Fabian Fahlbusch und Simone Peschke: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen (Deutscher Familiennamenatlas 5), Berlin-Boston: De Gruyter 2016, XLI + 1065 S., 419 Karten – ISBN: 978-3-11-042446-1, Preis: EUR 299,00 (DE).

Rezensiert von Volkmar Hellfritzsch, Stollberg

Nachdem im Anschluss an die Behandlung grammatischer Phänomene mit Band 4 des innovativen, auf seine Weise bisher einzigartigen anthroponomastischen Atlas-Werkes und den Namen nach Herkunft und Wohnstätte die lexikalische Abteilung eröffnet wurde, legen Herausgeber und Autoren mit Band 5 nunmehr eine Darstellung der Namen vor, die durch Beruf, Stand oder Amt (Teil I: Berufsnamen) bzw. durch körperliche, charakterliche oder biographische Merkmale (Teil II: Übernamen, außer Beruf, Stand oder Amt) motiviert sind. (Anm. 1) Zweifellos wurde die Bearbeitung dieser beiden umfangreichen und komplexen, auf nicht-onymischem Material beruhenden Motivationsgruppen mit speziellem Interesse erwartet, lassen sie doch vielerlei neuartige und vertiefte Einsichten in nicht zuletzt unter sprachhistorischem, dialektgeographischem, kulturgeschichtlichem und psychologischem Aspekt besonders instruktive Bereiche des deutschen Wort- und Namenschatzes erwarten.

Ebensolche Gesichtspunkte und Beziehungen behalten die Autoren von Anfang an konsequent im Blickfeld, indem sie nicht von der Benennungsweise ausgehen oder vorrangig bestrebt sind, die Verbreitung einzelner Namen zu dokumentieren. Stattdessen werden – den Teil  „Übernamen“ stark entlastend – „jeweils vom Motivationsbereich her zusammengehörige Namen zusammen behandelt, gleich, ob sie durch direkte oder indirekte Benennung [metonymisch oder metaphorisch V. H.] entstanden sind (Metzger, Kalbfleisch usw.; Langbein, Storch usw.)“ (S. XXIV). Demzufolge wurden die jeweiligen Onyme bei der Konstituierung der Kartenthemen „im Spektrum ihrer Varianten“ dargestellt (K.: 95 Schlieper, Schlipper, Schleifer, Schliefer; K. 101: Diller, Dillschneider) und ins Umfeld konkurrierender Namen eingebettet, „um Strukturen und Bedingungen onymischer Raumbildungen aufzudecken“. (S. XXV) Methodisch ebenfalls neuartig und diesem Anliegen höchst dienlich ist die Einbeziehung lateinisch-deutscher Vokabularien wie des Liber ordinis rerum (Esse-Essencia-Glossar), des Stralsunder Vokabulars, des Vocabularius Ex quo usw. (vgl. S. XXVI, Anm. 10), womit die beim Vergleich der betreffenden Namen verschiedentlich auftretende Schwierigkeit minimiert wird, spätmittelalterliche Bedeutungsfelder und Benennungsanlässe präzise zu benennen und die lokal bzw. regional geltende Bedeutung der deutschen Wörter exakt zu ermitteln. Wie das aufschlussreiche Beispiel von lateinisch spelta und die Übersetzungen als spelt/spelz bzw. vesen/dinkel zeigen (K. 21–23), können manche der vorgelegten Kartenkonzepte „erstmals im umfassenden Rahmen eines Namenatlasses neue Indizien und Impulse zur Klärung von Fragen der historischen Semantik und der Namenmotivation bieten“. (S. XXVI)

Die Gliederung der behandelten dominanten Motivationsbereiche „richtet sich nach den gängigen Handbüchern“ (S. XXIV): im ersten Teil (S. 2–655, K. 1–251) von den „Urberufen“ der Landwirtschaft (Bauern, Landarbeiter; Getreide-, Gemüse-, Obstbauern; Weinbauern, Bienenzüchter; Hirten; Tierkastratoren) über die verschiedenen Gewerbe (Nahrungsmittel, Ton-, Metall-, Holzverarbeitung; Bau-, Leder-, Textil- und Pelz-, Dienstleistungsgewerbe) bis hin zu Ämtern in der weltlichen und kirchlichen Verwaltung (grundlegend Bach 1952/53 I, 1: §§ 245–246, danach z. B. Gottschald 1982: 51–53; Naumann 2009: 34–38; Duden FamN 2005: 33–38). Unter dem Titel „Familiennamen nach persönlichen Merkmalen“ vereint der zweite Teil (S. 656–1065, K. 252–419) nicht nur Übernamen, „die sich ausschließlich auf ein Merkmal/eine Eigenschaft der benannten Person selbst“ (Kohlheim/Kohlheim 2014: 149) und damit auf den gesamten Körper (Größe, Umfang, Plumpheit, Haare und Körperteile) sowie den Charakter und bestimmte Verhaltensweisen beziehen: Wesensart; Sprachverhalten und – nahe Beieinanderliegendes notwendigerweise zusammengefasst – Klugheit, Tapferkeit, Temperament; Freundschaft, Feindschaft, Aggressivität; Ess-, Trink-, Schlafgewohnheiten. Einbezogen sind auch „Biographische Merkmale“ (Generationen, personale Beziehungen; Jahreszeiten, Monate; Tage, Tageszeiten), also Benennungen, die andernorts (Kohlheim/Kohlheim ebd.) – unseres Erachtens terminologisch zutreffend – als „Relationale Übernamen“ bezeichnet werden, d. h. „Übernamen, die auf soziale oder familiäre Beziehungen des Namenträgers Bezug nehmen“. Wie kompliziert sich die Erarbeitung eines solchen semantischen Rasters gestaltet, dass Kompromisse bei der Fülle des Materials unumgänglich sind und sich thematische Überschneidungen nicht völlig vermeiden lassen, zeigt der den biographischen Merkmalen zugeordnete Bedeutungskomplex „Leid, Freude“ (S. 979–999) mit Namen wie Kummer, Sorg (K. 383–384), Glück (K. 390) oder Ansorge (K. 389) und ihrer Varianten und konkurrierenden Formen, die man sich auch dem Komplex „Charakter, Verhaltensweisen“ zugeordnet vorstellen kann.

