Im April 2018 verstarb Prof. Dr. Thorsten Andersson, Uppsala, im Alter von 89 Jahren. Andersson galt als der hervorragendste schwedische Namenforscher seit der Zeit von Jöran Sahlgren. Auch im Ausland war er bekannt und hoch geschätzt. 1971–1994 hatte Andersson den Uppsalienser Lehrstuhl für Nordische Sprachen mit dem Schwerpunkt Ortsnamenforschung inne. Mit ihm an der Spitze begann eine neue Epoche der schwedischen Onomastik, wobei er fortlaufend seinen Wissenschaftsbereich thematisch erweiterte. Die Erforschung der Personennamen gewann mit ihm deutlich an Boden; in Zusammenarbeit mit der Kollegin Lena Peterson gründete er 1983 die Zeitschrift Studia anthroponymica Scandinavica.

Thorsten Andersson war nicht nur als Forscher sondern auch als Lehrer sehr erfolgreich. Mit Scharfblick, Begeisterung, intellektueller und formaler Klarheit und Ausdauer war er eine vorbildliche wissenschaftliche Führungskraft. In seinem Seminar wurde intensiv und erfolgreich gearbeitet. Fünf seiner Doktoranden sind heute Professoren. 

Ein wichtiges Thema in Anderssons Forschung sind die Beziehungen zwischen Namen und Gesellschaft – Namen als Zeugnisse gesellschaftlicher Verhältnisse. In seiner Dissertation “Svenska häradsnamn” (‘Namen schwedischer härad-Bezirke’) beleuchtet er den historischen Hintergrund der Namen. Ferner gründete er die Schriftserie “Ortnamn och samhälle” (‘Ortsnamen und Gesellschaft’; jetzt “Namn och samhälle”).

Sein Interessengebiet war umfassend; er widmete sich altgermanischen Namen, aber auch aktuellen Fragen. Den sprachlichen Beziehungen zwischen dem Norden und dem kontinentalgermanischen Gebiet hat er viel Aufmerksamkeit geschenkt. Zu der umfassenden Diskussion über die altgermanische Hydronymie hat er wichtige Beiträge geleistet. In seinem Oeuvre findet man z.B. Beiträge wie “Hundare och det germanska hundratalet” (‘Hundare und der germanische Hunderter’; in Namn och bygd 87, 1999), “De germanska -ingi-namnen” (Die germanischen -ingi-Namen’; in Namn och bygd 94, 2006), “Altgermanische Ethnika” (in Namn och bygd 97, 2009) und “Die zweigliedrigen germanischen Frauennamen kriegerischen Inhalts” (in Studia anthroponymica Scandinavica 33, 2015). Für das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde har er zahlreiche Artikel verfasst.

Auch in der Forschung zur germanischen Wortbildung hat Andersson wertvolle Beiträge geliefert. Von vitaler Bedeutung für das chronologische Suffixstudium ist sein konsequentes Trennen zwischen primärer (Neuschöpfungen) und sekundärer Namenbildung (Onymisierung eines Nomens).

In die Trauer um sein Ableben mischen sich Bewunderung und tiefe Dankbarkeit für ein großes Lebenswerk.

Prof. Dr. Svante Strandberg, Uppsala