Jakob Ebner, Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin-Boston: De Gruyter 2015, 1.027 S. – ISBN 978-3-11-019537-8, e-ISBN (PDF) 978-3-11-040315-2, e-ISBN (EPUB) 978-3-11-040321-3, Preis: EUR 199,95 (DE).

Rezensiert von Dieter Kremer

An Inventaren von Berufsbezeichnungen verschiedenster Art mangelt es nicht. (Anm. 1) Grundsätzlich ist zu unterscheiden einerseits zwischen Tätigkeitsbeschreibungen, oft offizieller Natur, und Klassifikationen, diese heute meist im „internationalen Ausgleich“. Andererseits gibt es sehr zahlreiche Editionen historischer Berufsstatuten und Einzeluntersuchungen, sachlicher oder sprachlicher Natur, zu Berufen. Hierbei ist es wichtig, die gemeinsame europäische Tradition im Auge zu behalten. Letztlich befinden wir uns im Bereich der Sachkunde. Davon zu trennen sind weitgehend unkommentierte Bezeichnungslisten, die Hilfestellung bei verschiedenen Fragestellungen leisten möchten. An erster Stelle steht hier die Familiennamenkunde: Für diese ist in der Regel die Identifikation einer beruflichen Tätigkeit ausreichend. Das was dahinter steht: sachliche und sprachliche Geschichte und Interpretation, sind meist nur von sekundärem Interesse. Allerdings sind die zahlreichen lexikalischen, graphischen und formalen Varianten einer weitgehend tradierten oder „offiziellen“ Berufsbezeichnung in ihrer regionalen Vielfalt für die Namenforschung von Bedeutung. Hier kann die Namenforschung „Hilfswissenschaft“ der Wortforschung sein. Ein besonderer Bereich sind die indirekten Berufsnamen, die eine berufliche Tätigkeit umschreiben (Typ Bindseil, Brühschwein, Fegebank, Spalteholz) oder einen typischen Gegenstand als pars-pro-toto als persönliche Charakterisierung nennen (Blasebalg, Bohnsack, Rosenkranz). Ein wenig ist dies vergleichbar mit der eher selten angewandten Unterscheidung zwischen konkreter Örtlichkeitsbenennung (also Namen) und ethnischen Ableitungen, die häufig sekundäre Bedeutungen annehmen können und damit als Lexeme funktionieren, die zu Namen werden können. An dieser Bruchstelle begegnen und trennen sich Wort- und Namenforschung. Während diese alle Formen von Namen und als Namen funktionierende Lexeme betrachtet, ignoriert vor allem historische Wortforschung häufig das durch die Namen überlieferte lexikalische Material, das sehr häufig Erstdatierungen ermöglicht. Ein gewichtiges Argument ist dabei die Tatsache, dass Namen eine individualisierende Funktion haben, ihre konkrete Interpretation aus dem Namenkontext meist nicht eindeutig möglich ist. Zu trennen ist daher zwischen Bezeichnungen und Namen. Hierbei wird in der Namenforschung einem Aspekt möglicherweise zu wenig Beachtung geschenkt: Sehr häufig entspricht die Betonung des Namens nicht der lexikalischen Betonung, er wirkt „verfremdet“, dadurch wird die Beziehung zwischen Namen und Lexem nicht immer spontan erkannt.

Der vorliegende, gewichtige Band (1.027 Seiten) erfasst auf der Grundlage der einschlägigen Literatur möglichst viele greifbare historische „Berufsbezeichnungen“ des deutschen Sprachraums, einschließlich zahlreicher mittellateinischer Formen. Der jeweilige knappe, gelegentlich auch ausführlichere Kommentar beschreibt die Tätigkeit, gibt ggf. die Etymologie, verweist auf Synonyme und die wichtigste Referenzliteratur. Vier absolut zufällige Beispiele mögen die Darstellungsweise illustrieren:

»Gaukelmann ‘berufsmäßiger Narr und Spaßmacher, Hanswurst’; im Ggs. zu der umfassenderen Bezeichnung Gaukler für ‘fahrende Leute’ Syn. Gaukler. Lit. Barth 1:300; Grimm 4:1552[0]; Volckmann (1921) 314«

Dieser knappen Darstellung stehen ausführliche Sachbeschreibungen wie die folgende gegenüber:

