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Es weihnachtet sehr ...

auch in unseren Vornamen und Familiennamen. Doch abgesehen vom Familiennamen Weinacht (Weihnacht, ältere Namen auch Wienacht, Winacht) oder Christnacht assoziieren wir die Heilige Nacht oder den Heiligabend kaum mit Namen von Personen.

Fotomontage: Dietlind Kremer

Dabei wimmelt es nur so von direkten oder scheinbaren Anspielungen, sowohl in den Familiennamen (Bethlehem, Engel, Lebkuchen/Lebkücher/Lebküchler/Lebküchner, Stolle/Stollen, Strietzel, aber auch Mandel, Tannenbaum, Weihrauch/Weirauch, Myrrhe, Punsch usw., die Reihe ließe sich fortsetzen) als auch, und vor allem, in den Vornamen. Abgesehen von den zahlreichen Ableitungen und Varianten von Christus und Nikolaus, dem Vorläufer des Weihnachtsmanns, spielt insbesondere die lateinische Bezeichnung (dies) natalis „(Tag der) Geburt (des Herrn)“ eine zentrale Rolle, so wie auch andere kirchliche Festtage (Ostern, Pfingsten u.a.) oder der Sonntag (dies dominicus > Domínicus/Doménico/Domingo/Dimanche und Varianten) für die Namengebung von Bedeutung sind. Hinzuzählen könnte man auch die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar, deren Namen im Zusammenhang mit der Überführung ihrer Gebeine von Mailand nach Köln (1164) zu großer Beliebtheit und Verbreitung gelangten und deren Fest in manchen Ländern von großer „weihnachtlicher“ Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang sind meist auch Mohr, Stern und Krone zu sehen, als beliebte Gasthofnamen wurden sie zu Familiennamen, wenn nicht eine Tätigkeit Ausgangspunkt ist (Theater, Sternsinger).

Das Namenelement Natal- ist allen bekannt aus Ortsnamen und Personennamen, auch wenn es vielleicht spontan nicht immer mit Weihnachten in Verbindung gebracht wird. In den Ortsnamen (KwaZulu-Natal in Südafrika, Natal Hauptstadt von Rio Grande do Norte in Brasilien, Batang Natal auf Sumatra, alle zu portugiesisch natal „Weihnachten“) ist wie bei zahlreichen Namen der „Neuen Welt“ (Florida, Rio de Janeiro usw.) der Zeitpunkt der Entdeckung namengebend. Der Personenname Natalis (mit Varianten) ist bereits in römischer Zeit gut belegt und nicht immer eindeutig als christlich zu interpretieren. Gleiches gilt für den davon abgeleiteten Frauennamen Natalia, so ist etwa Natalia der römische Geburtsname und Sabigoto der westgotische Taufname einer bekannten Märtyrerin aus Córdoba (852). Allerdings gibt es eine über Kleinasien hinausreichende Tradition der Hl. Natalia (Konstantinopel, Anfang 4. Jahrhundert), die vor allem zur Beliebtheit des Namens in der Ostkirche beigetragen hat (Natalija, Natascha). Neben diesem Vorbild scheinen die Namen heute stets eine christliche Konnotation zu besitzen, im Sinne von „am Tag der Geburt des Herrn geboren“ (25. Dezember).

Während der Männername hauptsächlich in seiner französischen Form Noël (Noëlle ist ausschließlich davon abgeleiteter Frauennamen) verbreitet und Natale offensichtlich im italienischen Kontext zu interpretieren ist, ist der entsprechende Frauenname Natalia in vielfältigen Varianten anzutreffen. Die korrekte Betonung ist Natália, die französische Variante Nat(h)alie (das -h- ist etymologisch irrelevant) wird im deutschen Kontext unterschiedlich ausgesprochen: Natálie, Natalíe (so korrekt) und Nátalie, die letztere Variante gewiss auch unter englischem Einfluss. Insbesondere der männliche Vorname hat auch als patronymischer Familienname Verbreitung gefunden: spanisch Natal (selten), katalanisch Nadal (sehr häufig als historischer Vornamen), französisch Noël (mit Noëllet und südfranzösisch/okzitanisch Nadal, Nadau) und vor allem italienisch Natale/Nadal/Nadale mit zahlreichen Varianten (Natali/Nadali, Di Natale (Nadale)/De Natale (Nadale), Natalino/Nadalino/Natalini/Nadalin/Nadalini, Natalone/Nataloni/Nadalon, Natalello, Natalè, Nadaletto/Nadalet/Nataletti/Nadaletti, Natalotto/Natalotti, Natalucci, Nataluzzo, Nadalut/Nadalutti, Natalizio/Natalizi/Natalizzi, Natalicchio/Natalicchi). Vor allem im portugiesischen und französischen Kontext ist auch eine lexikalische Bedeutung „Weihnachten“ denkbar. Dies gilt jedenfalls für die Familiennamen portugiesisch Nascimento, wörtlich „Geburt“, (auch als Personenname Maria do Nascimento) und spanisch Navidad. Im Falle des sprachlich identischen Familiennamen Natividad kann neben Christi Geburt auch die Geburt Mariä (8. September, auch als Personenname María de la Natividad) oder die Geburt des Hl. Johannes des Täufers (24. Juni) gemeint sein.

Kurzum, auch hier gilt: zum onymischen Weihnachtskreis ließe sich eine große Monographie schreiben. Vielleicht kann die eine oder andere Namengruppe gelegentlich in unserem Blog diskutiert werden.

Wir aber, die Deutsche Gesellschaft für Namenforschung, wünschen allen Besuchern dieser Seite Fröhliche Weihnacht(en), Merry Christmas, Wesolyh Swiat, C пра́здником, Joyeux Noël, Vrolijk Kerstfeest, Buon Natale, Feliz Navidad, Bones Navidaes, Boas Festas ...!

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Letzte Kommentare

Reklov Mielhok, 24.12.2012 12:56Uhr
Dass der Punsch (noch) zu Weihnachten gehört, ist sehr stilvoll. Er scheint doch etwas aus der Mode gekommen zu sein. E.T. A. Hoffmann hätte sich keinen gemütlichen Abend ohne dampfenden Punsch vorstellen können. - Dass das Wort selbst einen verlockenden Einstieg in die Indogermanistik darstellen kann, ist vielleicht nicht jedem bekannt, wenn auch im Kluge leicht nachlesbar. Aber wer kennt den schonauswendig! Das Getränk und das Wort wurden aus England importiert, zunächst als "Punch". Die Engländer hatten das Getränk in Indien kennen gelernt (oder erfunden?), und so ist das Wort auch Hindi und enthält das indische Wort für "fünf". panca [pantscha; über das n gehört ein Zirkumflex, aber das kann ich hier nicht anbringen, da mir der Button "einfügen" hier fehlt], verwandt mit unserem Wort "fünf". Aus 5 Ingredienzien nämlich besteht der Punsch, nachzulesen bei Kluge.
Aber damit es auch onomastisch wird, sei noch darauf hingewiesen, dass der Landschaftsname "Pandschab" dasselbe Wort panca für 5 enthält. Der zweite Bestandteil ist auch indoeuropäischer Herkunft, soll aber aus dem Persischen kommen und "Flüsse" bedeuten: Fünf Flüsse fließen in diesem heute zwischen Indien und Pakistan aufgeteilten Gebiet. - Fröhliche Punsch-Weihnachten!

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