Am 16. November verstarb in Barcelona, im hohen Alter von 94 Jahren, Antoni M. Badia i Margarit, Nestor der katalanischen Philologie und bedeutender Vertreter der katalanischen Bewegung. Als Wissenschaftler hat er in vielen Bereichen Bleibendes geschaffen.

Seine noch kastilisch publizierte Historische Grammatik (1951) und Katalanische Grammatik (1962) werden mit seiner Sprachgeschichte La formació de la llengua catalana (1981) und Gramàtica catalana: descriptiva, normativa, diatòpica, diastràtica (1994) zur Vollendung geführt. Früh war er Wegbereiter der Soziolinguistik (La llengua dels barcelonins: resultats d’una enquesta sociològico-lingüística, 1969). International war Badia der wichtigste Vertreter der katalanischen Philologie, mit zahlreichen Ehrenpromotionen und Gastprofessuren. Neben vielen weiteren Forschungen war er Förderer von Personen und Projekten, darunter etwa des Atles lingüístic del domini català. Als Ordinarius für historische Grammatik der spanischen Sprache seit 1948 gelang ihm erst 1977 die Umwandlung seines Lehrstuhls in historische Grammatik des Katalanischen. In der katalanischen Akademie (Institut d’Estudis Catalans) war er zwischen 1989 und 1999 Präsident der Philologischen Abteilung. In der so bedeutenden Zeit des politischen Umbruchs leitete er als Rektor die Geschicke der bedeutenden Universität Barcelona (1978 bis 1986). Sein Engagement für die katalanische Emanzipation war bis zu seinem Tod kompromisslos.

Sein Interesse galt früh auch der Namenforschung, wo er mehrere wichtige Publikationen vorlegte und sich (wie in früheren Jahrzehnten bei den großen Philologen noch eher die Regel) auf internationalen Tagungen engagierte. Ich habe ihn auf dem ICOS-Kongress in Krakau (1978) kennengelernt und bin dann mit ihm im Kontakt geblieben. Seine anfängliche Skepsis gegenüber dem 1987 ins Leben gerufenen europäischen Forschungsprojekt Dictionnaire historique de l’anthroponymie romane (PatRom) wich sehr bald einem nachdrücklichen Engagement. Bereits 1989 fand in Barcelona das dritte PatRom-Kolloquium statt, an dem auch Willy Van Langendonck und Ernst Eichler für das ICOS teilnahmen (1). Damit war die katalanische Arbeitsstelle (Oficina d’Onomàstica) des Projekts am Institut d’Estudis Catalans gegründet. Antoni Badia i Margarit nahm praktisch an allen Kolloquien teil, und er war Mitherausgeber der Reihe Patronymica Romanica (2).

Mit Antoni M. Badia i Margarit verliert die Katalanistik und die Romanistik allgemein einen bedeutenden Gelehrten, die katalanische Bewegung einen überzeugten Mitstreiter der ersten Stunde. In Erinnerung aber bleibt vor allem auch ein äußerst liebenswürdiger, aufmerksamer, hilfsbereiter Mentor und Mensch.

(1) Dictionnaire historique des noms de famille romans. Actes del III Col loqui (Barcelona, 19-21 juny 1989), a cura d’Antoni M. Badia i Margarit i col laboradors, Tübingen: Niemeyer 1991 (= Patronymica Romanica 5).

(2) Patronymica Romanica, publiés par Dieter Kremer, en collaboration avec Maria Giovanna Arcamone, †Antoni M. Badia i Margarit, Ivo Castro, †Marianne Mulon et Jean-Marie Pierret, Max Niemeyer Verlag Tübingen, jetzt De Gruyter Berlin/Boston, bisher 25 Bände.

 

Fotoimpressionen:

(1) 2. PatRom-Kolloquium Pisa 1988, Gruppenfoto.

(2) 2. PatRom-Kolloquium Pisa 1988.

(3) 3. PatRom-Kolloquium Barcelona 1989.

(4) 6. PatRom-Kolloquium Louvain-la-Neuve 1992

(5) PatRom-Treffen während des ICOS-Kongresses 1993 in Trier, hier Weinprobe.

(6) 8. PatRom-Kolloquium Bukarest / Rumänische Akademie der Wissenschaften 1994, hier Arbeitssitzung im bedeutenden Kloster Sâmbăta.

(7) 9. PatRom-Kolloquium Oviedo/Uviéu 1995.

(8) 10. PatRom-Kolloquium Udine 1996, u.a. mit Frau Badia.

(9) Congrés internacional de Toponímia i Onomàstica Catalanes, València 2001).

(10) ICOS Barcelona 2011: Festakt zu Ehren von Antoni M. Badia i Margarit.

(11) ICOS Barcelona 2011: Festakt zu Ehren von Antoni M. Badia i Margarit