Svenskt ortnamnslexikon. Utarbetat inom Institutet för språk och folkminnen och Institutionen för nordiska språk vid Uppsala universitet. Andra reviderade upplagan. Redaktör: Mats Wahlberg. Uppsala: Institutet för språk och folkminnen, 2016, 434 S. – ISBN: 978-9-18695-932-6.

Rezensiert von Rosemarie Gläser, Dresden

Dieses nunmehr in einer zweiten, durchgesehenen, erweiterten und verbesserten Auflage vorliegende schwedische Ortsnamenlexikon ist eine Gemeinschaftsarbeit von Sprachwissenschaftlern, Volkskundlern und Nordisten zweier Institute an der Universität Uppsala. Die Erstauflage erschien bereits im Jahre 2003 unter der Gesamtredaktion von Mats Wahlberg, der auch die zweite Auflage betreut hat. Inzwischen hat sich das Namenlexikon als Standardwerk bewährt.

Unverändert geblieben sind die Zielstellung des Lexikons, die Struktur der Einzelartikel, die Vernetzung des Text- und Bildteils sowie der Anhang mit dem Literaturverzeichnis und dem Register der in den Einzelartikeln genannten Namen (hier mit den notwendigen Ergänzungen).

Das schwedische Ortsnamenlexikon richtet sich sowohl an Fachleute als auch an eine breitere, historisch und geographisch interessierte Leserschaft und bietet eine populärwissenschaftliche Darstellung des Namenmaterials auf hohem Niveau.

Gegenüber der 1. Auflage von 2003 mit 422 Seiten und 6.000 Ortsnamen weist die 2. Auflage von 2016 mit 434 Seiten rund 6.300 Ortsnamen auf. Für den Begriff ortnamn geben die Autoren folgende Inhaltsdefinition:
Med begreppet ortnamn avses namn på alla slags geografiska lokaliteter samt på olika slags administrativa indelningar och andra områden [...]. (S. 9; Inledning, Einleitung). [Unter dem Begriff Ortsnamen werden Namen für geographische Örtlichkeiten aller Art sowie für verschiedene Arten administrativer Einteilungen und andere Bereiche verstanden.]

Der Umfang des Begriffs ortnamn wird festgelegt auf die in der Gegenwart in Schweden üblichen schwedischen Namen von Landschaften (landskap), Regierungsbezirken (län), (Kirch-)Gemeinden (socknar), Städten (städer) und Kommunen (kommuner). Hinzu kommen ausgewählte finnische und samische Ortsnamen sowie „meänkieliska ortnamn“ im Norden Schwedens. Die Einbeziehung der letztgenannten Ortsnamen ist eine wichtige Neuerung gegenüber der ersten Auflage. Die „meänkieliska ortnamn“ beziehen sich, was die Autoren als allgemein bekannt voraussetzen, auf eine in Finnland beheimatete Volksgruppe und sprachliche Minderheit, die auf ihre eigene kulturelle Tradition und ethnische Vergangenheit mit wachsendem Selbstbewusstsein Wert legt und ihr Brauchtum auch durch eigene Ortsnamen pflegt. Die Tatsache, dass diese Entwicklungsrichtung in dem aktualisierten schwedischen Ortsnamenlexikon berücksichtigt worden ist, zeugt von dem ökolinguistischen Weitblick der Artikelverfasser und des Gesamtredakteurs – nicht zuletzt im Sinne der „Ortsnamenpflege“ (ortnamnsvård). Darunter ist ein Zweig der angewandten Namenforschung zu verstehen, die für die zweckmäßige Betreuung des Ortsnamenbestandes verantwortlich ist (13).

Das Inventar der Ortsnamen wird in den folgenden Abschnitten der „Einleitung“ in vier Kategorien eingeteilt. An erster Stelle stehen Besiedlungsnamen (bebyggelsenamn) für Örtlichkeiten mit einer bestimmten Wohndichte (tätorter), d. h. die Namen von Städten, Dörfern, Gemeinden und administrativen Einteilungen in Bezirke und Landschaften. Einbezogen werden auch Namen von Gauen (härad), denen eine ältere Gebietseinteilung zugrunde liegt, während Distriktnamen jüngeren Datums in der Regel nicht berücksichtigt werden.

Den zweiten Platz nehmen die sogenannten „Naturnamen“ (naturnamn) ein. Dazu zählen die Namen von Seen, Wasserläufen, Wasserfällen, Stromschnellen, Inseln, Klippen, Steinen, Bergen, Gebirgen, Wäldern und Auen.

