Die Regio Basiliensis von der Antike zum Mittelalter – Land am Rheinknie im Spiegel der Namen. La région de Bâle et les rives du Rhin de l’Antiquité au Moyen Âge: aspects toponymiques et historiques, hg. von Albrecht Greule, Rolf Max Kully, Wulf Müller und Thomas Zotz, unter Mitarb. von Nina Baderschneider (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Bd. 195), Stuttgart: Kohlhammer 2013, 184 S. – ISBN 978-3-17-023379-9, Preis: EUR 24.00 (DE), EUR 24.70 (AT).

Rezensiert von Viktor Weibel, Schwyz

Vorliegt ein Band mit einer Reihe von Aufsätzen zur so genannten Regio Basiliensis, einer zwar «modernen Vereinsbezeichnung», wie die Herausgeber in ihrer Einleitung schreiben. Diese übertragen sie «auf einen Raum und seine Toponymie». Es ist das «Land am Rheinknie». Erstmals werden in dieser Publikation landes- und sprachgrenzenüberschreitende namenkundliche Studien in Bezug auf diesen Raum angeboten. Das allein ist schon verdienstvoll. Die Beiträge sind je nach Autoren auf Deutsch oder Französisch verfasst. Die Autorinnen und Autoren sind der Reihe nach: Rolf Max Kully, Albrecht Greule, Markus Gasser, Andres Kristol, Claudia Jeker Froidevaux, Jean-Pierre Chambon, Martina Winner, Wolfgang Kleiber, Wolfgang Haubrichs und Hubert Fehr.

Zu Beginn umreißt Rolf Max Kully unter dem Titel «Die Regio Basiliensis als Untersuchungsgebiet» den Raum in geografischer und geschichtlicher Hinsicht. Dabei wird klar, dass es sich mit «Regio Basiliensis» eindeutig um eine Krücke, einen Hilfsbegriff zur ungefähren Einkreisung des toponymischen Raumes handelt. Er ist brauchbar, soll aber nicht überstrapaziert werden. Wie bei Kully üblich werden die verschiedenen Aspekte kenntnisreich dargelegt und mit treffenden Zitaten untermauert. Im letzten Abschnitt liest man als Vorgeschmack auf das, was in den weiteren Beiträgen zu finden ist: «Es überlagern und durchmischen sich in diesem Gebiet prähistorische Gewässernamen, keltische, lateinische, galloromanische und deutsche Ortsnamen, alemannische, respektive romanisch-dialektale Flurnamen, und alles wird in jüngerer Zeit auch vom Hochdeutschen und vom Französischen überlagert.»

Als Nächster schreibt Albrecht Greule zum Thema «Die ältesten Gewässernamen der Regio Basiliensis». Mit diesem Autor hat der berufene Mann in die Tasten gegriffen, hat er doch sein Gesellenstück in Bezug auf die Gewässernamen des Raumes Oberrhein als Dissertation 1973 veröffentlicht (Anm. 1). Er gilt unter uns Namenforschern sozusagen als Vater der modernen Gewässernamenforschung. Einleitend streicht Greule die Relevanz der Gewässernamen-forschung heraus, weil sehr viele Gewässernamen wichtige Zeugen «für die Sprache von Siedlern frühester Zeit» sind. In kurzen Abschnitten äußert sich Greule zur Relevanz der Gewässernamenforschung, zur Methodik, zur Namenarchäologie und zur Schichtung der Gewässernamen, um dann die ältesten Namenschichten von den indogermanisch-voreinzelsprachlichen (alteuropäischen) Namen, z. B. Rhein,  Aare oder Wiese, über die keltischen Namen, z. B. Alb, Birsig, Lüssel usw., einen lateinischen (romanischen) Namen, Fielenbach, bis hin zu den germanisch-althochdeutschen Namen, z.B. Doller, Dünnern, Frenke usw. kurz und prägnant deutend aufzulisten. Die Raus, frz. la Raus, rechts zur Birs wird fragend als möglicher alemannischer Name bestimmt. Es folgen noch mit der Larg und der Neumagen zwei so genannten Übertragungen von Stellennamen auf Gewässer. Als wichtige Erkenntnis hält Greule abschließend die überraschend große Zahl keltischer Namen fest.

