Am 13. Dezember feiern die christlichen Kirchen das Fest der Hl. Lucia von Syrakus. Hier erlitt sie wohl kurz nach 300 unter Diokletian den Märtyrertod. Über die zahlreichen Legenden, Verbreitung und Brauchtum dieser zum Messkanon zählenden, heute besonders in Skandinavien verehrten Heiligen braucht hier nicht weiter eingegangen werden. Der Name ist als Ableitung von lateinisch lux ‘Licht’ durchsichtig, die männliche Entsprechung ist Lucius (ebenfalls Heiligenname, insbesondere Papst Lucius I. 243/254); zu dieser Namenfamilie zählen auch (meist schon lateinische) Ableitungen wie Luciano/Luciana, Lucilla/Lucillo, Lucilio/Lucilia, Lucidio/Lucidia u.a.m.

Welche konkrete Bedeutung dieser Name ursprünglich trägt, ist schwer zu bestimmen. Interessant ist die durch unterschiedliche Betonung entstandene Doppelform Lúcia bzw. Lucía, die durch die Schreibung nicht zu erkennen ist. Etymologisch korrekt ist die Betonung der ersten Silbe, die in Italien vorherrschende Betonung liegt auf der zweiten Silbe („Lucìa di Lammermoor“). Da die Heimat der Hl. Lucia im historisch griechisch-sprachigen Ostsizilien (Magna Graecia) gelegen ist, setzt diese Aussprache wahrscheinlich die griechische Anpassung der Endung lat. '-ia = griech. -ía fort. Möglicherweise könnte aber auch ein späterer Betonungswechsel durch „gelehrte“ Einflüsse vorliegen. Die Doppelentwicklung findet sich auch in Spanien (Lucio gegenüber Lucía).

In den Familiennamen ist Lucia eher selten anzutreffen, es sei denn, es handelt sich um einen Reflex des Heiligennamens. In Frankreich steht neben Lucie (1891–1990: 203 Geburten) der FN Luce (4.776, ab 1941 insbesondere Guadeloupe). Hier ist nicht zu unterscheiden zwischen Lucia und Lucius, doch scheint die männliche Form vorherrschend zu sein. Das gilt grundsätzlich auch für die -i-Formen in Italien. Hier ist Lucia nicht selten (4.800, davon in Catanzaro 1.254, Palermo 413, Cosenza 330, Salerno 328), dazu auch Luzza (321) und Lussa (30). Daneben stehen Luce (1.245, davon in Bari 353, Napoli 120) und Luci (1.809, davon in Reggio di Calabria 527, Cosenza 182; ein anderer Schwerpunkt in der Toscana: Firenze 152, Pisa 124, Livorno 110).

Hinzu kommen zahlreiche, hier nicht weiter zu kommentierende, meist regionale Varianten: Luzio (441), Luzzio (83), Luzzo (244), Luzzu (335) Lutzu (890), Lussu (1.347), Luzzi (5.636), Luzi (512), Lussi (141) sowie zahlreiche Ableitungen. In Spanien ist der FN Lucía 2.905 (1.355+1.431+19) vor allem im Zentrum anzutreffen; die männliche Entsprechung Lucio findet sich in 3.977 (1.974 an erster Stelle +1.995 an zweiter Stelle +8 beide FN identisch) FN. Es wäre interessant, die jeweilige Verbreitung zu hinterfragen.

Natürlich reizt die Namenfamilie um lux bzw. Licht zu einer eingehenderen Prüfung. Im Deutschen wird Licht in den Familiennamen u.a. mit 'Licht, Kerze' in Verbindung gebracht, also als metonymische Berufsbezeichnung (Kerzenzieher, Kerzenverkäufer) interpretiert. Anders verhält es sich mit dem FN Lux. Praktisch alle Namenbücher gehen von einer Schreibvariante für Luchs oder einer Nebenform von Lucas aus. Von lat. lux ist nicht die Rede. Dabei könnte es sich durchaus um eine Latinisierung von Licht handeln, hier wäre allerdings die historische Überlieferung zu überprüfen. Denkbar sind verschiedene Modelle: Luchs, geschrieben als Lux, wird als Licht gedeutet. Umgekehrt könnte Licht zu Lux latinisiert und diese Form falsch als Luchs interpretiert werden...

In den romanischen Familiennamen ist die Situation ebenfalls nicht ganz durchsichtig. Neben den allgemeinen Bedeutungen mit 'Licht' spielen insbesondere marianische Namen (Maria vom Licht) eine wichtige Rolle. Es gibt zahlreiche Kirchen, Klöster und danach Ortschaften, die der Gottesmutter Maria vom Licht geweiht sind (Santa Maria della Luce, [Maria de la] Luz, [Maria da] Luz u.ä.). Daraus ist auf der Iberischen Halbinsel der Frauenname Luz hervorgegangen (so wie Carmen, Mercedes, Pilar, Jesus usw.). Die gleichlautenden Familiennamen gehen entweder auf eine Ortschaft oder den Frauennamen zurück; in einigen Fällen kann portugiesisch Luz auch als Patronym (Genitiv) von Lúcio stehen. Spanien: Luz 2.381 (1.175+1193+13, Schwerpunkt u.a. in Teruel/Valencia, Cádiz/Córdoba, Girona).

Komplizierter wird es mit der Frage nach den romanischen Bezeichnungen für Licht. Während im Italienischen luce (aus lux) die übliche Form ist, so wie auch das iberoromanische luz, so geht das französische lumière auf lat. lumen zurück (dazu spanisch lumbre, portugiesisch lume '(Herd-)Feuer', auch als seltene span. und port. FN Lumbre bzw. Lume). In den FN finden sich Lumière (200, heute insbesondere Martinique) und Ableitungen wie Lumet (297, Schwerpunkt Indre; vgl. allumette 'Streichholz'), Luminet (298, Loire), Lumineau (901, Vendée). Diese knappen Bemerkungen mögen nur auf das Interesse derartiger thematischer Namengruppen aufmerksam machen, ohne näher auf sie einzugehen. Ein weiterer Licht-Komplex folgt am 2. Februar (Lichtmess).

Dieter Kremer

Abbildung: Paolo Veronese, Martyrium und letzte Kommunion der Hl. Lucia, um 1582, National Gallery of Art, Washington (Quelle: Joachim Schäfer, Ökumenisches Heiligenlexikon).