsnamens seit dem 14. Jahrhundert wohl durch Angleichung an frnhd. constabel ›Junker; Büchsenmacher; Fürstenbote‹. Diese Eindeutung geschah m.E. wahrscheinlich durch eine Vermittlung über die französische Form connétable (← cunestable [12. Jahrhundert]), die über Jahrhunderte eines der höchsten Staatsämter Frankreichs bezeichnete.
Dialektal entstanden durch scherzhafte Angleichung an Kuh (›Kuhschnabel‹) und Konstantinopel episkoptische Parallelnamen.
Zuckelhausen (sö. Leipzig), 1335 Zschwkolosa; 1341/43 Heinricus de Zukelosen; 1350 in Zcuckelosen; 1377 Czockelosen; 1384 Czukelosen; 1451 Zcuglosen; 1544 Zcuckelhausen; dial. [ʦuklsn]. Bisher wird allgemein von einer Grundform  aso. *Sukołazy (Pl.), BewohnerN aus*suk ›Ast, Knorren‹ und *łaz ›Rodung‹ oder *łaziti ›kriechen‹ (oso. łazyć, nso. łazyś), ausgegangen. In HONSa: II, 673 vermutet man einen Scherz- oder SpottN. ›Siedlung der Leute, die Äste roden‹ oder ›Siedlung der Leute, die auf den Ästen herumkriechen‹, während Walter Wenzel in *łaziti einen Terminus der Waldbienenwirtschaft und in dem ON eine entsprechende Berufsbezeichnung sieht  (Wenzel 2008: 306f.; ders. 2010:103f.). Ein neuer Blick auf die Beleggeschichte ergibt jedoch, daß a) das Rekonstrukt *Sukołazy nur schwer mit dem ersten Beleg (von 1335) in Einklang zu bringen ist, dieser Beleg vor allem wegen der Endung -<a>- eigentlich durchaus nicht an einen pluralischen Bewohnernamen denken ließe und b) ein korrigiertes *<Zukolosa> auffällig dem Namen des Ortes Suchá Loza (amtlich Loz Suchá) in Mähren (Hosák/Šrámek 1970-1980: I, 557) ähnelt und sich somit die Vermutung aufdrängt, es liege ein altsorbisches Kompositum *Suchołoza zu *such- ›trocken, dürr‹ und *łoza vor. In Eichler/Walther 2010: 257 wird zufolge der Versicherung, das Zweitglied gehöre nicht zu slaw. loza ›Weinrebe‹, übersehen, daß die Kontinuanten dieses urslawischen Lexems in den Slawinen eine beträchtliche Vielfalt der Bedeutungsentwicklung zutage treten lassen (›Weinrebe; Gerte, Rute; Reis, Zweig; Baumstamm; Gebüsch; Kleinholz; Weide; Wald, Hain, Niederwald; Weingarten; Geschlecht‹ – Šmilauer 1970: 114 bzw. Hosák/Šrámek a.a.O., mit Literatur; Profous: II, 681f.). Das urslawische Lexem *loza ist in den meisten Slawinen vertreten (nicht in den beiden sorbischen Sprachen) und gleichfalls in der slawischen Toponomastik gut belegt (Šmilauer a.a.O.). So wird auch für die tschechischen Ortsnamen Loza und Lozice (vgl. Profous a.a.O) und Loz Suchá (s.o.) am ehesten so etwas wie ›Gebüsch, Buschwerk, Gestrüpp; Niederwald‹ angenommen, nicht ›Weinrebe‹. Im alt(west)sorbischen Bereich stelle ich auch den ON Lusan (Ortsteil von Gera), 1248 Losan, 1279 Lusan, 1284 Lozen, dial. [lu:sn] zu *loza: *Łožane, nicht *Łužane (wie Eichler [1961: 358] annahm). Gegen die Annahme von *Sukołazy und für -*łoz- spricht übrigens der Umstand, daß in allen Belegen von Zuckelhausen hinter dem -<l>- stets -<o>- und nicht ein einziges Mal -<a>- steht, während umgekehrt bei den ON Losa (4mal) und Losau (2mal) durchweg (bis auf einen Ort mit spätem Erstbeleg [1520]) in den Erstbelegen -<a>-, -<o>- in den meisten Fällen spät auftritt, diese Namen denn auch gewiß zutreffend von *łaz (*Łažane) hergeleitet werden (wie auch Laasan [2mal]) – vgl. Eichler 1961: 357).