In einem Buch, das erstmals die Toponymie des Großraums der Regio Basiliensis thematisiert, darf natürlich eine Deutung des Namens Basel nicht fehlen. Diese präsentiert wiederum Rolf Max Kully. Er erklärt, weshalb Basel nicht direkt auf das lat. Basilia zurückgehen kann, wie das Andres Kristol im Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen angibt (Anm. 2). Kully stört eine direkte Übernahme, weil man durch den durch i der Folgesilbe regelrecht zu provozierenden Umlaut eigentlich einen dt. Namen Besel erwarten würde. Kully nimmt als sicher an, dass die lateinischsprachige Bevölkerung in Basel in spätantiker Zeit nicht «Knall auf Fall» ausgelöscht wurde, sondern durchaus, sich allerdings verändernd, in einer bestimmten, wohl auch noch einflussreichen Bevölkerungsschicht weiterlebte. Dass dem so war, belegt er mit einer Reihe von historischen Belegen; die für seine These besonders wichtigen liegen zwischen 700 und 870. Daraus geht hervor, dass vulgärlat. Basilía / Basília zu spätlat. Básila und schliesslich über die generelle Senkung von kurzen /i/ > /e/ zu frühromanisch Básela und letzlich über Endungsabfall zu ahd. Basel werden konnte. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass sich der Name über eine romanische Zwischenform *Basl mit westgerm. Sprossvokal /a/ zu ahd. Basal, mit späterer Abschwächung der zweiten Silbe Basel, entwickelt hätte. Kully schließt mit der Bemerkung, «dass in Basel noch im Frühmittelalter ein romanischer Dialekt gesprochen wurde und dass das Deutsche erst in karolingischer Zeit die zahlenmäßige Überhand gewann.» Weitere Untersuchungen im fraglichen Raum zu dieser Sprachenfrage wären nötig.

Markus Gasser befasst sich in seinem «Versuch der Konjunktion archäologischer und sprachlicher Relikte mit Bezug zur Spätantike im Raum Basel – zwei Beispiele» mit der Abklärung der Frage, ob archäologische Befunde und toponymisches Material in einen relevanten Zusammenhang gebracht werden könnten. Er kommt nach verschiedenen Darlegungen und Abwägungen zum Schluss, dass «[D]as ‘römische Basel’ im Namenbestand des Kantons praktisch inexistent» ist. Einzig die Nachwirkung des einstigen Grabens vor dem Keltenwall auf dem Münsterhügel mit den mittelalterlichen Bezeichnungen An den Schwellen, im Loch, aridus puteus, wüster Graben und Agtot, Agde, Magtun lässt gemäß Gasser «den Atem der Antike durch diese urkundlichen Bezeichnungen wehen».

In seinem Beitrag «La ‹Romania bâloise›: la toponymie soleuroise permet-elle d’en savoir davantage?» setzt sich der Romanist Andres Kristol mit den romanischen Namen in Band 2 des Solothurner Namenbuchs mit den Bezirken Dorneck und Thierstein (Anm. 3) auseinander. Er stellt nach eingehender Analyse einer Anzahl von Namen fest, dass erst vertieftere und auf ein breiteres Namenmaterial abgestützte Analysen ein klareres Bild über die alte Romania des Juras südlich von Basel bis Solothurn ergeben könnten. Wichtig sei deshalb, was das in der Publikation begriffene Namenbuch das Kantons Baselland an für diese Frage relevantem Material zur Verfügung stellen wird. Grundsätzlich hält Kristol die große Bedeutung des Protofrankoprovenzalischen bzw. des Frankoprovenzalischen überhaupt für diesen alemannisierten alten galloromanischen Raum fest. Womit der südliche Einfluss angesprochen ist. Zugleich aber ist ein Einfluss der langue d’oïl vom Westen her, nämlich vom Raum der Freigrafschaft Burgund aus, indizienmäßig zumindest zu postulieren. Kristol schließt wie folgt: «il semble évident que seule une bonne collaboration entre germanistes et romanistes permettra à l’avenir de parvenir à une explication satisfaisante des toponymes d’origine romane en Suisse alémannique occidentale.» Dem ist nichts beizufügen.