So vereinen bei den FamN (Anm. 2) nach Berufen etwa K. 90: Nagel, Nägele und Nagler für den Nagelschmied und K. 92 Spohr, Sporn, Spor(r)er, Spör(r)er für den Sporenmacher. Um diese innovative, in ihrer Komplexität und Konsequenz bisher noch nicht dagewesene onomasiologisch-onomastische Herangehensweise der Autoren an einem weiteren Beispiel genauer zu verdeutlichen, sei im Rahmen der FamN des Textil- und Pelzgewerbes – infolge des umfangreichen Materials letztlich nur andeutungsweise möglich – auf die Untergruppe der Schneider, Seidensticker und Kürschner (8.2, S. 446–483) verwiesen. Hier werden nicht nur die direkten Berufsnamen Schneider (dazu auf das Sorbische, Polnische, Ungarische oder Englische zurückgehende Formen wie Krautz[ig], Krawczyk, Szabo, Taylor usw.), Schröder, Näther, Seidenspinner, Seidenst(r)icker und ihre zahlreichen regionalen (graphischen) Nebenformen (K. 172–175, 177), sondern des Weiteren eine erstaunlich große Vielzahl indirekter Berufsnamen (Simplizia, Komposita, Derivata, Satznamen) dargestellt. In diesem Kapitel mit 15 Nebenkarten findet man – immer unter Berücksichtigung möglicher Deutungskonkurrenzen – Namen unterschiedlichster Art, mithin oft über die Semantik der „Grundformen“ hinausgehende, diese vielfältig erweiternde und dabei Überschneidungen mit anderen Motivationsgruppen nicht ausklammernde Bildungen und Spezialfälle: Speer-, Bogen-, Wand-, Hof(f)-, Ulm-, Baderschneider; Schneiderheinze, -bauer, -meier, -mann, -win(d); Feld-, Kamp-, Wernekenschnieder; Schniederjohann etc. Hinzu treten eine Anzahl nicht nur auf das Werkzeug oder das Arbeitsverhalten des Schneiders bezogene Übernamen wie Stich, Faulstich, Fingerhut (K. 176), sondern vor allem eine Menge von Bildungen, denen Bezeichnungen für Kleidungsstücke zugrunde liegen: Bunt-, Blau-, Schwarzrock (K. 178); Schoppe, Jopp, Janker (K. 179) mit auffälliger Konzentration des Letzteren im Südosten; Kitt(e)l, Kittler, Kittelmann (K. 181); Kagel, Kogel, Jugel und Ähnliche (K. 182) zu mhd. gugel(e), kugel, kogel, mnd. kog(g)el, kagel ‘Kapuze’.

Man darf den Autoren bereits an dieser Stelle versichern, dass es ihnen mit den insgesamt 46 thematischen Komplexen und den 419 zugehörigen Karten auf Grund der festgelegten Auswahlkriterien überzeugend gelungen ist, die repräsentativsten, am dichtesten besetzten Variantenfelder zu erfassen. Damit ermöglicht Band 5 des Deutschen Familiennamenatlas – trotz aller notwendiger Beschränkung – im Vergleich zur bisherigen Forschung substantiell vertiefte Einsichten in Wesen, Motivik und Semantik der Berufs- und Übernamen.