Ursprünglich könnte es sich um die Zweiwortbenennung *Sucha łoza, zu *such- ›trocken, dürr‹ und *łoza gehandelt haben, die dann zum Kompositum *Suchołoza univerbiert wurde. Von Gewicht ist jedoch das Bedenken, das Eichler (in Eichler/Lea/Walther 1960: 101) wegen der konsequenten -k-Schreibungen gegen den Ansatz zu *such- mit *Suchołazy bei Gustav Hey hegte (der übrigens den Beleg von 1335 nicht kannte – Hey1893: 296). Diesem Einwand kann und soll hiermit Rechnung getragen werden: Tatsächlich steht *<Zukolosa> für aso. *Sukołoza. Dies ist aus einem Kopulativkompositum, *Sukloza (oder *Suciloza ← *Sõkiloza, später vielleicht *Sukyłoza), entstanden – d.i. *suk (oder Pl. *suci (→ *suky]) + *loza. Wie im Falle der tschechischen Ortsnamen Dědibaby (genauso späturslawisch) und Vlkopesy ← *Vlcipsi (Profous: I, 373 und IV, 580f.; Koenitz 2019) sind hier zwei substantivische Lexeme mit zu jeweils einem Begriff vereinigten Designaten miteinander verknüpft: vielleicht ›Knorren und Gestrüpp‹ (oder mit teilsynonymen Bestandteilen: ›Geäst und Reisig‹). Wie bei *Vlcipsi → *Vlkopsy (→ Vlkopesy) wurde das archaische Dvandva-Kompositum zu einem Kompositum mit Fugenelement umgebildet.
Die Eindeutung des umgangssprachlichen Verbs zuckeln ›langsam und ohne Hast trotten, fahren‹ und des oikonymischen Elements -hausen machte im 16. Jahrhundert aus dem slawischen Toponym alten, sehr seltenen Typs,  auch im Verdacht gewesen, ein Spottname zu sein (s.o.), ein frühneuhochdeutsches (Schein-?)Episkoptikum.


Literatur:
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Eichler, Ernst (1961): Zur Deutung und Verbreitung der altsorbischen Bewohnernamen auf -jane, in: Slavia, Jg. XXXI, 348-377.
Eichler, Ernst/Walther, Hans (2010): Alt-Leipzig und das Leipziger Land, Ein historisch-geographisches Namenbuch, Leipzig.
Fleischer, Wolfgang (1961): Namen und Mundart im Raum von Dresden, Toponymie und Dialektologie der Kreise Dresden-Altstadt und Freital als Beitrag zur Sprach- und Siedlungsgeschichte, I-II, Berlin.
Hey, Gustav (1893): Die slavischen Siedelungen im Königreich Sachsen mit Erklärung ihrer Namen, Dresden, Reprint Leipzig 1981.
HONSa = Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen / hg. von Eichler, Ernst; Walther, Hans, Bde. I–III. Berlin 2001.
Hosák, Ladislav/Šrámek, Rudolf (1970-1980): Místní jména na Moravě a ve Slezsku, Bde. I-II, Praha.
Koenitz, Bernd (2019): Ein unbeachteter Strukturtyp altslawischer episkoptischer Bewohnernamen (*Mokry suky usw.), unter www.onomastikblog.de vom 15.03.2019.
Moldanová, Dobrava (20153): Naše příjmení, Praha.
Profous = Profous, Antonín: Místní jména v Čechách: Jejich vznik, původní význam a změny. Díl I-V. Praha. [Teil IV fertiggestellt von Jan Svoboda, Teil V bearb. von Jan Svoboda und Vladimír Šmilauer].
Šmilauer, Vladimír (1970): Příručka slovanské toponomastiky/Handbuch der slawischen Toponomastik, Praha.
Svoboda, Jan (1964): Staročeská osobní jména a naše příjmení, Praha.
Trubačev, O. N. (1981): Ėtimologičeskij slovar' slavjanskich jazykov, Praslavjanskij leksičeskij fond, mehrere Bände, Moskva.
Walther, Hans (1960): Slawische Namen im Erzgebirge in ihrer Bedeutung für die Siedlungsgeschichte, in: BzN 11, 29-77.
Wenzel, Walter (2008): Cospuden, Kohlwesa, Zuckelhausen und Zauckerode – vier altertümliche slawische Ortsnamen aus Sachsen, in: Beiträge zur Namenforschung 43 3, 301-310.
Wenzel, Walter  (2010): Hinweise auf Wandbienenzucht in sorbischen Orts- und Personennamen, Mit einer Karte, in Lětopis 57 1, 100-109.
Wenzel, Walter (2016): Spaß und Spott in slawischen Ortsnamen Sachsens, in: Sonnenblatt, Die Mit-Mach-Zeitung 11, Leipzig.