Ergebnisse der Vornamenstudie bei www.onomastik.com

Vornamen wecken Assoziationen – unabhängig davon, ob das Wesen des jeweiligen Namenträgers diesen tatsächlich entspricht. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu. Mit den nun von Thomas Liebecke veröffentlichten Ergebnissen einer Befragung zur Wahrnehmung von Vornamen kann jedoch grafisch dargestellt werden, wie die ausgewerteten 2.300 Vornamen konnotiert sind. Die Ergebnisse zu vorgegebenen Assoziationspaaren liegen als Ranglisten vor.

So wird offenbar, dass der intelligenteste Mensch hinter dem Namen Cornelius vermutet wird, der liebste hinter Rosemaria, der attraktivste hinter Alessandro oder der größte hinter Vladimir. Ebenso werden Bedeutungsnuancen von weniger auffallend konnotierten Rufnamen sichtbar. Maximilian lässt eine Person vermuten, die deutlich intelligenter und wohlhabender ist, als ein Träger der Kurzform Max. Der Name Johanna wirkt zuverlässiger als Hanna, dafür gilt diese als attraktiver.
Die Wirkungsprofile, sogenannte Onogramme, zeigen auch, wie bekannte Persönlichkeiten die Wahrnehmung von Vornamen beeinflussen. So verbanden die Teilnehmer mit den Namen Charles und William die beiden reichsten Personen, mit Cristiano die sportlichste und mit Adolf die sowohl ernsteste als auch hässlichste Person im Ranking.

Tendenzen und Muster

Anhand der Bewertungen sind Namenmoden nachvollziehbar. Es ist wenig verwunderlich, dass sich in den Listen der als „jung“ markierten Mia, Leonie, Fynn oder Luca wiederfinden, also jene, die momentan zu den populärsten Namen für Neugeborene zählen.
Am entgegengesetzten Ende der Skala dominieren Namen mit -traud bzw. -trud – also Namen, deren Hoch-Zeit übereinstimmend als in der Vergangenheit liegend empfunden wird. Übrigens, diesen weiblichen Namen sieht man ihr Alter offenbar deutlicher an, als den „ältesten“ männlichen Namen: Mit Gotthard und Karlheinz besetzen sie erst Platz 15 und 16.
Weiterhin werden mit Hilfe der Ranglisten Muster offensichtlich. So springen in mehreren Gesichtspunkten offensichtliche Korrelationen zwischen der Beschaffenheit der Vornamen und assoziierten Charakteristika der Namenträger ins Auge:

  • Besonders sportlich konnotierte Namen sind auffallend kurz, oft einsilbig.
  • Kurze Namen, die auf i oder y auslauten, werden häufig als „jung“ und „frech“ empfunden.
  • Mit „intelligent“ wurden oft Namen assoziiert, die griechische oder lateinische Wurzeln haben bzw. latinisiert und latinisiert wirkende Formen oder gräzisierte Formen sind.
  • Vokalreiche Namen mit offenen Silben gelten als wohlklingend. Bei weiblichen Namen trat oft ein tragendes i auf, bei männlichen Namen sorgen eher die dunklen Vokale o und a für Wohlklang. Eine Korrelation zwischen Wohlklang des Namen und vermeintlicher Attraktivität des Namenträgers fällt auf.

→ Top-10-Rankings aus der Vornamenstudie von Thomas Liebecke.

Über die Studie und Ausblicke

Die Konzeption der Befragung wurde bereits im Frühjahr 2006 ausgearbeitet, anschließend die technische Umsetzung realisiert. Offiziell startete die Befragung im Januar 2007. Teilnehmern wurden zufällig ausgewählte Vornamen aus dem Datenbestand präsentiert, zu denen diese Fragebogen mit 13 Assoziationspaaren ausfüllten. Drei Paare bezogen sich auf den Namen selbst, zehn weitere auf Assoziationen zu Namenträgern. Es war den Teilnehmern nicht möglich, die zu bewertenden Namen frei zu wählen.

Über 500.000 Stimmen sind seither abgegeben und maschinell ausgewertet worden. Diese bilden die Basis der Onogramme. In die Ranglisten fließen alle Namen ein, zu denen mindestens 50 Stimmen vorliegen. Zum Stand 1. Oktober 2013 waren das 1.677.

Namenmoden kommen und gehen, die Wahrnehmung von Vornamen verändert sich. Es ist daher geplant, die Befragung zu überarbeiten. 2014 wird sie voraussichtlich erneut gestartet und wiederum über einen ähnlichen Zeitraum laufen. Die Ergebnisse des zweiten Durchlaufs werden zum ersten vergleichbar sein. Bis es soweit ist, können Stimmen zur ersten Befragung weiterhin auf der Plattform www.onomastik.com abgegeben werden.