In den romanischen Familiennamen begegnet der Begriff „links“ in zahlreichen Varianten. Hierbei lässt wie im Deutschen die Mehrdeutigkeit von links im konkreten Sinn ‘Seitenrichtung (im Gegensatz zu rechts), meist auf Personen bezogen: linkshändig’ und in zahlreichen übertragenen Bedeutungen (linkisch, falsch usw.) eine eindeutige Interpretation normalerweise nicht zu. Im Folgenden in knappster Form die wichtigsten Namentypen der „großen“ romanischen Sprachen:

Das lateinische Gegensatzpaar DEXTER – SINISTER ‘rechts’ – ‘links’, aber auch übertragen ‘geschickt, schlau, glücksbringend‘ – ‘linkisch, ungeschickt, unheilvoll’, ist u. a. noch im Altfranzösischen erhalten (destre – senestre). Die Bedeutung DEXTER ‘rechts’ fehlt im heutigen Französischen und Italienischen. Es wurde durch DIRIGERE, DIRECTUS ‘gerade gerichtet, direkt’ abgelöst (dazu deutsch direkt, Direktor) mit den sich daraus ergebenden übertragenen Bedeutungen, insbesondere ‘gerade; rechtschaffen’ und insbesondere auch das Substantiv ‘Recht’ (französisch droit, italienisch diritto, spanisch derecho, portugiesisch direito); dieses ist im übrigen mit lateinisch REGERE, RECTUS ‘lenken, regieren’ identisch. Sinister ‘links’ wiederum hat sich im Italienischen erhalten, während es in den anderen Sprachen durch neue Lexeme ersetzt abgelöst wurde. Als Latinismus ist sinister ‘düster, unheilvoll’ in den modernen Sprachen präsent. Das Syntagma ‘linkerhand/rechterhand’ ist in den meisten Sprachen üblich.

Die jeweils wichtigsten Namentypen mit „links“ sind die im Folgenden genannten, die Liste wäre um zahlreiche weitere Formen zu ergänzen.

Frankreich: Die Situation ist kompliziert. Einerseits wird das ältere senestre (kein Familienname, aber um 1300 als Name belegt) ab dem 15. Jahrhundert durch gauche abgelöst (die Etymologie ist nicht definitiv geklärt), andererseits gibt es für die übertragene Bedeutung ‘linkisch, ungeschickt’ usw. zahlreiche volkstümliche Synonyme (maladroit, balourd, pataud…). In den Namenbüchern wird der Familienname Gauche (mit Ableitungen) daher nicht mit gauche ‘links’ in Verbindung gebracht, vor allem der Typ Gauchier ist seit dem 12. Jahrhundert gut belegt. Doch ist etwa Gauchard (zwischen 1891/1990: 717 Namenträger, Schwerpunkt Département Orne) gewiss in unserem Zusammenhang zu sehen.

Italien: In den Namenbüchern wird Sinistro meist nicht erwähnt, doch sind alle zu erwartenden Formen nachgewiesen: Sinistro 130 (Schwerpunkt Süden), mit Sinistri 41 (Rom), Sinistra 18 (Sizilien) und Senestro 80 (Piemont). Das italienische Normalwort für ‘linkshändig, linkisch’ ist mancino (aus lateinisch mancus ‘verstümmelt’), dazu ‘linke Hand’. Beide sind in den Familiennamen stark vertreten: Mancino (knapp 60.000 Namenträger), mit Mancini (gut 8000) und Lo Mancino/Lomancino, dazu Mancinelli (etwa 7500), Mancinotti, Mancinone/Mancinoni und Mancina.

Spanien: Das spanische Lexem für „links“ ist izquierdo (über das baskische ezquer), dazu der Familienname Izquierdo mit rund 83.000 Namenträgern. Dieses Wort ist in allen iberoromanischen Sprachen verbreitet: katalanisch esquerre, portugiesisch esquerdo. Weitgehend synonym ist Zurdo (vermutlich ebenfalls Vermittlung durch das Baskische), Familienname von gut 4.300 Spaniern.

Portugal: Neben dem genannten Esquerdo, Normalwort für „links“, ist in portugiesischen Familiennamen das volkstümliche Adjektiv canhoto (die diskutierte Etymologie setzt eine Form *canius ‘hündisch’ voraus, auch volkstümlicher Name des Teufels) in den Familiennamen verbreitet.