Schon seit den ältesten Zeiten, seit denen die Menschen Ackerbau betrieben, waren sie immer wieder durch wachsende Bevölkerungszahl und nachlassende Bodenfruchtbarkeit gezwungen, neues Ackerland zu gewinnen.

Das konnte in unseren Breiten nur durch Rodung des Waldes geschehen. Die Lösung dieser Aufgabe erwies sich für die damalige Gesellschaft mit ihren – aus heutiger Sicht – primitiven Werkzeugen als außerordentlich schwierig und mühevoll. Die alten Slawen wie auch andere Völker entwickelten deshalb eine Methode, die man als Brandrodung zu bezeichnen pflegt. Ihr Wesen bestand im Abbrennen des für die landwirtschaftliche Nutzung vorgesehenen Waldstückes. Dieser Vorgang zog sich gewöhnlich über einen langen Zeitraum hin und umfasste mehrere, zum Teil sehr arbeitsaufwändige Schritte. Als Erstes waren die Bäume durch Abschälen der Rinde vom Stamm zum Verdorren zu bringen. Danach häufte man Zweige und Äste durch Abbrechen oder Abhauen auf dem Waldboden auf. Gleiches geschah mit Sträuchern und sonstigen niedrig wachsenden Pflanzen. War dieses so gewonnene Brennmaterial hinreichend ausgetrocknet, konnte man es anzünden. Das erfolgte gewöhnlich im Frühjahr, kurz bevor der neue Gras- und Pflanzenwuchs einsetzte. Die beim Verbrennen in beträchtlicher Menge anfallende Asche wurde bei der nachfolgenden Bodenbearbeitung mit der Walderde vermischt und diente als natürliches Düngemittel. Zuvor aber musste noch das im Boden verbliebene Wurzelwerk durch Herausziehen oder Herausharken entfernt werden. Erst dann konnte der rataj oder orak, wie die alten Slawen nach Aussage der in der Lausitz gebrauchten Familiennamen Rataj und Worak den Ackersmann, den Bauern, nannten, mit der Aussaat beginnen.

Die Rodungstätigkeit, die sich nicht allein auf die Brandrodung beschränkte, spiegelt sich im Wortschatz aller slawischen Völker wider. Man kann deshalb eine Anzahl dieser Wörter als spezielle „Rodungstermini“ bereits für das Urslawische, aus dem bekanntlich alle slawischen Sprachen hervorgingen, voraussetzen. Von ihnen sind eine ganze Reihe von Ortsnamen sowohl im Leipziger Land als auch in anderen einst von Slawen besiedelten Regionen des heutigen Deutschland abgeleitet, darunter auch in der Ober- und Niederlausitz, wo noch heute Sorbisch gesprochen wird.

Auf einzelne Arbeitsgänge bei der Brandrodung nehmen folgende Ortsnamen Bezug:

Schkorlopp, Groß-, 1162 in Zcorluppe, und Schkorlopp, Klein-, 1097 Scorlup, beide südlich von Markranstädt bei Leipzig, altsorbisch *Skorołupy ʻSiedlung der Rindenschälerʼ.

Der erste Teil des Namens geht auf altsorbisch *skora ʻRindeʼ zurück. Das Wort skora kommt mit derselben Bedeutung auch im heutigen Obersorbischen und Tschechischen vor, im Russischen bedeutet es dagegen ʻFell, Hautʼ. Der zweite Teil des Namens beruht auf altsorbisch *łupiti ʻschälenʼ und hat genaue Entsprechungen in russisch lupiť und polnisch łupić, beide mit der gleichen Bedeutung.

Seegel, südwestlich von Zwenkau, 1277 Seghele, 1436 Segill, Segell, wahrscheinlich altsorbisch *Žegľe aus einer älteren Form *Žeglьje ʻSiedlung an einer Stelle, wo der Wald abgebrannt worden warʼ.

Zu Grunde liegt urslawisch *žegti, dem russisch žeč´ und obersorbisch žeć ʻ(an-, ab- ver-)brennenʼ entspricht. Russisch žeč´ findet sich z. B. in zažeč´ papirosu ʻeine Zigarette anzündenʼ. Damit ist die Zahl der Brandrodungsnamen im Leipziger Land erschöpft, denn, im nordsächsischen Löstiefland gelegen, waren diese schon einst von Germanen besiedelten Gegenden nicht so dicht mit Urwäldern bedeckt wie andere Regionen, so das Erzgebirgsvorland oder gar das Erzgebirge, aber auch große Teile der Lausitz. Aus dieser seien hier nur zwei Beispiele genannt:

Görlitz, obersorbiscj Zhorjelc, polnisch Zgorzelec, 1071 Goreliz, 1131 Yzhorelik, 1234 Gorlez, Gorliz, altsorbisch *Zgorělc, aus älterem *Jьzgorělьcь ʻSiedlung auf einem abgebrannten Waldstück, Brandrodungssiedlungʼ.

Der Name beruht auf urslawisch *jьzgorěti ʻausbrennen, verbrennenʼ, davon ist russisch izgorelyj ʻverbranntʼ abgeleitet. Sie alle enthalten die Wurzel *gor-, so wie russisch goreť ʻbrennenʼ, z. B. in dem Satz Dom gorit ʻDas Haus brenntʼ.

Sorau, niedersorbisch Žarow, polnisch Żary, einst zur Niederlausitz, heute zu Polen, 1297 Soravia, 1329 Sarow, altsorbisch *Žžarov, aus älterem *Jьzžarov, ʻNach Abbrennen des Waldes (Brandrodung) angelegte Siedlungʼ.

Zu Grunde liegt altsorbisch*žar wie in russisch žar ʻHitze, Glutʼ, žarko ʻheißʼ, izžariť ʻausbrennen, ausbratenʼ. Davon sind zahlreiche weitere Ortsnamen abgeleitet, so in der Lausitz Särchen, Sarkow, Sora, ferner Saara bei Altenburg und andere.

Neben den Brandrodungsnamen gibt es noch zahlreiche weitere Ortsnamen, die speziell auf die Rodung des Waldes, die Erschließung von neuem Ackerland Bezug nehmen. Wir müssen uns hier auf  diejenigen beschränken, die von altsorbisch *łaz ʻdurch Roden urbar gemachtes Landʼ abgeleitet sind. Dieses Wort, das in allen slaw. Sprachen vorkommt, bedeutet im Niedersorbischen ʻgerodetes Land, Neulandʼ, im Polnischen ʻdurch Niederbrennen von Gebüsch gewonnenes Ackerlandʼ. Auf *łaz beruhen die Ortsnamen Laas, Kr. Oschatz, Laaso, Laasow, Lohsa und Laske in der Lausitz, Laasen im Kr. Gera und weitere.