»Strumpfwirker Strumpfwürcher, Strumpfwürker, Stumpfwirker; lat. reticulator ‘Handwerker, der Textilien (Strümpfe, Hauben, Hosen, Handschuhe usw.) durch Verschlingen von Fäden auf einem Strumpfwirkerstuhl herstellt’; das Handwerk der Strumpfwirker löste im 16. Jh. durch die Erfindung des Strickapparats von William Lee (1589), mit dem eine größere Anzahl von Maschen auf einmal verarbeitet werden konnte, die Strumpfstricker ab. Bereits im 12. Jh. geht das Handwerk in ein Verlegersystem, bei dem die Produkte in Heimarbeit erzeugt wurden, über. Heute noch als Berufsbezeichnung üblich, aber in einem anderen industriellen Arbeitsfeld. – Die Form Stumpf ist eine bairische dialektale Nebenform zu Strumpf. W: Wirker. Lit. Adelung 4:459; Barth 1:998; Grimm 20:129; Idiotikon 16:1486; Palla (2010) 227; Pies (2005) 167; Reith (2008) 227; Schmeller 2:761; Volckmann (1921) 95« (Anm. 2)

Etymologische Angaben finden sich naturgemäß hauptsächlich bei Lehnwörtern, meist aus dem Lateinischen bzw. den romanischen Sprachen, insbesondere dem Französischen. Hier trägt der Autor eher unkritisch das zusammen, was er in seinen Referenzwerken findet, z. B.

»Conterfeier Confettner, Conterfehter, Conterfeiter, Conterfetter, Contrefeier, Konterfeier, Konterfetter, Kuterfector, Kunterfektor ‘Portraitmaler’; er stand zwischen Künstler und Handwerker ♦ zu Konterfei, mhd. conterfeit, kunterfeit ‘nachgemacht, falsch’, aus altfranz. contrefait ‘Nachahmung, Abbild; nach der Natur verfertigtes Gemälde’; aus lat. contrafactio ‘Gegenüberstellung, Vergleichung’; zu lat. contra ‘gegen’ und facere ‘machen’; vgl. mhd. kunterfeit, gunterfeit, conterfeit ‘unreines, vermischtes, verfälschtes Gold, Metall’ aus altfranz. contrefait ‘entstellt, nachgemacht’. Lit. Adelung 1:1347; Barth 1:159, 568; Barth 2:327; Grimm 2:635 (conterfeien); Pfeifer 711« (Anm. 3)

»Korduaner Cordewander, Cordewaner, Curduaner, Kordawoner, Kordewaner, Kordomander, Kordowaner, Korduan, Kuderwanner, Kurdewaener, Kurdewaner, Kurdewener ; lat. corduanarius, corduanatarius 1. ↑‘Korduangerber’. 2. ‘Schumacher, der vor allem feines Korduanleder verarbeitet’ FN: Kordewan, Korduan, Kordian, Cordua, Corduan, Cordonnier, Cordewener, Corduwener Syn: Gerber*, Korduangerber, Schuster. Lit. Brandl/Ceurtzberg (1976) 98; Gottschald 143; Grimm 11:1808; Krünitz 8:383; Linnartz 124; Palla (2010) 128; Pies (2005) 58; Reith (2008) 82; SteirWb 404; Volckmann (1921) 57« (Anm. 4)

»Korduangerber Corduangerber ‘Gerber, der Korduan herstellt’; d.i. weiches Ziegen- oder Schafleder, das oft für Bucheinbände verwendet wurde ♦ mhd. corduwân, kurdewân ‘Corduan[schuh]’, aus altfranz. corduan ‘Leder, Schuhwerk’, zu Cordouel, franz. Name der spanischen Stadt Córdoba W: Gerber* Syn: Korduanbereiter, Korduaner, Lascher, Ledertauer, Löscher, Löschmacher, Raufer, Rotlöscher, Rußfärber, Schwarzfärber, Schwarzgerber Lit. DudenFW 765; Grimm 11:1808 (Korduan); Krünitz 8:383 (Corduan)« (Anm. 5)

Großzügig ist der Autor mit Verweisen auf Synonyme, die allerdings häufig der Präzisierung bedürften, die bloße Aufzählung führt eher in die Irre. So stehen etwa den 36 Bezeichnungen auf -krämer nicht weniger als 81 „Synonyme“ gegenüber.

