Friedhelm Debus, Kleinere Schriften. Zum 85. Geburtstag am 3. Februar 2017 ausgewählt und herausgegeben von Hans-Diether Grohmann und Robert Langhanke. Band 5, Georg Olms Verlag Hildesheim, Zürich/New York 2017. XII/332 S., mit zahlreichen s/w- und 18 Farbabb., Leinen. ISBN: 978-3-487-15530-2, 78,00 EUR.

Rezensiert von Karlheinz Hengst, Chemnitz

Es ist eine gute Tradition vom Georg Olms Verlag fortgesetzt worden. Im Zehnjahresrhythmus ist nach den Jahren 1997 und 2007 mit den Bänden 1 bis 4 der Reihe Kleinere Schriften nun 2017 Band 5 mit über zwanzig Aufsätzen erschienen. Und das ganz pünktlich wirklich zum 85. Geburtstag von Friedhelm Debus.

Auswahl und Druckvorbereitung der umfangreichen sowie tief schürfenden Studien zur Sprachwissenschaft aus der Feder des seit fast 60 Jahren besonders der Onomastik verbundenen Forschers Friedhelm Debus lag wiederum unverändert und bewährt in den Händen von Hans-Diether Grohmann, Germanist an der Europa-Universität Flensburg, diesmal zusammen mit Robert Langhanke vom Germanistischen Seminar der Universität in Flensburg. Beide haben auch das Geleitwort in Verehrung zu dem über viele Jahrzehnte mit der Universität Kiel untrennbar verbundenen germanistischen Ordinarius für Ältere Deutsche Literatur und Deutsche Sprache verfasst.

Dem Band vorangestellt ist diesmal ein koloriertes Foto des Jubilars. Es zeigt ihn in der aus den Begegnungen mit ihm bekannten freundlichen und entspannten Haltung, aufgenommen in seinem privaten Arbeitszimmer vor der Bücherwand mit dem Grimm'schen Wörterbuch. Er lädt gleichsam zur Lektüre oder auch zum Nachschlagen in seinem neuen Band ein.

Den Schwerpunkt des Schriftenbandes bilden die Beiträge zur Onomastik, dem Hauptforschungsgebiet des Verfassers. Erschienen sind sie erstmals in den Jahren 2008 bis 2016. Der Ersterscheinungsort ist jeweils vermerkt. Der Themenkreis ist weit gespannt. Er reicht von "Namenkunde und Kulturgeschichte" oder "Was ist ein Name" über speziellere Themenstellungen wie "Die Entstehung der deutschen Familiennamen aus Beinamen", "Namen in Ost und West" oder "Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Familiennamenforschung im deutschen Sprachraum" bis "Zur Klassifikation und Terminologie der Namenarten". Darüber hinaus werden auch Einzelnamen mit ihrer Problematik und Ausstrahlung behandelt, so Matthäus und Matthias, aber auch die biblische Elisabeth und die bekannte Elisabeth von Thüringen wie überhaupt "Heiligenverehrung und Namengebung am Beispiel ausgewählter Namen". Ein ausführlicher, materialreicher und grundsätzlicher Beitrag befasst sich mit den "Hausnamen", dem Forschungsstand, ihrem Alter und Vorkommen sowohl im städtischen als auch dörflichen Bereich. Eine andere Studie widmet sich den "Flurnamen: Entstehung und Gebrauch vornehmlich im deutsch-slawischen Kontaktgebiet". Wichtige methodische Fragen der Onomastik finden Beachtung mit "Namenforschung und Quellenkritik" oder Stichworten wie "Realprobe und Namendeutung".

Dieser 261 Seiten umfassende erste Teil des repräsentativen Bandes in wieder blauem Ganzleineneinband und mit strapazierfähigem Papier empfiehlt sich für die Handbibliothek eines jeden in der Namenforschung Tätigen auch als begleitendes Nachschlagewerk. Leider konnte kein Namen- oder auch nur Sachregister beigegeben werden. Vielleicht ist ein solches bei dem sicher zu erwartenden nächsten Band übergreifend zu allen Bänden machbar. Dadurch ließe sich der schnelle Zugriff und die Nutzung wertvoller Aussagen und Materialien wesentlich erleichtern und erhöhen.

Die in einem kürzeren zweiten Abschnitt unter "Varia" (264-322) aufgenommenen Titel sind für den historisch arbeitenden Namenforscher sowie auch speziell für Germanisten recht informativ und lesenswert. Sie befassen sich mit dem Institut für Deutsche Sprache (Mannheim), seinen Jahrestagungen, aber auch mit dem bekannten sowie verdienstvollen Förderer der deutschen Namenforschung Henning Kaufmann. Den Beschluss bilden Ausführungen zur Schreibkultur im Wandel der Zeiten mit Briefbeispielen sowie "Über Martin Luthers Bedeutung in sprachlicher und literarischer Perspektive", was in diesem Jahr zum Reformationsjubiläum von besonderer Aktualität ist.

Den Band beschließt ein "Anhang" mit dem "Verzeichnis der Schriften von Friedhelm Debus" (325-335) mit Ergänzungen ab 2005 und bis 2016 reichend.An dieser Stelle gebührt dem Autor sowie den beiden Herausgebern Dank für die getroffene Auswahl und geleistete Arbeit mit Neusatz und Korrekturen zum Wohle des stattlichen Buches. Ebenso ist dem Georg Olms Verlag für seine Verbundenheit mit der Sprachgeschichts- und Namenforschung sowie die bewiesene Bereitschaft zu Druck und Herausgabe des vorzüglich gestalteten und dauerhaften fünften Bandes von "Kleinere Schriften" zu danken.

Empfohlene Zitierweise: Karlheinz Hengst: [Rezension zu] Friedhelm Debus, Kleinere Schriften, Hildesheim, Zürich, New York 2017, in: Onomastikblog [15.03.2017], URL: http://www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-friedhelm-debus-kleinere-schriften/

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Die genauen Titeldaten für das rezensierte Werk finden Sie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.