In einem weiteren Aufsatz «Die Ortsnamenschreibungen einer Beinwiler Papsturkunde von 1194» analysiert Rolf Max Kully das Namenmaterial einer für die Region wichtigen Urkunde, die am 14. März 1194 im Lateran von einem Aegidius, Kardinal an der Kirche Sancti Nicolai in Carcere Tulliano, geschrieben wurde. Kully geht auf die Schreibung der Vokale und der Konsonanten ein und stellt morphologische Beobachtungen an. In Bezug auf die Zuordnung eines Teils der Namen brauchte es mindestens zwei Anläufe. Die Auswertung der Namen am Schluss des Beitrags bringt zutage, dass neun, eventuell zehn Namen galloromanische Relikte sind. Das ist wiederum als Indiz für die alte Zweisprachigkeit des fraglichen Raumes zu nehmen. Der überwiegende Teil der Namen aber ist alemannisch. Problematisch sind Papsturkunden in Bezug auf die Schreibweise von deutschen Namen allemal, sofern der Schreiber der deutschen Sprache nicht mächtig war. Deshalb ist eine minutiöse Analyse der Namen solcher Urkunden unabdingbar, damit gewisse Fehlschlüsse ausgeschlossen werden können; und diese Analyse hat Kully in bekannter präziser Manier vorgenommen.

Im Beitrag «Roggendorf, ein Dorf an der Sprachscheide» zeigen die drei Autoren Claudia Keker Froidevaux, Rolf Max Kully und Wulf Müller, wie offen die beiden Sprachgruppen aus der Romania und der Alemannia miteinander umgegangen sein und kommuniziert haben müssen. Es ist eine über eine längere Zeit dauernde Zweisprachigkeit in diesem Raum anzusetzen.

Es folgen zwei Beiträge des Romanisten Wulf Müller. Im ersten, «L’utilité du nom de Grandval (Jura bernois) pour les historiens», geht Müller zuerst auf die häufigen Benennungen mit val ‘Tal, Senke’ ein. In der Regel kann man bei den entsprechenden Namen die Geländeeinsenkung sehen, der genannte Ort liegt darin oder auf einer Terrasse daneben. Dann geht der Autor auf die Örtlichkeit Grandval ein, die seit dem Frühmittelalter, wohl ab dem 5.–6. Jahrhundert besiedelt gewesen sein muss. Gegen 640 wurde hier eine Abtei gegründet, deren Name immer mit Grandval verbunden wurde. Das ist für Müller ein Indiz, dass die Abtei im Ort Grandval selber gebaut worden war. Gebaut worden, ja, aber später nach Moutier transferiert und dorthin wurde der Name Grandval mitgenommen. Deshalb ist es zum späteren Doppelnamen Moutier-Grandval gekommen. Minutiös und quellenkritisch zeigt das Müller auf. In Moutier kann der Namenforscher keine Motivation für ‘Tal, Senke’ erkennen. Grandval ist nur denkbar über die Verlegung der Abtei von Grandval nach Moutier. Moutier < lat. monasterium heißt so, weil es die Zweigstelle oder die verlegte Abtei bzw. jenes Kloster aus dem ‘großen Tal’ erhalten hat. In «Une nouvelle étymologie de Bassecourt (canton du Jura/Suisse)» legt Müller mit seiner fundierten Quellenkenntnis und -interpretation sowie mit seinem detaillierten Wissen um die frankoprovenzalische Sprachgeschichte dar, dass Bassecourt eine hybride Bildung mit dem roman. court < lat. curtis als Grundwort und einem dt. Personennamen als Bestimmungswort ist. Da ältesten Belege zeigen 1158/60 de Baressicort, 1179 de Barascicurte, 1179 de Barsecurt, gegen 1181 de Baressecort. Als Personennamen nimmt Müller ahd. baro ‘freier Mann, Krieger’ an. Möglicherweise war Bassecourt der Hauptort des fränkischen Sornegaus. Dass der dt. Zweitname für Bassecourt Altdorf ‘das alte, schon lang bestehende Dorf’ lautet, ist für Müller mit Recht ein Indiz für die große Bedeutung, welche der Ort gehabt haben muss. So mutmaßt Müller, dass mit ahd. baro möglicherweise der militärische Chef dieses Raumes gemeint war. Das muss nicht sein, denn als Personenname ist Paro auch aus dem Kloster St. Gallen belegt (Anm. 4). Ob die Deutung mit ‘freier Mann, Krieger’ zutrifft, ist unsicher. In Kluge wird unter dem Lemma Baron eine eigentliche germanische Herkunft des Wortes in Frage gestellt (Anm. 5). Aber dass der Name Paro im Kloster St. Gallen auftaucht, lässt zumindest germanische Herkunft nicht ausschließen.

