Thomas E. Balke, Das altsumerische Onomastikon. Namengebung und Prosopografie nach den Quellen aus Lagas (dubsar 1). Münster: Zaphon 2017, 509 S. – ISBN 978-3-96327-000-0, Preis: EUR 118,– (DE).

Das hier anzuzeigende Werk des Altorientalisten und Sprachwissenschaftlers PD Dr. Thomas E. Balke stellt die leicht überarbeitete Fassung seiner 2016 an der Universität Heidelberg eingereichten Habilitationsschrift dar. Es bietet erstmals eine umfassende analytische Darstellung des altsumerischen Namenbestands von ca. 1700 Namen, wie er sich nach den keilschriftlichen Quellen des 3. Jtsd. v. Chr. der südmesopotamischen Stadt Lagas (Tell al-Hiba), gelegen in der Provinz Dhi-Qar des heutigen Irak, darstellt. Zwar stellt das Werk diejenigen Anthroponyme, die mehrheitlich gesichert der sumerischen Sprache, einer linguistisch isolierten Ergativsprache Altvorderasiens, zugeordnet werden können in den Mittelpunkt der Untersuchung, es bezieht aber auch in den Lagas-Texten belegte akkadische, d. h. semitische sowie elamische und hurritische Personennamen mit ein.

Die Monografie gliedert sich dabei in sechs Teile: Teil 1, die Einleitung, bietet neben einem Überblick über den gegenwärtigen Forschungstand in der Altorientalistik eine allgemein sprachwissenschaftliche Einführung zur Kategorie des Eigennamens (nomen proprium) aus kulturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive; der umfangreiche Teil 2 bietet einen Überblick zu den primären Bildungstypen sumerischer Anthroponyme und widmet sich insbesondere den Kategorien: Kurznamen, Hypochoristika, Namen mit iterativer Silbenstruktur (Lallnamen), Namen nicht-sumerischen Ursprungs und Frauen- bzw. Männernamen. In Teil 3 behandelt der Autor die spezifische Problematik der Identifikation von Personen in den Keilschrifttexten und die dafür signifikanten appositionellen Indikatoren wie z. B. Verwandschaftsbezug (PN1, Kind/Ehefrau/Bruder von PN2), Dienstverhältnis (PN1 BERUF PN2) oder Kopularsatz (PN1 BERUF [ist/gewesen ist]). Teil 4 widmet sich einem Forschungsausblick und fasst die wesentlichen Erkenntnisse des Forschungsprojekts zusammen, zum Beispiel, was die Kontinuität bzw. Diskontinuität im Gebrauch bestimmter Namenmuster oder die Konnotation des Namens bei unterschiedlichem Prothem (s. lugal ‘König’, nin ‘Schwester, Herrin’, ses ‘Bruder’ oder ur ‘Hund (i.e. Diener)’) betrifft, während Teil 5 die Gestaltungsprinzipien des umfangreichen Namenkatalogs vorstellt und erläutert. Teil 6 enthält dann den Katalog der erfassten sumerischen Anthroponyme mit detaillierten philologischen Kommentaren sowie prosopografischen Angaben, die etwa über einzelne berufliche Karrieren der Individuen Auskunft geben. Das Werk schließt ab mit einer Übersicht zum derzeitigen Textbestand altsumerischer Verwaltungstexte, umfänglicher Konkordanzen, Abkürzungsverzeichnisse, einer Bibliografie und einem Index der häufigen sumerischen Namenelemente.

Auch wenn diese Publikation primär innerhalb der Altorientalistik verankert ist, ist der Autor von seinem analytischen Ansatz her bestrebt, die gewonnenen Erkenntnisse in den Kontext der modernen (linguistischen) onomastischen Forschung zu stellen und mit modernen wie antiken Namentypologien zu vergleichen.

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Priv.-Doz.Dr. Thomas E. Balke
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