*5. April 1930, †25. August 2018  

Eines der ältesten Mitglieder unseres Verbandes „Deutsche Gesellschaft für Namenforschung e. V.“ ist im Alter von 88 Jahren nach einem erfüllten Leben als vielseitig tätiger Gelehrter  von uns gegangen. Und mit ihm zugleich der letzte namhafte Vertreter des früheren Zentrums für Namenforschung in Berlin. 

Teodolius Edmund Witkowski wurde in Rumänien geboren und gelangte im Zweiten Weltkrieg nach Sachsen. Er studierte in Greifswald Germanistik, Slavistik und Philosophie und wurde Assistent an der Universität. Von 1959 bis 1975 wirkte er in der von dem bekannten Slavisten Hans Holm Bielfeldt an der Berliner Akademie der Wissenschaften gegründeten Arbeitsgruppe Namen- und Reliktwortforschung, die er ab 1963 bis 1975  leitete. Von 1976 bis zur Pensionierung galt seine ganze Kraft den Arbeiten am Brandenburg-Berlinischen Wörterbuch bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Hier bearbeitete er zahlreiche Dialektwörter, darunter  viele Lehn- und Reliktwörter aus dem Slawischen im Rahmen des Wörterbuchprojekts.

Teo Witkowski nimmt einen festen und bleibenden Platz in der onomastischen Forschung in Deutschland ein. Er hat sich internationale Anerkennung erworben und ist als Mitautor in Nachschlagewerken wie „Namenforschung/Name Studies“ (HSK 11) oder „Die Slawen in Deutschland“ (3. Aufl. Berlin 1985) sowie auch  „Grundsystem und Terminologie der slawischen Onomastik“ (Prag 1973, Skopje 1983) ebenso bekannt geworden wie als verantwortlicher Mitherausgeber der “Berliner Beiträge zur Namenforschung (1967-1996) und der 12-bändigen Reihe „Brandenburgisches Namenbuch“ (1967-2005). 

Besondere Aufmerksamkeit hat er der norddeutschen Namenwelt in zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen auf internationalen Kongressen von ICOS  gewidmet. Davon zeugen auch seine Bände „Die Ortsnamen des Kreises Stralsund“ (1965) und „Die Ortsnamen des Kreises Greifswald“ (1978). Neben Problemen der Namenerschließung galt sein besonderes Interesse theoretischen Fragen und der onomastischen Terminologie. Seine „Grundbegriffe der Namenkunde“ (1964) werden nach wie vor gern herangezogen und  zitiert. 

Von Anbeginn war Teodolius Witkowski auch aktives Mitglied in Kommissionen, so vor allem der Onomastischen Kommission beim Internationalen Slavistenkomitee. Im Kreise seiner Kollegen im In- und Ausland war er und bleibt er hoch geschätzt. Seine christliche Haltung, Geradlinigkeit und wissenschaftliche Akribie haben ihm über viele Schwierigkeiten in vergangenen Jahrzehnten hinweggeholfen. 

Die deutsche Namenforschung hat nun mit Teo Witkowski den letzten namhaften Forscher zum polabisch-deutschen Sprachkontaktgebiet im Osten Deutschlands verloren. Er hat seine letzte Ruhestätte in Potsdam-Babelsberg gefunden. Alle, die ihn kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.   

Würdigungen und Glückwünsche sind erschienen in NI 58 (1990), 69 (1996), 77/78 (2000).