Der Name war in Deutschland bisher unbekannt. Das ist auch nicht verwunderlich. Schließlich handelt es sich um den eigens für die Fußballweltmeisterschaftspiele in Russland 2018 errichteten Neubau einer Hotelgruppe in dem dort als Neu-Moskau bezeichneten Neubaugebiet im Südwesten von  Moskau. Die Hotelgruppe  „Vatútinki Hotel Spa Complex“ liegt etwa 15 km entfernt von der rund um Moskau führenden äußeren Ringstraße.

Vatútinki als Name für eine zunächst deutlich ältere Ansiedlung ist historisch ererbt. Der Ort ist erst  2012 in den Verwaltungsbereich Neu-Moskau eingegliedert worden und hat damit eine neue Entwicklungsphase erleben können. Ältere historische Sprachformen sind nicht bekannt und zur Erklärung des ursprünglichen Siedlungsnamens auch nicht erforderlich, da die Sprachformen im Russischen seit Jahrhunderten unverändert beibehalten wurden.   

Sprachlich beruht der Name Vatútinki – mit Betonung der zweiten Silbe – auf der Weiterverwendung des von Grundbesitzern bekannten Namens Vatútin. Dieser Name ist schon 1495 in Novgorod verzeichnet: Michail Ivanovič Vatutin (Veselovskij, Onomastikon. Moskva 1974, S. 64). Auch 1538 Vatutin ist erwiesen (Tupikov, Wörterbuch altrussischer Personennamen. Köln, Wien 1989, S. 500).

Der heutige Familienname Vatutin  ist eine Bildung von dem Rufnamen Vatuta. Dieser ist wie der Familienname Vatin  als Bildung von Vata ebenfalls auf eine suffixal mit -uta erweiterte   Kurznamenform Vata zurückzuführen. Die sprachliche Herkunft des Personennamens ist unklar (vgl. Superanskaja, Slovar´ russkich ličnych imen [Lexikon russischer Rufnamen]. Moskva 2004, S. 140). Am wahrscheinlichsten ist davon auszugehen, dass es sich bei Vata um eine Kurzform von dem christlichen Personennamen Savvatej handelt, der eine Entlehnung ist aus griechisch Sabbátios   (vgl. Unbegaun, Russkie familii [Russische Familiennamen]. Moskva 1989, S. 43). Dieser Name wurde einst dem am Sabbat-Tag Geborenen verliehen. Gleicher Herkunft ist sicher auch der russische Familienname Savateev  (vgl. Fedosjuk, Russkie familii. Populjarnyj ėtimologičeskij slovar‘ [Russische Familiennamen. Populärwissenschaftliches etymologisches Wörterbuch]. Moskva 2002, S. 173).      

Die aus dem 15./16. Jahrhundert überlieferten Namen vom Typ Vatutin sind Namen von Fürsten und Grundbesitzern. Aus Aufzeichnungen der Moskauer Verwaltung aus dem 16. Jahrhundert ist ersichtlich, dass in jener Zeit Siedlungsnamen verstärkt mit den Suffixen –ov und –in gebildet wurden. Sie dienten dem Ausdruck der Zugehörigkeit und des Besitzes. Sie gelten in jener Zeit als typisch für die russische Feudalperiode, als die Besitzangabe zum  Hauptmerkmal bei neuen Toponymen wurde (Pospelov, Nazvanija podmoskovnych gorodov, sel i rek [Die Namen von Städten, Dörfern und Flüssen in der Umgebung von Moskau]. Moskva 1999, S. 19).  

Es ist bei dem heutigen Familiennamen Vatutin also zu beachten, dass dieser seinerseits schon  auf einem Siedlungsnamen beruht und ursprünglich den Ort als Besitz eines Vatuta angab. Daher auch die frühe dreigliedrige Angabe des Besitzernamens schon im 15. Jahrhundert (vgl. oben). Der Eigentümer ließ sich in jener Zeit jeweils mit Ruf- und Vatersnamen plus Namen seines Sitzes, hier also Vatutin, urkundlich eintragen. Familiennamen wie in Westeuropa waren in Russland nicht nur im Mittelalter, sondern bis ins 19. Jahrhundert nicht üblich. Nur Besitzende und Angehörige der Oberschicht führten einen quasi dritten Namen neben Vor- und Vatersnamen, der im Laufe der Zeit zum Familiennamen wurde. Das erklärt wiederum, warum zur Unterscheidung von der Person Vatútin  und zur klaren Kennzeichnung einer Ansiedlung an russisch Vatútin noch ein toponymisches –ki angefügt wurde.

Offen bleibt, welche konkrete Person als Träger des Namens Vatútin  aus dem Moskauer Raum in dem Toponym und letztlich auch in dem Hotel-Komplex-Namen Vatútinki weiterlebt. Es handelt sich mit großer Gewissheit bei Vatútin um den Namen des einstigen Grundbesitzers, der im Ortsnamen verankert wurde. Der erst in christlicher Zeit in Russland möglich gewordene Name und die vergleichende Analyse von Ortsnamen im Umfeld von Moskau lässt darauf schließen, dass die grundherrliche Ansiedlung keinesfalls vor dem 11. oder 12. Jahrhundert entstanden sein kann. Sehr wahrscheinlich ist die Form Vatutinki als Bildung mit dem Suffix –ki  und wiederum der Funktion, Zugehörigkeit zu kennzeichnen, erst noch deutlich später entstanden. Der heute wie eine suffigierte Pluralform auf –ki erscheinende Name zeigt die  toponymische Referenz an und ist vor allem bei jüngeren Städten häufig, die aus älteren Ansiedlungen hervorgegangen sind,  vgl. z. B. Chimki, Faljonki, Osinki, Rowenki. Es sind aber bereits seit dem 16. Jahrhundert Siedlungsnamen auf –ki als Derivata von vor allem  christlichen Personennamen belegt. Dabei liegen meist wie bei Vatútinki Koseformen zugrunde, vgl. Aleksenki, Artemki, Nikulki, Parfenki.   

Jedenfalls bezeugt der nun durch die Fußballweltmeisterschaft in Moskau bekannt gewordene Name Vatútinki Bewahrung eines interkulturell aufschlussreichen Personennamens und seine Kontinuität über viele Jahrhunderte in Russland. Es ist beachtenswert, dass der neue Hotelkomplex in moderner Zeit nicht einen reißerischen Namen erhielt, sondern altes russisches Namengut nun weltweit bekannt macht.   

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