Die konzeptionell wohlbegründete Zusammenschau von BerufsN und BerufsÜN sowie die vielfältigen Möglichkeiten, die eine Zuordnung bestimmter Namen nach persönlichen Merkmalen gestatten, machen anderseits deutlich, welch teilweise radikale Beschränkungen sich die Autoren auferlegen mussten. Deshalb darf es beispielsweise nicht verwundern, dass eine ganze Anzahl von weit verbreiteten Namen keine Aufnahme in den Atlas gefunden haben bzw. (in solchen Fällen allerdings häufig mit Verweisen, vgl. u. a. S. 752 zu Ra[a]b[e], Rapp) in den vorhergehenden Bänden unter anderem Aspekt nachzuschlagen sind. Vogel, um ein weiteres Beispiel zu nennen, dient in Band 1, K. 318, zusammen mit Vogl der Demonstration der Synkope von -el zu -l. Aber auch in solchen Fällen lohnt sich eine genaue Recherche. Während König (Rang 38 der häufigsten FamN in Deutschland) zunächst in Band 3 als Komponente von Bindestrich-Doppelnamen (590–593) behandelt wird, erscheint er in Band 5 zusammen mit Kaiser auf K. 400 und erneut auf der folgenden Karte (K. 401: Könning, Köning, Könings, Koning, Künning), um zu demonstrieren, wo das -n- von mnd. kon(n)ink ‘König’ erhalten ist. Wie dem auch sei: Bei sorgfältigerer Lektüre der einzelnen Kapitel ist man immer wieder überrascht, ja erstaunt, wie weit die Autoren semantische Bezüge hergestellt und welche Fülle von Namen – oftmals regelrechte Namenfelder – sie aufgedeckt haben. Hier ist bereits deutlich zu erkennen, welch wichtige Rolle das als Band 7 geplante Register (Anm. 3) bei der Erschließung des im Deutschen Familiennamenatlas vereinten Reichtums an Namen und sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen einnehmen wird.

Aus der Vielfalt der dargestellten Sachverhalte ragen auch in Band 5 wieder Karten hervor, die Fälle relativ gleichmäßiger Verteilung zeigen, wie unter 4.3 Jahreszeiten, Monate K. 402: Winter, Sommer, im Großen und Ganzen auch Herbst auf K. 405. Dem gegenüber stehen Karten, die starke regionale Konzentrationen bestimmter Formen zutage fördern: K. 404 mit den Typen Fröhling, Frieling, Frühling im Nordwesten. Der kontrastierend hierzu gestellte Name Spätling, gehäuft im Dreieck Bamberg–Bayreuth–Nürnberg, der „sich gegen das ältere Herbst nicht durchsetzen“ konnte (S. 1035), ist in dieser Bedeutung hauptsächlich für das Alemannische bekannt (Fischer 1904–1924, 5: 1489) und gehört wohl als Bezeichnung für einen von seinen Eltern spät Geborenen bzw. für jemanden, der bei/mit etwas (zu) spät kommt (DWB 2004, 16: Sp. 1999; Scheffler-Erhard 296) eher in den Bereich 3.1 „Wesensart“ oder 4.2 „Generationen, personale Beziehungen“.

Um einige weitere Beispiele zu nennen: Äußerst eindrucksvoll wird die Verteilung und Bedeutungsdifferenzierung von Schnitzler sichtbar: im Rheinland in der Regel ‘Tischler’, in Süddeutschland vorwiegend ‘(Bild-)Schnitzer’ (S. 282f., K. 108), so dass im Zusammenhang mit Schreiner und Tischer (K. 106) eine geographisch klar zu unterscheidende Bezeichnung für den Tischler zu erkennen ist. Auffällig, wie sich Typ Hamacher (K. 157), auf mnd. hamaker ‘Hersteller von Geschirren für Zugtiere’, rhein. Hammacher (RhWB III: Sp. 174f.: Hamen) zurückgehend, mit starker Verdichtung im Dreieck Solingen–Dortmund–Duisburg, von Sattler abhebt oder südwestsächsisches Tuchscherer, im Verbund mit Weißflog, von südlichem Kratzer bzw. Kemmler und westlichem Flock (K. 168). Oder Faßnacht (vor allem im Südwesten) gegenüber Fastabend (im Westen) und Fasching mit Faschingbauer im Süden bzw. Südosten (K. 417) und so fort.

Hervorzuheben sind auch Karten, die durch kontrastierende Darstellungen im semantischen Bereich neuartige Perspektiven eröffnen: Bereits Unterkapitel „1.1 Körpergröße“ des mit „1 Gesamter Körper “ den zweiten Hauptteil („II Familiennamen nach persönlichen Merkmalen“) und damit die Darstellung der Übernamen im engeren Sinne eröffnenden Kapitels, das auf besonders zahlreiche, bereits in den Bänden 1–3 dokumentierte Formen zu lang, groß und klein verweisen kann, überrascht nicht nur durch eine in diesem Umfang in der Fachliteratur bisher noch nicht dargebotene Fülle von FamN. (Anm. 4) Die konsequent eingehaltene onomasiologische Sicht bietet neben den dialektalen Varietäten der drei Grundformen (K. 252: Klein, Kleen, K. 253: Kleine, Kleinen, Kleen, Kleene gesondert; K. 254: Kurz, Kurze, Kurth, Korte) neuartige Synopsen, wie K. 255: Klein, Kurz oder K. 256: Lang, Groß; K. 257: Groß, Klein; K. 258: Lang, Kurz, die nicht nur Einsichten in bislang kaum beachtete lexikalische Distributionen gestatten. Sie werfen auch Fragen nach der Wertigkeit einzelner Bedeutungskomponenten sowie hinsichtlich wahrnehmungspsychologischer und das Wort- bzw. Namenfeld und seine semantische Strukturierung betreffender Aspekte auf. Ergänzend treten auch hier Verbreitungskarten zu entsprechenden Komposita (K. 259f.: Groß-, Groth-/Kurz-, Kortmann; Klein[hans] usw. und (hier in Auswahl) Konkurrenten wie Ries, Riese, Reese; Dorsch, Dirsch; Stange, Stangl, Stengel, Stingl; Strack, Stracke; Sperling, Spatz, Lüning, Mösch, Sperk und andere mehr hinzu (K. 261–K. 266).