Jean-Pierre Chambon und Wulf Müller beschäftigen sich in «Lebetain (Territoire de Belfort): un nouveau déhydronyme en -ĀNE» mit dem Ortsnamen Lebetain mit dem dt. Exonym Liebethal an der Grenze zum schweizerischen Elsgau/Ajoie. Die Bildung auf -ain deutet auf ein ursprüngliches Hydronym, welches in Bezug auf die Deutung äußerst sperrig ist. Es wird eine lange Reihe von historischen Belegen ab gegen 1150 bis ins 19. Jahrhundert angeführt. Daraus geht die Bildung auf -ain klar hervor. Eine Deutung als La Batte kommt für die Autoren nicht infrage. Sie setzen auf eine Wurzel *līb-, die für ‘gießen; rinnen; feucht’ stehe. Letztlich aber bleibt diese Deutung hypothetisch. Dass ein Hydronym zum Siedlungsnamen wird, ist allerdings eine häufig festzustellende Tatsache. Zum dt. Exonym Liebethal verweise ich auf den Fall Langenthal im Kanton Bern, der auf dem Flussnamen Langeten beruht. Zufällig erscheinen beim Berner Namen die Varianten auf -tal auch ab dem 14. Jahrhundert wie im Fall Lebetain/Liebethal (Anm. 6).

In einem zweiten Beitrag «Le nom de lieu déhydronymique Lutran (Haut-Rhin): un indice du francoprovençal submergé dans le Sundgau alsacien» zeigen die beiden Autoren Chambon und Müller, dass in einer frühen Zeit der Einfluss des Frankoprovenzalischen viel weiter nach Norden in Bereiche der heutige langue d’oïl reichte. Anhand des Vergleichs des Gewässernamens Luttre, der auf alem. lūter ‘klar, rein, lauter’ zurückgeht mit dem darauf beruhenden Ortsnamen Lutran, der eine hybride Bildung dt. Wort plus frankoprovenzalische Endung -an ist, können die Autoren das belegen. Ein kleines Kabinettstück filigraner Morphologiegeschichte liegt hier vor. Es ist zu hoffen, dass weiteres zu erforschendes Namengut zur Vertiefung dieser Erkenntnis beitragen kann.

Martina Winner stellt in ihren Beitrag «Überlegungen zu den ältesten Ortsnamen im badischen Teil der Regio Basiliensis» ihr Dissertationsprojekt «Siedlungsnamenschichten im badischen Rheinknie» kurz vor. Sie beschäftigt sich nur mit den Ortsnamen, die in den historischen Quellen vor 1200 genannt werden. Das kann man machen, lässt sich aber siedlungsgeschichtlich nicht absolut rechtfertigen, weil auch später genannte Namen durchaus von großer Wichtigkeit für die Namenschichtung der Region sein können. Erstnennungen sind durchaus auch von Zufälligkeiten geprägt. Später genannte Siedlungsnamen müssen nicht per se junge Bildungen sein. Bedeutsam ist dieser Beitrag, weil er zeigt, dass man die Namenforschung auch im Gebiet Südbaden nicht vernachlässigt. Es wird damit an die verdienstvolle Arbeit von Lutz Reichardt angeschlossen und Martina Winner versteht ihre Arbeit als einen Beitrag zu einem noch nicht existierenden Historischen Ortsnamenbuch von Baden-Württemberg (Anm. 7).