Im knappen Vorwort, heißt es, dass „in Auswahl auch die in den Quellen vorkommenden lateinischen Entsprechungen“ verzeichnet werden; auf diese „Quellen“ wird nur pauschal verwiesen (27–28), umso umfangreicher ist die genannte Literatur (7–27), in der allerdings das berühmte Ständebuch von Jost Amman fehlt. Mittellateinische (besser als „lateinische“) Berufsbezeichnungen werden häufig genannt, vor allem wenn sie Grundlage oder Synonym für eine „deutsche“ Berufsbezeichnung sind (Salsitzenmacher < lat. salsuciarius) (Anm. 6). Umgekehrt können mlat. Bezeichnungen Übersetzungen sein (Ochsentreiber > mlat. bossequus, Kannengießer > cantrifusor, Grützner > grutarius usw.). Allerdings besteht dieser direkte Zusammenhang nicht immer, es handelt sich oft lediglich um Synonyme im mlat. Kontext (etwa Feilenhauer, „lat. faber limarum“) (Anm. 7). Diese Identifizierung ist nicht systematisch durchgeführt, wie etwa ein Blick in die genannten Arbeiten von Teja Erb zeigt (etwa ligator, ligator tunnarum, ligator vasorum ‘Fassbinder, Böttcher’, ligator pectinum ‘Kammmacher’, hier nicht in der vom Autor allein genannten Bedeutung ‘Buchbinder’). Ganz fehlen Grundberufe wie etwa Maurer (lat. mūrārius). (Anm. 8)

Nicht ganz durchschaubar sind Kriterien, nach denen fremdsprachige Tätigkeitsbezeichnungen aufgenommen wurden. Das französische cloutier ‘Nagler’ wird im Grimm nicht erwähnt, fragwürdig ist der als Synonym genannte Buthelor, Butheler, jedenfalls nicht französischer Herkunft. In diesem Zusammenhang wären Bezeichnungen wie Accoucheur, Appareilleur, Planteur, Platteur, Plombeur u. a. (alle nicht im Grimm) ebenso zu hinterfragen wie die zahlreichen, komplexen Bildungen auf -ier (Cordonnier, Olier, Plumassier usw.). Eine deutlichere Abgrenzung zwischen deutschen und als Fremdwort gebräuchlichen Berufsbezeichnungen wäre nützlich gewesen.

Wichtig scheint es, zu betonen, dass es sich um ein Wörterbuch und kein Namenbuch handelt. Auch ist es selbstverständlich, dass Vollständigkeit letztlich nicht angestrebt wird und wohl auch kaum möglich ist. (Anm. 9) Doch ist es naheliegend, dieses Inventar mit namenkundlichen Publikationen zu vergleichen und auf fehlende Einträge hinzuweisen. In der Tat gibt es in den Familiennamen sehr zahlreiche weitere Berufsbezeichnungen, wobei allerdings gelegentlich die Abgrenzung Bezeichnung und Name problematisch sein kann; das gilt allerdings allgemein für Tätigkeitsbenennungen. Nicht erwähnt werden zahlreiche von Linnartz genannte FN aus Berufsbezeichnungen (Anm. 10) wie u.v.a. (in Klammern die heutige Frequenz nach Geogen): 

Erdmenger (122), Flegler (150), Hechtfischer (67), Heiligensetzer (83), Heuschneider (149), Käckenmeister (47), Kaltbeizer (24), Käsmacher (379), Keilhauer (215), Klosterknecht (6), Lämmerhirt (379), Lehmbäcker (8), Lochstampfer (41), Ollenhauer (36), Öser (15), Pfotenhauer (234), Sägenschnitter (17), Schmerler (145), Seidenspinner (271), Teichfischer (62), Vormelker (142), Zangenmeister (8) usw.

Aus eigenen Materialien kann ich u. a. beisteuern: 

Binngießer (4), Buchkremer (122), Dahlbender (18), Eisenkrätzer (95), Getreidemeister (†), Hafermesser (†), Heuwäger (†), Kuttenkeuler (80), Ladenbauer (5), Ledersetzer (†), Lessmeister (41), Meusejäger (†), Nachtreiter (†), Nelkenbrecher (27), Pfnister (20), Plümacher (123), Rohrwacher (27), Sandschneider (17) (Anm. 11), Saumweber (56), Schaubrenner (11), Schlackentreiber (†), Schreibner (6), Schübknecht (1), Schubmehl (57), Schwenkmezger (12), Stoßmeister (15), Tillschneider (34), Wallenhauer (57), Zusammenschneider (4), Zwirnmann (55) usw.

