Am 15. Oktober verstarb in Sevilla im Alter von 67 Jahren Manuel Ariza, Professor für spanische Sprachgeschichte an der Universität Sevilla. Ariza, der in Madrid bei Rafael Lapesa studiert und promoviert hatte, wirkte seit den späten Sechzigerjahren als Forscher und Dozent an der Universidad Complutense, der Universität Pisa, Málaga, Cáceres, sowie schließlich, ab 1988, an der Universität Sevilla. Seine reichhaltige wissenschaftliche Produktion überspannt die verschiedensten Forschungsbereiche: diachrone Phonologie des Spanischen, Dialektologie, historische Lexikologie und Lexikographie; selbst Themen aus der spanischen Literatur waren ihm nicht fremd.

Eine Konstante in seinem Schaffen war die Namenforschung. In Form seiner 1981 publizierten Bibliografía de la onomástica hispánica (Cáceres: Universidad de Extremadura) erarbeitete er ein exhaustives Inventar der bis zu jenem Zeitpunkt auf dem Gebiet der Onomastik geleisteten Arbeit und gab so der Forschung einen entscheidenden (und damals sehr notwendigen) Impuls. Seine eigenen Publikationen über onomastische Themen decken praktisch die gesamte Schaffenszeit: eine seiner ersten Publikationen (1975) galt einem toponymischen Thema, „Geografía lingüística y toponimia de la Pruna Doméstica L. en la Península Ibérica“, und noch vor vier Jahren erschien Estudio histórico de apellidos andaluces medievales (in Zusammenarbeit mit M. Álvarez García, Y. Congosto, R. García Cornejo und J.J. Rodríguez Toro).

In den dazwischen liegenden dreieinhalb Jahrzehnten widmete sich Ariza spezifischen Fragen der Ortsnamenforschung, ein Gebiet, über das er auch eine Gesamtdarstellung in Form des Kapitels „Toponomástica española“ des Lexikons der Romanischen Linguistik (Niemeyer, 1988-2005, Band VI) erarbeitete. Die Mehrzahl der onomastischen Studien Arizas sind allerdings Themen aus der Personennamenforschung gewidmet, was ohne Zweifel eine Folge seines Mitwirkens war, und zwar von der ersten Stunde an, am internationalen von Prof. Dieter Kremer von Trier aus geleiteten Forschungsprojekt PatRom. Dabei handelt es sich vor allem um Arbeiten, in denen reiche, vor allem (wenn auch nicht ausschließlich) in Archiven der südlichen Hälfte der iberischen Halbinsel erhaltene Dokumentation veröffentlicht und analysiert wird: „Acercamiento a la onomástica cacereña del siglo XVI“ (1979), „Un documento de Toro de 1228. Estudio antroponímico“ (1986), „La onomástica de Extremadura: antroponimia de los siglos XVI y XVII“ (1993), „Contribución al estudio de la onomástica andaluza: los repartimientos de Carmona, Vejer, Medina Sidonia y Álora“ (1992), „La antroponimia medieval de Carmona“ (1997), „Aspectos de la onomástica de Ronda“ (2000), „La onomástica personal en Carmona en el siglo XVI“ (2000), Libro de cuantías de los vecinos y moradores de los barrios y collaçiones de Sevilla (2001), Un padrón de Sevilla del siglo XIV. Estudio filológico y edición (2001), Repartimiento de El Puerto de Santa María (2002). Darüberhinaus befasste er sich mit verschiedenen spezifischen onomastischen Fragen, wie zum Beispiel der Behandlung von Namen in historischen Wörterbüchern („El nombre propio en Nebrija y otros diccionarios del Siglo de Oro“) und der Literatur („La onomástica literaria en España“), der geographischen Verbreitung der spanischen Familiennamen („Geografía lingüística de los apellidos españoles“, „Apellidos murcianos“) sowie gelegentlich auch mit theoretischen Problemen („¿Es propio el nombre propio?“).

Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Namenforschung im Sprachraum des Spanischen leistete Ariza als Gründer und erster Sekretär (von 1987 bis 2000) der Asociación Internacional de Historia de la Lengua Española. Im Rahmen der alle drei Jahre stattfindenden Kongresse der Vereinigung ist die Onomastik nämlich stets mit einer eigenen Sektion vertreten, und dies seit der Gründungssession 1987 in Cáceres (an der Dieter Kremer einen Plenarvortrag über “Onomástica e Historia de la Lengua” hielt) bis zum bislang letzten, im vorigen Jahr in Cádiz abgehaltenen Symposium.

Mit dem Tode Manuel Arizas kommt eine für die spanische Namenforschung äußerst fruchtbare Schaffensperiode zu ihrem Ende. Die zahlreichen Forscher, die ihr Wissen unter seiner Führung erworben haben, und auch jene, die dank seiner wertvollen Publikationen neue Anstöße für ihr eigenes Schaffen erhalten haben, werden sein Werk ohne Zweifel in der Zukunft systematisch weiterentwickeln und so lebendig halten.

Stefan Ruhstaller (Universidad Pablo de Olavide, Sevilla)