«Zur nichtdeutschen Toponymie im Dreiländereck bei Basel» schreibt Wolfgang Kleiber. Er führt aus, dass in diesem Raum vor allem Gewässernamen sehr alt und nur vordt. zu erklären sind. Neben der Hydronomie gibt es aber auch Orts- und Flurnamen, die auf vordt. Sprachstufen zurückgehen. Kleibers Beitrag bringt im Hauptteil ein Lexikon der nichtdeutschen Toponymie. Darin kommen Namen wie Bälmerstein zum bekannten Geländeformwort Balma, Dossen < galloroman. dossum/dorsum, *dorsa ‘Rücken’, Gufer, Gupf, Gurgel, Käsern, Krinne, Schindel, Spicher u. Ä. vor. Diese im alemannischen Raum bis in den alpinen Raum sehr verbreiteten Namen müssen besser als Lehnwortnamen bezeichnet werden. Sie sind einfach Indizien für die Übernahme von Wortgut im Kontakt mit der galloromanischen Bevölkerung und gehören ins selbe Kapitel wie die Appellative Mauer, Wein, pfropfen, impfen u. Ä. Man muss deshalb wohl differenzieren, wenn man von nichtdeutscher Toponomie in einem bestimmten Raum spricht. Dabei gilt es, zwischen eigentlichen Reliktnamen und verbreiteten Lehnwortnamen zu unterscheiden. Nur so kommt man zu einem differenzierenden Bild. Dennoch, es ist natürlich sehr verdienstvoll, wenn man die Namen entsprechend analysiert und kartiert.

Wolfgang Haubrichs zeigt in seinem Beitrag «Vorgermanische Toponymie am Oberrhein und im Basler Raum», dass vor allem die Baselromania als wichtige Kontinuitätszone von der Forschung bisher «noch nicht umfassend genug» gewürdigt worden ist. Er belegt das mit der Auflistung der infrage kommenden Namen, immer mit Verweisen auf die Fachliteratur. Seine auf knappen vier Seiten ausgeführten Darlegungen mögen als Anregung für Forschende dienen, sich in dieses Thema zu vertiefen.

Nochmals kommt Rolf Max Kully zum Zug. Sein Beitrag «Gleich – ähnlich – anders. Namenkundliche Denkanstöße aus Lutz Reichardts Werk». Das ist primär einmal eine Hommage an den verdienstvollen Namenforscher Reichardt, dessen wissenschaftliches Werk für Württemberg Maßstäbe gesetzt hat. Kully geht es aber auch darum zu zeigen, dass gleichlautende Namen in Württemberg und der Schweiz zum Teil wirklich gleich zu deuten sind (Derendingen D um 1190 apud Tarodingin; Derendingen CH 1291 in Theredingen), zum andern aber sich auseinander entwickelt haben, so dass nur noch der Forscher die ursprüngliche Gleichheit erkennt (Heinigen D 1134 in pago Hvningen; Huningue F [Kleinhüningen CH] 828 Huninga villa), oder aber dass es heute gleichlautende Namen gibt, die ursprünglich ganz verschieden sind, im Lauf der Zeit aber gleich geworden sind (Berken D 1245 Bercka; Berken CH 1358 Berikofen). Damit wird gezeigt, dass man Deutungen vordergründig gleicher Namen nicht ungeprüft übernehmen darf.

Schließlich kommt auch der Archäologe zum Zug. Hubert Fehr bringt in seinen «Bemerkungen zur These einer frühmittelalterlichen Baselromania aus archäologischer Sicht» einen Überblick über die Grabungsbefunde des fraglichen Raumes. Fehr schreibt gleich zu Beginn, dass die archäologischen Befunde von der Sprachwissenschaft durchaus wahrgenommen werden. Er vermutet, dass «der archäologische Befund einer autochthonen Siedlungskontinuität in Basel und Kaiseraugst die sprachwissenschaftliche Suche nach einer Baselromania sogar maßgeblich mit angestoßen» hat. Der Gräberbefund zum Beispiel zeigt, dass ein römischer Bevölkerungsteile bis weit in das Frühmittelalter hinein bestanden haben muss. Daneben aber sieht man, dass ab dem 5. Jahrhundert neu einsetzende Gräberfelder des Reihengräbertypus germanische Zuwanderung belegt. Was all die archäologischen Befunde aber nicht leisten, ist eine Aussage über die realen Sprachverhältnisse der jeweiligen Epoche. Dazu kann nun aber – wie verschiedene Beiträge dieses Sammelbandes zeigen – die Namenforschung plausible Aussagen machen oder gut nachvollziehbare Thesen formulieren.