Die besondere Bedeutung von Band 5 des großen Atlas-Werkes über die deutschen Familiennamen reicht weit über die Anthroponomastik hinaus. Der Sprach-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte sowie zahlreichen anderen wissenschaftlichen Disziplinen liefert er nicht nur wertvolle Erkenntnisse und vertiefte Einsichten, sondern, was viel schwerer wiegt, von ihm gehen vielfältige Impulse aus, die gebotenen Sachverhalte zu hinterfragen, zu interpretieren und neu zu bewerten, mithin die Forschung zu befördern, sowohl in Bezug auf das geschichtlich Gewordene als auch hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen. Unter diesem Aspekt sind die folgenden Ausführungen lediglich als Bemerkungen zu dem einen oder anderen Einzelproblem, nicht aber als Kritik an einer Hochachtung und Dankbarkeit gebietenden Publikation zu verstehen, die in die Reihe der großen Sprach- und Wortatlanten des Deutschen gehört.

In diesem Sinne wollen wir in der Reihenfolge der beiden Motivationsgruppen zu einigen Aspekten Stellung nehmen, zu denen uns der Atlas angeregt hat:

 

(1) Familiennamen nach dem Beruf

Da die Autoren die gesamte einschlägige Literatur souverän beherrschen und auswerten, sind die gebotenen Etymologien – zumal Konkurrenzen stets beachtet werden – in hohem Maße zuverlässig. Dies schließt jedoch nicht aus, dass im Detail – dies bleibt die Ausnahme – Einwände erhoben, Ergänzungen vorgenommen oder Hinweise gegeben werden können. So ist den Bearbeitern eines der Hauptprobleme – sie nennen es „ein prinzipielles Defizit des DFA“ (Dräger/Kunze 2015: 18) –, die Schwierigkeit, zielsicher auf HerkunftsN zu rekurrieren (Anm. 5), sattsam bekannt. Ob also bei Typ Höner (K. 2) für den Hufenbesitzer SiedlungsN wie Hohn oder Höhn einzubeziehen sind, ist angesichts deren teilweise geringen Alters mehr als fraglich. (Anm. 6) Für den zu den BerufsN für den Gerber gestellten, im Raum Erfurt nur mit geringer Frequenz bezeugten FamN Lederhausen (S. 359) kommt der ostthür. Ort Lederhose sicherlich kaum in Betracht, zumal bereits Zoder 1968 II: 29, auf den Bezug genommen wird, „entstellt“ vermerkt und Fragezeichen setzt. Man wird am ehesten – wie bei dem OrtsN selbst – an einen den hosen- oder strumpfförmigen Umriss des Grundstücks bezeichnenden FlurN, auch nicht an mhd. lederhūs ‘Gerberei’ (vor allem obd. incl. schweizerdt.7), zu denken haben (Rosenkranz 1982: 43; Südhess. FlNB: 634).

Abb. 1

Bei den BerufsN, die sich auf den Obstbauern beziehen, werden außer Obst, Obser, Obstfelder, Obstmeier (K. 30, gutes Beispiel für die Zusammenschau beider Motivationsgruppen) und den Bildungen zu Kirsche Obstarten wie Apfel, Birne, Pflaume u. a. ausgelassen. Dies ist nicht nur angesichts der notwendigen Begrenzung vollkommen verständlich, sondern auch wegen zahlreicher etymologischer Unwägbarkeiten bei entsprechenden Formen. So können beispielsweise bei häufig belegtem Apfel, das man hier – etwa als ÜberN für den Obstverkäufer – zunächst erwartet, die einzubeziehenden hochfrequenten (nd.) Appel-Varianten wie Apel Kurzformen zu Albrecht sein und die Aussagekraft des Kartenbildes in Bezug auf die Speyerer Linie (vgl. hingegen Band 2, K. 22: Hopf, Hoppe) stark beeinträchtigen.

Abb. 1: Verbreitung der Familiennamen Appel, Apfel in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)

Abb. 2

Maisch/Meisch in den Großräumen Karlsruhe und Stuttgart (S. 90), zu mhd. meisch ‘Traubenmeische’ gestellt, erweist sich eindeutig als indirekter BerufsN für den Weinbauern. Hinzufügen wollen wir den besonders im Westerzgebirge mit Konzentration im Raum Auerbach–Gornsdorf vorkommenden FamN Meischner, der zu Meische als Zwischenprodukt des Bierbrauens gehört.