Diese rein zufällige, kleine Auswahl betrifft mehr oder weniger eindeutige Berufsbezeichnungen, so wie sie in dem hier vorgestellten Lexikon behandelt werden. Aus namenkundlicher und letztlich auch sprachlicher Sicht sind bestimmte syntaktische oder metonymische, auf eine bestimmte Person bezogene Benennungen allgemeiner und beruflicher Tätigkeiten von vielleicht noch größerem Interesse. Von Ausnahmen (hier etwa Knappsack ‘Krämer’) abgesehen sind derartige Bildungen im Deutschen im allgemeinen Sprachgebrauch eher spontan üblich (die Geige, die Flöte für Geiger, Flötist u. ä.), sie werden meist nicht lexikalisiert, sind also Namen. Bestimmte Mechanismen lassen sich erkennen, darunter die diskutierte Bildung Verb+Objekt (Typ Gießwein, Haueisen Name gegenüber Weingießer, Eisenhauer Lexem) oder die pars-pro-toto-Nennung (Backofen, Blasebalg, Holznagel, Schönbrod, aber auch Apfelmann u. ä.). Allerdings ist die sprachliche Interpretation derartiger Bildungen keineswegs immer eindeutig: Sind z. B. Bratfisch oder Brathuhn Lieblingsgerichte oder beschreiben sie die Tätigkeit des Kochs? D. h. die Unterscheidung zwischen meist spontanen indirekten Berufsbezeichnungen und individualisierender Beinamengebung ist fließend, wohl der Hauptgrund für die weitgehende Ignorierung dieses volkstümlichen Alltagswortschatzes in der Lexikographie. Zu dieser zählt letztlich das hier angezeigte Wörterbuch. Andere Wege geht die Namenforschung, dazu als jüngstes, eindrucksvolles Beispiel der vorletzte Band des Deutschen Familiennamenatlas (DFA). (Anm. 12) 

Von besonders großem Nutzen sind die verschiedenen Register. Die Liste der erwähnten Familiennamen (871–924) erleichtert das rasche Auffinden entsprechender Ausgangsformen; gleichzeitig wird man nicht selten vergeblich nach bestimmten Formen oder Varianten suchen. Die lateinischen Bezeichnungen (925–933) vermitteln einen ersten Eindruck dieser gebenden und nehmenden Sprachwelt. Außerordentlich nützlich ist das rückläufige Register aller Wortformen (934–1027). Es erlaubt den raschen Überblick ebenso über sachlich-lexikalische Zusammenhänge (Berufsbezeichnungen auf -bäcker/-becker, -dreher, -hauer, -knecht (342), -krämer, -macher (827), -meister/-maister/-mester (647), -menger, -müller, -schläger, -schmied/-schmid/-schmidt, -schneider, -weber usw. oder -bursche/-junge/-mann, -weib/-frau u. ä.) wie auch über formale Serien (Endungen auf -ler, -ner, -erin oder -arius, -ier, -(t)or, -eur, -ant, -ist u. a.). (Anm. 13)

Das Gebiet Berufsbezeichnungen und Berufsnamen ist nicht zu trennen von der Berufsgeschichte und Berufsdarstellung. Der Gesamtkontext ist derart komplex, dass eine auch nur annähernd vollständige Zusammenstellung historischer Berufsbezeichnungen im Rahmen eines Nachschlagewerkes unmöglich scheint. Der vorsichtige Titel „Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen“ der hier angezeigten Publikation drückt das aus. Der Kultur- und Sprachgeschichte und Namenforschung steht ein überaus informatives, bequem zu handhabendes Nachschlagewerk zur spontanen Information über Berufsbezeichnungen (und Berufsnamen) zur Verfügung, das viele bisherige Verzeichnisse zusammenfasst und als insgesamt zuverlässiges Nachschlagewerk in keiner namenkundlichen Bibliothek fehlen sollte.

Anmerkungen

(1) Dazu, unter vielen anderen, Dieter Kremer, Das Wörterbuch der Berufsbezeichnungen, in: Wörterbücher. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie, 2. Teilband, Berlin/New York 1990, 1248–1254 (Art. 132).

(2) Reticulator ist erst mittelalterlich, statt Textilien wäre vielleicht Kleidungsstücke passender. Der Handkulierstuhl verbreitete sich wohl erst Anfang des 18. Jh. Der Verweis auf Synonyme wie Hosenstricker oder Hasenneger wäre an dieser Stelle nützlich.

(3) Die zugrunde liegende französische Bezeichnung contrefait geht auf lat. conttrafactum (< spätlateinisch contrafacere) bzw. contrafactor zurück, nicht das abstrakte Substantiv contrafactio. Diese etymologische Herleitung ist zu kompliziert, es reichte der Hinweis auf die französische Ausgangsform.

(4) Gemeint ist wieder mlat. Interessant wäre es, Näheres zu (belegtem?) corduanatarius zu erfahren, das keiner der genannten Formen zugrunde liegt.

