Mit den besten Wünschen für ein gesundes, erfolgreiches, glückliches Neues Jahr hier eine kurze Notiz (eines Romanisten) zur Spiegelung dieses wichtigen Kalendertages und der vorausgehenden Silvesternacht in den Familiennamen.

Dem deutschen Neues Jahr entsprechen in den romanischen Sprachen hauptsächlich französisch jour de l’an oder nouvel an, im Italienischen capo d’anno bzw. anno nuovo, im Spanischen año nuevo, im Portugiesischen ano novo oder ano bom (insbesondere als Wunsch). Wie im Deutschen also recht banale, durchsichtige Bildungen. Die Silvesternacht wird meist als solche benannt: La (nuit de) Saint Sylvestre, notte (vigilia, festa) di San Silvestro, noite de São Silvestre, aber spanisch noche vieja („alte Nacht“).

In der Namengebung ist die Sache vergleichbar durchsichtig. Im Einzelfall ist schwer zu unterscheiden, ob der Tag (der Geburt) oder ein Wunschname vorliegt, doch wird normalerweise der Geburtstag gemeint sein. Ziemlich eindeutig ist im Deutschen der Familienname Neujahr (mit Niejahr, Neyjahr), weniger klar Gutjahr, Guthjahr, das als „Neujahrsgeschenk“ oder „es sich gut gehen lassen“ interpretiert wird. Die Jahr-Namen bilden nur scheinbar eine Namenkette, fast jeder Name ist individuell zu erklären (Langjahr, Dreyjahr, Theuerjahr, Schröhjahr/Schrähjahr, Trebeljahr/Dröbeljahr, Bojar/Bajahr, Trojahr, Vonjahr). In den romanischen Familiennamen gibt es, bei rascher Überprüfung, nur wenige Reflexe: italienisch Capodanno, Nuovanno, Buonanno/-i, Bonanno/-i, Bonan/-i, Bonannini, Bognanno/-i (vielleicht auch die Serie Anno, Anni, Dell’Anno/D’Anno), spanisch Añonuevo (kein *Nochevieja), portugiesisch Ano Bom eventuell ein einziger französischer Nouvelan.

Geht man auf die historische Dokumentation zurück, so sind sowohl das Datum als auch die Funktion als Auguralname gut nachweisbar. Direkt vergleichbar mit Rio de Janeiro (auf die Januar- und Monatsnamen gehe ich nicht weiter ein), das am 1.1.1502 „entdeckt“ wurde, ist die kleine Insel Ano Bom (Äquatorialguinea), die von Portugiesen am 1.1.1473 in Besitz genommen wurde. Dazu passt „o Primeiro de Janeiro, dia de Ano Bom“ (“der erste Januartag, Tag des Ano Bom”, a. 1539). Der Familienname Ano Bom ist nicht zwangsläufig detoponymisch, als Beiname ist er bereits früher belegt (Pero Ruuho d Anno Boon a. 1326). Besonders zahlreich sind die mittelalterlichen Belege Italiens. Hierbei sind Annonovo und Annobono (beide insbesondere in einer Quelle aus Bologna a. 1257) eindeutig Vornamen. Die syntaktische Variante Buon Anno ist ebenfalls als Vorname belegt (seit 1215, dazu auch Bonanucius a. 1226) , könnte allerdings in Namen wie z.B. Henricus de Bono Anno (Genova a. 1210), Jacobu di Bonannu (Palermo a. 1480) oder Santa de Bono anno (Rom a. 1526) durchaus als Beiname interpretiert werden. In anderen Gebieten sind derartige Namen offensichtlich seltener zu finden, etwa en Bonany a. 1389 (Barcelona). Zu hinterfragen wären ähnliche Serien wie Buonanotte, Mezzanotte und andere mehr.