Eine dritte Gruppe von Ortsnamen umfasst Eigentumsnamen (ägonamn), z. B. für landwirtschaftliche Nutzflächen. Eine übrige Kategorie bezieht sich auf die Namen solcher von Menschen geschaffenen Anlagen wie Deiche, Dämme, Wege und Brücken. Sie sind ebenfalls in dem schwedischen Ortsnamenlexikon in Auswahl vertreten.

Bei der Behandlung der Kategorien der Ortsnamen (ortnamnskategorier) fällt auf, dass die schwedischen Namenforscher auf den Oberbegriff Toponym verzichtet haben.

Die Namenartikel sind nach einem einheitlichen Strukturmuster gestaltet. Die als Stichwort verzeichnete Namenform ist die offiziell gültige administrative und kartographische Festlegung. Der folgende Text bietet Erklärungen zur geographischen Lage und Geschichte des Ortes sowie zur Etymologie des Ortsnamens. Dabei werden auch ältere Namenbelege berücksichtigt. Ein Teil der Artikel wird durch Illustrationen auf gesonderten Bildtafeln ergänzt.

Aus der sprachgeschichtlichen Genauigkeit sowie der archivalischen und archäologischen Fundierung der Erklärungen der Ortsnamen ist ersichtlich, dass die Einzelartikel auf einem reichen Fundus von Vorgängerarbeiten beruhen, die von mehreren Generationen Nordisten, Volkskundlern und Namenforschern geleistet wurden. Das zweispaltige Literaturverzeichnis (Litteraturförteckning) im Anhang (405–427) vermittelt einen eindrucksvollen Überblick über die Themenbreite. In der Rubrik „Översiktligt och principiellt“ (405f.) bilden die überaus zahlreichen Veröffentlichungen von Thorsten Andersson eine wesentliche Orientierung. Er hat auch die Erklärungen der 300 neuen Ortsnamen in 60 Artikeln vor ihrer Aufnahme in die zweite Auflage des schwedischen Ortsnamenlexikons genau überprüft.

Der Informationsgehalt der Bände beider Auflagen wird durch jeweils 82 Abbildungen gesteigert. In der zweiten Auflage wurden einige Illustrationen ausgetauscht und die Qualität mehrerer Reproduktionen erheblich verbessert. Schwarz-weiße Bilder erscheinen nunmehr farbig; Farbaufnahmen haben eine bessere Tiefenschärfe; historische Landkarten treten als vergilbte Dokumente deutlicher in Erscheinung, so dass ein ästhetischer Gesamteindruck entsteht. Doch haben die Illustrationen keine ornative Begleitfunktion zur Auflockerung der Textspalten auf einer Druckseite oder als Einschaltbildtafel. Vielmehr dokumentieren sie die Lokalität des Ortsnamens, die konkrete Siedlung mit markanten Bauwerken (Kirchen, einer Brücke, einem Turm) oder eine Naturlandschaft mit Seen, Wäldern und Höhenzügen. Sie liefern den Nachweis für die Kodifizierung von Ortsnamen auf historischen Landkarten wie auch auf Runensteinen. Archäologisch erschlossene altgermanische Kultstätten (z. B. Odensbacken, 249) und verwitterte frühchristliche Steinkreuze (östra Öland, 168) veranschaulichen auf Abbildungen den spirituellen Bezug von Ortsnamen zu einer Sachkultur.

Auch Naturnamen gewinnen eine aktuelle Aussagekraft im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, wie beispielsweise bei dem schweren Sommerhochwasser im Jahre 2000, als der Fluss Voxnan (mit der Bedeutung ‘der leicht über die Ufer tritt’) in Dalarna, Hälsingland und Härjedalen (367) große Schäden verursachte und seine Wassermassen ein schwedisches Holzhaus in eine diagonale Schieflage brachten (vgl. Abbildung S. 368). Andere Illustrationen zum Sachbezug von Ortsnamen stellen arbeitende Menschen beim Feldbau und Fischfang in bestimmten Gegenden dar.

Den Abschluss des Namenlexikons bildet ein Register über alle Namen, die in den Ortsnamenartikeln erwähnt sind (428–434).

Mit den beiden Auflagen – und insbesondere der zweiten – ist das Svenskt ortnamnslexikon ein wissenschaftlich anspruchsvolles, zugleich für einen breiten Interessentenkreis nutzerfreundliches, informatives und durch den gelungenen Bildteil anregendes Nachschlagewerk von hoher verlegerischer Qualität. Seine praktischen Anwendungsmöglichkeiten dürften vielfältig sein.

Empfohlene Zitierweise
Rosemarie Gläser: [Rezension zu] Svenskt ortnamnslexikon, red. von Mats Wahlberg, Uppsala 2016, in: Onomastikblog [27.01.2017], URL: http://www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-svenskt-ortnamnslexikon/

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