Mit „fremden“ Namen haben die Deutschen so ihre Probleme, doch den Anderen geht es mit „deutschen“ Namen kaum anders. Meist hat das mit Nachlässigkeit, oft mit Unkenntnis fremder Sprachen und Sprachgewohnheiten zu tun. Dabei sollte doch im Zeitalter der „Globalisierung“ die Kenntnis einiger Grundregeln der Aussprache der großen Weltsprachen selbstverständlich sein.

Das verbreitete Pseudo-Englisch oder die Meinung, richtiges Englisch sprechen zu können, wird kaum noch hinterfragt, tut aber gelegentlich weh. Dass im Deutschen seit der Blütezeit des Mittelalters sehr zahlreiche Gallizismen (aus dem Französischen entlehnte Wörter) alltäglich gebraucht werden, ist den wenigsten bewusst. Die große Weltsprache Spanisch (Kastilisch) wird etwa in Sachsen ignoriert, vom Portugiesischen (Brasilianischen) ganz zu schweigen. Das Italienische wiederum (als bedeutende europäische „Regionalsprache“) ist etwa in der Küchenterminologie omnipräsent. Dabei meint man, sich mit einigen als „typisch“ für die jeweilige Sprache empfundenen Aussprachemerkmalen auszeichnen zu können, und dabei macht man oft Vieles falsch.

Es wäre leicht, einige derartige typische Versatzstücke aufzulisten oder wenigstens die wichtigsten Ausspracheregeln (einschließlich Orthographie) zusammenzustellen, oder auch die wesentlichen Merkmale der sprachlichen (Typ französisch le garage → deutsch die Garage) oder der inhaltlichen („mit Karacho durch die Kurve“ < spanisch carajo ‘(männlicher) Schwanz’) Übernahme/Anpassung.

Bei den nicht „generischen“ Eigennamen sollte man einen korrekteren Gebrauch erwarten. Doch gerade hier kommt es durch Nachlässigkeit, gelegentlich auch „Besserwisserei“, nicht selten zu eigenartigen Ergebnissen. Durchgehend hört und vor allem liest man, nur als Beispiel, Gonzales statt korrektem González (z ist zu sprechen wie englisch -th-), patronymische Namenbildungen auf -es sind unspanisch. Besonders schick scheint es, italienische Namen „italienisch“ sprechen zu wollen. Sagte man früher für das Automodell Karmann Ghia (ebenfalls Familienname, vor allem in Pavia, aber auch Ligurien)  weil es so italienisch klang, /Kármen Dȝía/, so ist der beliebte italienische Vorname Guido /Gu-ído/ zu sprechen Mit anderen Worten: Die Grapheme mit -h-: ch- und gh- stehen  für die Konsonanten K- bzw. G- (im Gegensatz zu ci-, ce- /tsch/ oder ge-, gi- /dȝ/), gu wird im Italienischen wie deutsch Gu mit Vokal gesprochen. Im konkreten Fall entspricht Guido dem germanischen Wido, mit italienischem Lautersatz für unbekanntes w-. Grundsätzlich ist in allen romanischen  Sprachen anlautendes s- immer scharf (als /ss/) zu sprechen, also etwa Silvio /Ssílvio/. Usw.

Die „Italianisierung“ geht noch weiter. Besonders Vornamen werden, da oft international und vergleichbar, gerne angepasst. So kann man in Frankreich durchaus Jean-Sébastien Bach, in Portugal durchaus Ricardo Wagner hören, in Deutschland allerdings kaum *Josef Verdi. Der australische Rennfahrer Daniel Ricciardo trägt einen italienischen Familiennamen, der auf den gleichlautenden (heute nicht mehr gebräuchlichen) Vornamen zurückgeht. Zu sprechen ist ungefähr /Ritschardo/ und eben nicht /Rikardo/, wie praktisch in allen Medien zur hören ist. Hier will man es besonders richtig machen und liegt völlig daneben. Italienisch Ric(c)ardo (auch spanisch und portugiesisch Ricardo) entspricht dem deutschen (und normannisch-französischen und englischen) Richard, allerdings in der Ausgangsform mit rīk ‘Herrscher’ + hard. Die internationale Form Richard, dazu gehört italienisch Ricciardo, wurde aus England (Shakespeare, historische Gestalten wie Richard Löwenherz) übernommen. Im Deutschen ersetzt sie die lauthistorisch korrekte, in Familiennamen erhaltene Form Reichard, im Italienischen die traditionelle Form Riccardo.