Abschließend äußert sich Albrecht Greule in einem Rückblick und Ausblick zur Frage «Gab es eine Baselromania?» über die Gründe, die zum Entstehen des besprochenen Bandes geführt haben. Ob es eine Baselromania gegeben hat, kann vorerst aber nur differenziert und mit Vorbehalt beantwortet werden. Man kann darunter «einen sprachlichen Interferenzraum mit Basel bzw. Augusta Rauracum/Kaiseraugst als Zentrum und mit aus moderner Sicht gezogenen Außengrenzen verstehen.» In diesem Raum wurden Orts- und Flussnamen aus der Antike ins Frühmittelalter tradiert. Weiter hat sich innerhalb der Zweisprachigkeit in diesem Raum allmählich eine Differenzierung ergeben, bis es schließlich zur heutigen deutsch-französischen Sprachgrenze gekommen ist. Es kam zu einer «Romania submersa» einerseits und zu einer «Germania submersa» andererseits. Weitere onomastische Forschung aber ist unabdingbar, wenn man zu klareren Aussagen kommen will. Damit sind u.a. die beiden Forschungsprojekte Basel-Stadt und Basel-Land, aber auch die Bestrebungen im Raum Württemberg gemeint.

Zum Schluss sei noch ein Wunsch an die Herausgeber solcher Aufsatzsammlungen formuliert: Hilfreich wäre allemal ein ausführliches Register mit den vorkommenden Namen und eventuell zusätzlich noch ein Sachregister. So etwas fehlt leider in diesem Buch, ein kleiner Schönheitsfehler dieses informativen und anregenden Bandes.

Anmerkungen

(1) Greule, Albrecht (1973): Vor- und frühgermanische Flussnamen am Oberrhein. Ein Beitrag zur Gewässernamengebung des Elsass der Nordschweiz und Südbadens (= Beiträge zur Namenforschung NF., Beiheft 10), Heidelberg 1973.

(2) Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld 2005, 125.

(3) Solothurnisches Namenbuch, Band 2: Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein, hg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider, Basel 2010.

(4) Borgolte, Michael / Geuenich, Dieter / Schmid, Karl (1986): Subsidia Sangallensia I. Materialien und Untersuchungen zu den Verbrüderungsbüchern und zu den älteren Urkunden des Stiftsarchivs St. Gallen, St. Gallen, 539. Vgl. auch Förstemann, Ernst (1996[1901]): Altdeutsches Namenbuch, Erster Band. Personennamen, repographischer Nachdruck der Ausgabe Bonn 1901, München-Allach und Hildesheim, 246.

(5) Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. Berlin 2002, 92 f.

(6) Vgl. Ortsnamenbuch des Kantons Bern I. Dokumentation und Deutung. Dritter Teil: L–M, Basel und Tübingen 2008, 38 ff. und 41 f.

(7) Dasselbe Ziel hat übrigens auch Stefan Hackl in seiner Dissertation «Ortsnamenbuch des Enzkreises und des Stadtkreises Pforzheim. Überlieferung, Herkunft und Bedeutung der bis 1400 erstbelegten Siedlungsnamen», Stuttgart 2013, formuliert.

Empfohlene Zitierweise

Viktor Weibel: [Rezension zu] Die Regio Basiliensis von der Antike zum Mittelalter. La région de Bâle et les rives du Rhin de l’Antiquité au Moyen Âge, hg. von Albrecht Greule u.a., Stuttgart 2013, in: Onomastikblog [15.04.2014], URL: http://www.onomastikblog.de/artikel/ni-rezensionen/rez-die-regio-basiliensis-von-der-antike-zum-mittelalter/

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