Abb 2: Verbreitung des Familiennamens Meischner in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)

Bei den folgenden Ausführungen nutzen wir von Fall zu Fall unsere zur Kartierung aktueller Namenverbreitungen entwickelte Software (vgl. Felske/Hellfritzsch 2009), um auf das bedeutsame, der gründlichen onomastischen Auswertung noch immer harrende Reichssteuerregister des Fürstentums Brandenburg-Ansbach-Kulmbach von 1497 (RSR) zurückzugreifen (vgl. Hellfritzsch 2011: besonders 8–10) und historische Sachverhalte einzubeziehen. Diese Quelle deckt nicht nur weite Gebiete Mittel- und Oberfrankens ab, sondern reicht unmittelbar an Obersachsen heran, so dass es möglich ist, sprachliche Prozesse gegen Ende des 15. Jh. – in einem sensiblen sprachlichen Kontaktgebiet zumal – genauer zu beleuchten.

Abb. 3
Abb. 4

Die im DFA Band 5 den BerufsN für den Hirten beigeordneten Namen zu Geiß und Ziege (K. 40 und S. 107–110) ergänzen wir trotz relativ geringer Belegzahl durch Ziegengeist, eine aufschlussreiche, durch Unsicherheit im Gebrauch und schließlich durch sekundäres -t umgedeutete tautologische Kompromissbildung, die ursprünglich wohl im vogtl.-oberfrk. Raum, nördlich „der heutigen Geiß-Ziege-Grenze bis zu einer Linie Straßburg–Nürnberg–Eger“ (König 2005: 211), zu Hause war. Unsere Karte zeigt neben dem heutigen Vorkommen zugleich die historische Verbreitung vom 14. bis 16. Jh. nach Hellfritzsch 1992: 223 (zuerst: Plauen 1382), RSRoG, 35 (Hof) und Grünert 1958: 450.

Abb. 3: Heutige und historische Verbreitung des Namens Ziegengeist in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)

Pfister, aus lat. pistor ‘Bäcker’, erscheint auf K. 46 außer im Südwesten relativ stark gehäuft im Raum Schweinfurt. Für das ausgehende Mittelalter und die beginnende Neuzeit kennzeichnet Kunze 2005: 114 (A) ein ungefähres Gebiet noch südlich von München. Die vermutlich einstige Grenze eines deutschen pistor-Gebiets lässt er nördlich von Nürnberg bis an den Main heranreichen. Abb. 4 kann diese Annahme noch für das ausgehende 15. Jh. bestätigen.

Abb. 4: Verbreitung des Bei- bzw. Familiennamens Pfister 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Abb. 5

Fleischer, heute die offizielle Bezeichnung des Fleischerhandwerks, sei, so wird allgemein angenommen (Kluge/Mitzka 1975: 204f.; Braun 1976: 77), als Klammerform aus Fleischhauer entstanden (so zunächst auch wir selbst, vgl. Hellfritzsch 2007: 69).

Im vorliegenden Atlas, S. 155, wird auch Fleischhacker als Ausgangsform einer Verkürzung (Klammerform) zu Fleischer angesehen. Ob die Identität des Verbreitungsgebietes beider Konkurrenten und die Tatsache, dass Grünert 1958: 242 a. 1436 Kune Fleyschower und a. 1441 Chune Fleischer verzeichnet, worauf Kluge/Mitzka ebd. ausdrücklich verweisen, die Entstehung von Fleischer aus Fleischhauer zweifelsfrei bestätigen (Anm. 8), scheint fraglich. Solche Namengleichungen zeigen unseres Erachtens eher das Nebeneinander zweier gleichzeitig existierender Namenformen, als dass sie die Entstehung von Fleischer aus Fleischhauer eindeutig beweisen. Bei Fleischer, als Vleischer 1365 in Schlesien früh bezeugt (Reichert 1908: 103), appellativisch 1374 (Bahlow 1953: 104) (Anm. 9), dürfte, ausgehend von mhd. vleischer ‘Fleischer, Metzger, carnifex; lanista; Henker’ und mhd. vleischen ‘zerfleischen; schlachten’ (Lexer 1872–1878, II: 395f.) die negative Bedeutung im Sinne eines Scharfrichters von vornherein sekundär gewesen und rasch zugunsten der in den Lebensmittelbereich gehörenden Handwerker-Bedeutung verblasst sein, so dass es sich schließlich im Ostmitteldeutschen und darüber hinaus als Wort der Schriftsprache etablieren konnte.

Abb. 5: Verbreitung der Bei- bzw. Familiennamen Fleischmann, Metzler, Metzger 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Wie auf Abb. 5 zu erkennen ist, wird unser Gebiet stark von Metzler dominiert, Metzger spielt noch eine untergeordnete Rolle (vgl. dazu die beiden Karten bei Kunze 2004: 112) und fehlt im oberfrk. Raum völlig. Ansonsten gilt Fleischmann (zur heutigen Verbreitung vgl. Klausmann 2009: Karte 34). Fleischhauer ist überhaupt nicht vertreten. Auch Fleischhacker fehlt bis auf einen Einzelbeleg in Nürnberg.