(5) Hier gäbe es Manches zu präzisieren. Korduanleder wurde überwiegend zur Herstellung von Schuhwerk verwendet (daher franz. cordonnier ‘Schuster’, das lat. sūtor abgelöst hat), Bucheinbände sind gewiss nicht Hauptprodukt (dann müsste ein Verweis auf Buchbinder stehen). Die Spezialisierungen auf Rot-, Ruß- Schwarzgerber u. ä. sind gewiss nicht auf Korduanleder beschränkt. Cordouel ist wohl verschrieben, die Ausgangsform ist Cordoue < Córdoba, wozu auch altfranz. corvisier (cordubanensis + -arius), das heute nur noch in FN weiterlebt (Corvisier, Courvoisier u.a). Zu überprüfen sind eventuell die genannten FN (dazu u.a. auch Brechenmacher 2,94), zumindest sind Kordian und Cordua (dazu noch Kordua) zu hinterfragen.

(6) Korrekter mlat. salsutiarius ‘Wurstmacher’ (Erb 1986: 301), hier nicht zitiert (Verweis auf Barth). Konkreter ist der etymologische Verweis auf ital. salsiccia (> span. salchicha, port. salsicha/salchicha), dazu auch franz. saucisse, die allerdings eine -ī-Form voraussetzen.

(7) Nur bedingt von Nutzen ist die Aufzählung von Bildungen mit dem Grundwort faber, da, von wenigen Ausnahmen abgesehen, alleine das, dann noch einmal zitierte Bestimmungswort als Grundlage der Berufsbezeichnung dient. Der Weg geht vom Adjektiv zum Substantiv: (faber) ferrarius adj. > ferrarius s.m. (ital. ferraro, span. herrero, port. ferreiro). Im konkreten Fall hat sich im Galloromanischen das neutrale Grundwort faber ‘Handwerker’ als Bezeichnung für den häufigsten Beruf durchgesetzt (fèvre, fabre, faure usw.).

(8) Wichtig vor allem Teja Erb, Mittellateinische Handwerkerbezeichnungen, Philologus 130 (1986), 221–313. Dazu auch etwa Harald v. Petrikovits, Die Spezialisierung des römischen Handwerks, in: Das Handwerk in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, Teil I: Historische und rechtshistorische Beiträge und Untersuchungen zur Frühgeschichte der Gilde, hg. von Herbert Jankuhn, Walter Janssen, Ruth Schmidt-Wiegand, Heinrich Tiefenbach (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil-hist. Klasse, Dritte Folge, 122), Göttingen 1981, 63–132.

(9) Abgegeben wird „ca. 6500 Artikel mit 15000 Lemmaverweisen, 5300 Namen und 800 lateinische Formen“.

(10) Linnartz ist in der Aufnahme sehr großzügig, zahlreiche der genannten Namen sind zumindest heute nicht mehr nachweisbar. Die Aufnahme und gelegentlich die Interpretation ausländischer Berufsnamen kann diskutiert werden. So ist Oblater (wohl Oblaten(= Hostien-)bäcker) als FN heute nur in der bemerkenswerten Form Oblatenkloster (8) nachgewiesen. Nicht zu finden scheint auch Orbater, nach Linnartz englischer Herkunft, das letztlich zu franz. deverbalem orbatteur ‘Goldschläger’ (or + battre) zu stellen ist, mit beat nichts zu tun hat. Im Übrigen ist diese Berufsbezeichnung als Name weder in Frankreich (Orbatteur, *Batlor u. ä.) noch England nachweisbar, vgl. Patrick Hanks, Richard Coates, Peter McClure, The Oxford Dictionary of Family Names in Britain and Ireland, 4 vols., Oxford 2016.

(11) Wohl Samtschneider, nicht in Ebner.

(12) Fahlbusch, Fabian / Peschke, Simone (2016): Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen (= Kunze, Konrad / Nübling, Damaris (Hg.): Deutscher Familiennamenatlas, Band 5), Berlin/Boston 2016. Dazu die ausführliche Besprechung von Volkmar Hellfritzsch, in: Namenkundliche Informationen 107/108 (2016) 498–520.

(13) Als Ergänzung bietet sich ein gelegentlicher Blick in das Grimm’sche Wörterbuch an. Hier können leicht Serien nach Bestimmungswörtern zusammengestellt werden (Laden-, Seiden- usw.), die aktuelle Namenlisten (etwa Geogen) eventuell ergänzen.

Empfohlene Zitierweise
Dieter Kremer: [Rezension zu] Jakob Ebner, Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen, Berlin-Boston 2015, in: Onomastikblog [27.07.2017], URL: www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/historische-berufsbezeichnungen/

Druckversion dieses Artikels als PDF

Dieser Blogartikel und das zugehörige PDF-Dokument sind lizenziert unter CC BY 3.0 DE.
Die Titeldaten für das rezensierte Werk finden Sie im DNB-Katalog.