Der bisher als unklar bezeichnete Ortsname Pautzsch, südl. Groitzsch, westl. Borna, ist wie folgt überliefert: 1378 PuczikBuczig, 1441/42 Buetcz, 15. Jh. Pawcz, 1480 ff. (Familienname) BawtschPawtzPawtzsch, 1548 Pautzsch wustung, 1791 Pautzsch.  Die Grundform sei wegen des zwischen P- und B- schwankenden Anlautes schwer bestimmbar. Man erwog u. a. Ableitung von einem mehrdeutigen aso. Stamm *put-, darunter von einer Entsprechung zu oso. puć ʻWeg, Bahnʼ, pućik ʻkleiner Wegʼ, und erschloß ʻSiedlung am kleinen Wegʼ. Möglich sei auch eine Beziehung zu nso. puckpucka ʻKnospe, Hagedorn, Schlehdornʼ, was die Annahme ʻSiedlung am Dornengestrüppʼ erlaubt. Zuletzt bevorzugte man eine mit B-anlautende Grundform aso. *Bud+-śk- aus einem Personennamen (Eichler 1985-2009: III 58; Eichler/Walther 2001: II 161; Eichler/Walther 2010: 212 f.).

Bei der Erklärung des Namens ist anhand der Belegreihe von der Bestimmung des Anlautes auszugehen. Die Formen von 1378 aus dem Registrum Dominorum Marchionum Missnensium erlauben keine sichere Entscheidung, für B- zeugen der Beleg von 1441/1442, sowie der Familienname (Herkunftsname) Bawtschaus dem Ende des 15. Jh. Da sich bei einem anlautenden P- kein Anschluß an in Frage kommende slawische Ortsnamen mit einer sinnvollen Deutungsmöglichkeit findet, bleiben Rekonstruktionen mit anlautendem B- zu prüfen. Zurückzukommen ist auf das schon oben erwähnte aso. *Bud+-śk-, eine Bildung aus einem Personennamen aso. *Bud-, versehen mit dem Ortsnamensuffix -śk-*-ьskъ-*-ьska oder *-ьsko. Ableitungen mit diesem Suffix von Personennamen sind im Altsorb. aber nicht sicher nachweisbar. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass der Ortsname ursprünglich auf  -k- auslautete, wie die beiden Belege von 1378 vermuten ließen. Sie stehen in einer weit von Pautzsch entfernt verfaßten Quelle, und keiner der nachfolgenden Belege endet auf -k. Viel näher liegt der Ansatz aso. *Budč *Budъk+jь ʻSiedlung des Budkʼ mit dem Personennamen als einer Kurzform von Budimir und ähnlichen Vollnamen. Aso. *Budč hat genaue Entsprechungen in drei tschechischen Ortsnamen: Budeč, nw. Prag, sowie zweimaliges Budeč in Mähren, alle aus *Budъk+jь ʻBurg, Hof des Budekʼ (Profous 1947-1960: I 199: Hosák-Šrámek 1970-1980: I 127).

5 km onö. von Pautzsch, aso. *Budč, lag das 1981 abgebaggerte Dorf Zschagast, aso. *Čagošč*Čagost+ jь ʻSiedlung des Čagostʼ, ein Ortsname gleicher Bildung wie *Budč. Auch er stimmt genau mit zwei tschechischen Ortsnamen überein, mit Číhošť *Cagost+jь, je einmal in Böhmen und in Mähren (Profous 1947-1960: I 307; Hosák/Šrámek 1970-1980: I 164). Aso. *Budč und aso. *Čagošč könnten, wie viele weitere, von der Einwanderung der Altwestsorben aus Böhmen und Mähren zeugen (Wenzel 2019: Kap. 8-11). Nach der Herausbildung größerer slawischer Stämme dürften *Budč und *Čagošč zum Siedlungsgebiet der Chutici gehört haben, allerdings schon zu seinen südwestlichen Ausläufern, im Grenzbereich zu den Slawengauen Plisni und Puonzowa (Wenzel 2017: 80-85, K. 1, 2).


Literatur:

Eichler, Ernst (1985-2009): Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße. Ein

  Kompendium, Bde. I-IV, Bautzen.

Eichler, Ernst/Walther, Hans (Hg.) (2001): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, 

  Bde. I-III, bearb. von Ernst Eichler, Volkmar Hellfritzsch, Hans Waltherund Erika 

  Weber, Berlin.

Eichler, Ernst/Walther, Hans (2010): Alt- Leipzig und das Leipziger Land, Leipzig.

Hosák, Ladislav/Šrámek, Rudolf (1970-1980): Místní jména na Moravě a ve Slezsku, Bde.

  I-II, Praha.

Profous, Antonín (1947-1960): Místní jména v Čechách, Bde. I-V, Bd. IV zus. mit

  Jan Svoboda, Bd. V von JanSvobodaund Vladimír Šmilauer, Praha.

Wenzel, Walter (2017): Die slawische Frühgeschichte Sachsens im Licht der Namen, hg.

  von Andrea Brendlerund Silvio Brendler, Hamburg.

Wenzel, Walter (2019): Namenkundliche Studien zur slawischen Frühgeschichte

  Mitteldeutschlands, hg. von Andrea Brendlerund Silvio Brendler, Hamburg [im

  Druck].