Fleischer, nicht mit kartiert, bringt es in Oberfranken nur auf einen Beleg: Michel Flayscher in Wunsiedel (RSRoG: 42). Im Übrigen gilt neben dem FamN Fleischmann in Hof appellativisch aber Fleischer: Hans Kewsel, fleischer; Hans Dobenecker, flaischer (RSRoG: 33 und 36). Noch um 1500 stehen in einer Chemnitzer Kirchenmatricul (Stadtarchiv Chemnitz: IV I 50) die fleischer (4a) und die fleischhauer (10b) appellativisch synonym nebeneinander. – All diese Belege sprechen unseres Erachtens für eine frühe Parallelität von Fleischhauer und Fleischer, so dass nicht unbedingt auf eine aus Fleischhauer entstandene, im eigentlichen Sinn ohnehin nicht existierende „Klammerform“ (Bußmann 1990: 381) zu schließen, sondern eher von einem nomen agentis zu Fleisch (vgl. Kunze/Dräger 2016: 197) auszugehen ist, das, sprachökonomisch gesehen, nicht zuletzt wegen seiner relativen Kürze gegenüber den Komposita (vgl. König 2015: 197) obsiegen konnte.

Wenn Postleitzahl (PLZ) 985 Suhl die höchste Konzentration des Namens Messerschmidt (K. 94) aufweist, dazu noch Messer und synonymes Klingenschmitt (S. 255), Waffenschmidt mit Nest in Freudenberg und Verbreitung im westlichen Deutschland (S. 264) dagegen fehlt (vgl. auch Messer- und Klingenschmitt bei Steffens 2013: Abb. 76), so könnte dies darauf hinweisen, dass die weltberühmte Suhler Waffenproduktion letztendlich aus dem Basis-Handwerk der Messerschmiede hervorgegangen ist.

Der DFA kann gegebenenfalls auch Angaben von Dialektwörterbüchern konkretisieren bzw. ergänzen und dazu führen, dass die (ehemalige) Verbreitung bestimmter Lexeme genauer zu bestimmen ist. So nennt OsäWB 4: 146 für das seltene, veraltende Schuffe ‘langstieliges Schöpfgefäß’ global die Oberlausitz, das Vogtland und früher auch das Meißnische als (ehemalige) Verbreitungsgebiete. K. 110: Tröger, Schuff, Schuffenhauer, Schuppenhauer zeigt, wesentlich genauer, im Osten des Tröger-Gebietes deutliche Einschlüsse von Schuffenhauer im Raum Annaberg-Buchholz, Chemnitz und Freiberg (S. 287). Historische Belege bestätigen diesen Sachverhalt und führen ins westliche Erzgebirge nach Oberwiesenthal, Schwarzenberg, Schlettau, Scheibenberg, Grünhain, Elterlein, Geyer, Schneeberg, Wiesen: 1505–1544/45 Schufner, Schüffner, schuffner (QOFGE 37 [2004]: 9, 31; 26 [2001]: 9), 1575–1580 Schuffenhauer, -haier, -hayer, -heyer (QOFGE 24, 1 [2000]: 34; 18; 1 [1998]: 16f.; 5 [1998]: 40; 32 [2002] 57).

Abb. 6

K. 146: Schubert, Schobert, Schuberth, Schubart, Schuhwerk und die Ausführungen S. 378 veranlassen uns zur Selbstkorrektur: Wir stellen Schober(t) – bis auf mögliche Ausnahmen – nicht länger generell zu Schubert(h) (Hellfritzsch 1992: 180, 184), sondern verstehen es nunmehr mit Naumann 2009: 427 als BerufsÜN des Bauern zu Schober (mhd. schober ‘Heuhaufen’) und seiner Variante mit sekundärem -t. Dennoch ist infolge der Gemengelage beider Namen (vgl. auch Klausmann 2009: 93), im angrenzenden Oberfranken bereits Ende des 15. Jh. gut sichtbar, keine eindeutige Entscheidung möglich (vgl. S. 378). In Abb. 5 – einige wenige Schoberlein wurden zu Schober genommen – haben wir auf die Einträge des dominanten Namens Schuster verzichtet. Für Schubart, appellativisch selten auch schulbart, gilt zwischen Hof und Bayreuth heute die abgeschwächte Form Schuberth (Klausmann 2009: Karte 41).

Abb. 6: Verbreitung der Bei- bzw. Familiennamen Schubart, Schober, Schoberlein 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Mutze im Raum Dresden (S. 475) gehört wohl eher zu Mutze, Schimpfwort für eine faule Frau, denn zu mhd. mutze, mütze ‘Mütze’, dessen Mundartform hier [midsǝ] lautet. (Osä. WB 3: 270f.). – Der im Raum Chemnitz–Freiberg ein Nest bildende, etymologisch als unklar bezeichnete Name Rehwagen, S. 488, den Namen für Fuhrleute zugeordnet, dürfte eine Umgestaltung von Rehwange sein, das uns bei Recherchen irgendwann begegnet ist, für das wir derzeit aber leider keinen Beleg beibringen können. Es wird in die Reihe von Formen wie Reh-aug, -bein, -fell, -fuß, -or (Gottschald 1982: 403) gehören.

