Hans Ramge: Studien zu hessischen Familiennamen (Sprache, Literatur, Kommunikation – Geschichte und Gegenwart 4), Gießen 2015, 237 S. – Gießener elektronische Bibliothek: geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2015/11314/)

Rezensiert von Friedhelm Debus, Schierensee (Kiel)

Schon in seinem ersten wissenschaftlichen Werk, seiner Dissertation, widmete sich Hans Ramge einem namenkundlich-hessischen Thema („Die Siedlungs- und Flurnamen des Stadt- und Landkreises Worms“, Darmstadt 1967, 2. Aufl. Gießen 1979). Später, nach der Behandlung anderer Themenfelder (vgl. die Bibliographie in „Raum, Zeit, Medium – Sprache und ihre Determinanten. Festschrift für Hans Ramge zum 60. Geburtstag“, hg. von G. Richter, J. Riecke, B.-M. Schuster, Darmstadt 2000, 949ff.), wandte er sich wieder intensiv der Namenforschung zu, vor allem der Flurnamenforschung. Nach seiner Berufung an die Universität Gießen 1978 legte er das „Hessische Flurnamenarchiv“ an, auf dessen Grundlage neben verschiedenen Beiträgen (vgl. Hans Ramge, Namenraum und Sprachgeschichte in Hessen. Kleinere Schriften zur sprachlichen Landesforschung in Hessen, aus Anlass des 70. Geburtstages hg. von B. Vielsmeier, Darmstadt 2013) das vorbildliche „Hessische Flurnamenbuch“ (Darmstadt 2002) erscheinen konnte.

Nach der Emeritierung 2005 kamen dann ergänzend die Familiennamen hinzu, denen er sich in mehreren aufschlussreichen Untersuchungen zuwandte. Hierbei waren es wiederum vorwiegend hessische Familiennamen, wozu er sowohl theoretische als auch besonders praktisch orientierte Arbeiten vorgelegt hat. Der hier vorgestellte elektronisch publizierte Band vereint fünf dieser Aufsätze, dazu eine umfangreiche Artikelserie, die er auf Anfragen aus der Bevölkerung hin 2009–2011 in der „Wetzlarer Neuen Zeitung“ verfasste. Die im vorliegenden Band wieder abgedruckten Arbeiten sind zwar vornehmlich oder ausschließlich hessischen Themen gewidmet und insofern für einheimische Interessenten von besonderer Bedeutung, doch sie sind vorbildhaft und anregend auch für andere Regionen. Das wird gleich mit dem ersten Beitrag deutlich: „Familiennamengeographie und Flurnamenforschung. Methodisches an hessischen Beispielen“. Darin kann Ramge als vorauszusetzendes Ergebnis seiner Darlegungen formulieren, „dass Familiennamen in Flurnamen die historische Verbreitung des Familiennamens in der Neuzeit spiegeln, und zwar sowohl räumlich in der Flurnamengeographie wie zeitlich in der Fixierung durch historische Belegreihen.“ (Text A., 204) Hans Ramge zeigt das anhand von Verbreitungskarten bestimmter Namen und ihrer fassbaren historischen Überlieferung, was auch für die folgenden Aufsätze gilt: „Odenwälder Schweizer im Spiegel südhessischer Familiennamen“; „Odenwälder Familiennamen“; „Die Waldschmidts und die Waldschmieden. Zur Entstehung und Verbreitung eines hessischen Familiennamens“. Mit dem letzten Aufsatz wendet er sich wieder einem allgemein interessierenden Thema zu: „Familiennamen in Zeit und Raum. Zur Verbreitung von hessischen Familiennamen an der mittleren Lahn“, wobei er der Frage nachgeht, inwieweit man angesichts regional begrenzter oder konzentriert vorkommender Familiennamen von „typischen“ Namen für ein Gebiet sprechen kann. Hans Ramge geht bei all seinen Arbeiten akribisch und abwägend vor und kommt nach vorbildlich argumentierenden Erörterungen zu Schlüssen, die Probleme nicht ausklammern.

Man liest all diese Arbeiten mit Gewinn und bewundernder Anerkennung für das Wirken eines bewusst heimatverwurzelten Gelehrten, der es versteht, in sachlich klarer Sprache seine Erkenntnisse zu vermitteln. Das gilt in besonderer Weise für seine Zeitungsartikel, die auf 75 Seiten wiedergegeben sind und in denen er zahlreichen Familiennamen erklärend nachgeht. Das beginnt gleich mit dem Familiennamen Klingelhöfer, den er von einer im 16. Jahrhundert bezeugten Grethe im Klingelhobe aus dem kleinen Ort Damshausen (Dautphetal) als Ursprung für alle Klingelhöfer überzeugend beschreibt. Ähnliches gilt auch z. B. für den in Mittelhessen verbreiteten Namen Bamberger. Die einzelnen Namenartikel sind unterhaltsam und nicht selten humorvoll formuliert und beispielhaft für eine gelungene populärwissenschaftliche Darstellung: gewiss auch eine „Reklame“ für die Namenkunde!

Alle diese Arbeiten und noch weitere Untersuchungen bilden den Grundstock für das geplante und bereits in Angriff genommene Buch „Familiennamen in Hessen“, worauf wir mit Spannung warten dürfen. Möge Hans Ramge dieses Werk in gewohnter Arbeitsweise zügig vollenden können!

Empfohlene Zitierweise

Friedhelm Debus: [Rezension zu] Hans Ramge: Studien zu hessischen Familiennamen, Gießen 2015, in: Onomastikblog [01.03.2016], URL: www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-hess-famn/

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