Sehr klar (K. 201) kommt die räumliche Verteilung von Krüger, Wirth und des aus dem Slawischen kommenden Namens Kretschmer zum Ausdruck. Wenn man allerdings bedenkt, dass keiner der große Gebiete Mittel- und Oberfrankens abdeckenden Bände des RSR weder Kretschmer noch eine seiner in K. 202 kartierten Varianten Kretzschmer oder Kret(z)schmar kennt (nur RSRoG: 60f. haben für Wirsberg Kreschmon(n) und Raw Kerschmo(n) sowie ebd.: 75, 168, 173, 174 einige wenige Kret(z)schman(n) im Raum Kulmbach–Bayreuth), so erhebt sich die Frage, ob die für Nordbaden, Württemberg und das westliche und südliche Bayern bezeugten Kratzmeier, Kratschmay(e)r, Kretschmeier, -maier, Kratzmeier, S. 525 von Brechenmacher 1957–1963 II: 112 übernommen, tatsächlich von Kretschmer umgedeutet wurden, auch wenn in Westfalen und Niedersachsen für das 16. Jahrhundert ähnliche Vorgänge bezeugt sind (Wechsel von -mann und -meyer, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands, http://www.namenforschung.net/id/thema/9/1 [15.08.2016]). Angesichts der Belege 1497 Kres(ch)man, Krestmon (LSRoG: 274) und Kratzmaier, Kretzman, Cretzman = Creczmair (RSRuG II: 772) sowie der Formen 1507 Cretze, 1497 Kretzer und Krezenmacher (ebd.: 772, 773) wäre in diesen Fällen wohl eher an Bildungen zu mhd. kretze ‘Tragkorb’ oder mhd. kratzen, kretzen ‘kratzen’ zu denken.

Abb. 7

Zu K. 230: Schulz, Richter, Burmeister: Dass Richter ebenso häufig und in gleicher Weise verbreitet ist wie Schulz deutet darauf hin, dass dieser Name, im Gegensatz zum Ortsvorsteher in Sachsen und darüber hinaus, im Fränkischen doch eher in den Bereich von Rechtsprechung gehört.

Wie ein Blick auf das von RSR abgedeckte Gebiet mit der historischen Ausgangsform Schultheis (Schulz[e] fehlt) und dem dazugestellten Typ Richter zeigt (Abb. 7), erstreckt sich die frnhd. Variante Schultes (Götze 1967: 196, Baufeld 1996: 212) vorwiegend in nordöstlicher Ausdehnung nach Oberfranken hin, so dass die heutige Konzentration der abgeschwächten Form im Raum Weiden–Marktredwitz (K. 231) bereits Ende des 15. Jahrhunderts vorgeprägt ist. Schultes/-is findet sich neben Schultheiß im 15. Jh. auch im Vogtland (Hellfritzsch 1992: 184f.), den Schönburgischen Landen (EZB: 16a, 83b, 85b und öfters) – die Ausgangsform erscheint hier, schon nicht mehr verstanden, umgedeutet als Schuldhase (57a, 61a) – und darüber (Hellfritzsch 2007: 241f.). Das Zwickauer Land hat fast ausschließlich Schultes (Hellfritzsch 2010). Gelegentlich wird Schultes – abseits der nd. Form – weiter verkürzt zu Schulte (Grünert 1958: 293; Naumann 2003: 93). Die heute dominierende Variante Schulz(e) (K. 230, S. 600) entfaltet sich in Sachsen nach früheren dominanten Belegen für Leipzig (Solluntsch 1991, 158: 1427ff.) allmählich in der 2. Hälfte des 15. Jh. (Hellfritzsch 2007: ebd.), kommt, insgesamt gesehen, allerdings erst im 16. Jh. (Neumann 1970, 93 u. 1981: 161; Grünert ebd.; Naumann ebd.) stärker zur Geltung. Die fünf ältesten Stadtbücher Dresdens liefern im Gegensatz zu reichlich bezeugtem Richter (StBD 1 und 2) kein diesbezüglich verwertbares Material. 

Abb. 7: Verteilung der Bei- bzw. Familiennamen Schultheis, Schult(t)es, Richter 1497 (Entwurf V. Hellfritzsch)

Abb. 8

(2) Familiennamen aus Übernamen

Die Namen Mock, Möck, Möckel, Mockenhaupt (K. 273) wollen wir um Mocker mit über 300 Telefonanschlüssen ergänzen, dessen dichtestes Vorkommen sich in direkter Nähe zu Möckel im Raum Plauen findet, darüber hinaus im Gebiet um Selb – Rehau (1497 Hans Mocker RSRoG: 103) – Schönwald, fernab auch um Geislingen. Hier dürfte frnhd. mocken ‘heimlich herumstreichen’ (Götze 1967: 161); bair. mocken, mockeln ‘nur leise verstohlene Bewegungen machen oder Laute von sich geben, aus Furcht, Trägheit, Hinterlist, besonders aber aus Ärger oder Verdrüßlichkeit’ (Schmeller 1/2: 1566), etwa für eine Benennung nach der Wesensart oder dem Sprachverhalten, zugrunde liegen.

K. 291, die der Verbreitung von sieben räumlich im Wesentlichen auf das (westliche) Mittel- und das Oberdeutsche konzentrierten, häufigeren Komposita mit -haar als Grundwort gilt (Weiß-, Kraus-, Rothaar, Pfleghar usw.), fügen wir den S. 743 als „verstreut“ aufgeführten Gehlha(a)r und Varianten eine Abb. hinzu, die zeigt, dass bestimmte dieser Formen vorwiegend auf nd. Gebiet begegnen.

Abb. 8: Verbreitung des Familiennamens Gelhaar, Gelhar in Deutschland (Entwurf V. Hellfritzsch)

Band 5 des Deutschen Familiennamenatlas bestätigt auf’s Neue die geradezu revolutionäre Wende, die mit der kreativen Auswertung digitaler onomastischer Korpora in die Wege geleitet wurde. Nicht nur dass für die germanistische Linguistik von ihm starke Impulse ausgehen – man denke allein an die regionalen deutschen Familiennamen-Atlanten, die bisher erschienen sind –, auch international, in zahlreichen europäischen Ländern, hat die Onomastik ähnliche Projekte auf den Weg gebracht und ist damit ein wesentliches Stück vorangekommen. Zudem bildet der DFA die denkbar beste Grundlage für das in seiner Nachfolge entstandene Forschungsprojekt „Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)“ (http://www.namenforschung.net/dfd/projektvorstellung/). Band 6, der die an Varianten und Kurzformen besonders reiche Klasse der FamN aus RufN behandelt (vgl. Kunze/Dräger 2016, 201ff.), und der abschließende Registerband werden ein beeindruckendes Werk vollenden, dessen Bedeutung man gar nicht hoch genug anschlagen kann.

Anmerkungen

(1) Vgl. unsere Rezensionen in dieser Zeitschrift: zu Band 1 (zusammen mit Karlheinz Hengst) NI 97 (2010), S. 19–39, zu Band 2: 98 (2010), S. 181–191, zu Band 3: 101/102 (2012/2013), S. 451–469, zu Band 4: 103/104 (2014), S. 504–521.

(2) Für -name wird verschiedentlich nur N geschrieben. Wir verwenden die Abkürzungen des DFA.

(3) Der Index für die Bände 1–4 liegt vor unter http://www.namenforschung.net/fileadmin/user_upload/dfa/Inhaltsverzeichnisse_etc/Index_Gesamt.pdf (01.08.2016)

(4) Man vgl. z. B. die Mitte des vorigen Jahrhunderts entstandene, für die weitere Forschung bedeutsam gewesene Übersicht zur Bedeutung der deutschen Personennamen bei Bach 1952/53: §§ 188–273, hier besonders § 255 „1. Körperliche Eigenschaften, Körperteile“. Neuere, betont theoretisch orientierte, aktuelle linguistische Perspektiven bietende Gesamtdarstellungen wie Nübling et al. 2015 oder Debus 2012 setzen andere Schwerpunkte.

(5) Auf mögliche Siedlungs- oder Flur- bzw. Herkunfts- oder WohnstättenN als Grundlage der jeweiligen Berufs- oder ÜberN wird, wohl eine gewisse etymologische Wertigkeit andeutend, zumeist erst gegen Ende der Namenerklärungen eingegangen, vgl. z. B. K. 20: Gerstner, Gerster, Gerstl, Gerst, Gerstmeier, Gerstmann. Erst nach diesen Namen werden (S. 53f.) auch Gerstenberg(er), Gerstendorf(f), Gerstacker, Gerstäcker u. a. behandelt.

(6) Vgl. die Orte dieses Namens unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hohn_(Begriffskl%C3%A4rung). Zu den anders lautenden Belegen von Höhn vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hohn_(Begriffskl%C3%A4rung).

(7) Für entsprechende Hinweise sei Prof. Jürgen Udolph herzlich gedankt.

(8) Vgl. auch Duden FamN: 248. Grünert kennzeichnet entgegen den für ihn eindeutigen Fällen bei diesen Belegen keine Personengleichheit. Namengleichungen beider Varianten liegen allerdings nahe in verschiedenen Zwickauer und Chemnitzer Belegen (Hellfritzsch 1992: 69). Eher schon könnten Formen wie Flaswer 1438 (Hellfritzsch 1992: 78) und Fleyschwer Ende des 14. Jh. (Walther 1993: 448) in die genannte Richtung weisen.

(9) In den Dresdener Stadtbüchern erscheinen 1410 Fleishouwer, 1459 Vleischhauwer, 1474 noch appellativisch: zcum fleischhawern recht. Etwa gleichzeitig gilt Fleischer (1416), das sich allmählich durchsetzt (StBD I: 71, 150; III: 157, 505). Ab Ende des 15. Jh. gilt nur noch Fleischer: Peter und Bartusch Fleischer (StB IV: 108). Die Entwicklung in Freiberg verläuft ähnlich. Zur Entwicklung im Südwesten Sachsens vgl. Hellfritzsch 1992: 78; 2007: 69; 2010: 162.

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Empfohlene Zitierweise

Volkmar Hellfritsch: [Rezension zu] Fabian Fahlbusch, Simone Petschke, DFA 5, in: Onomastikblog [01.09.2016], URL: www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-dfa5/

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