Am 21. März dieses Jahres begehen wir den 250. Geburtstag von Jean Paul. Im Gegensatz zu seinem Antipoden Goethe war er in seinen Werken ein sehr namenfreudiger Autor. Er hatte sich umfangreiche Listen mit realen Orts-und Personennamen angelegt und verwendete diese dann in seinen Romanen. Dabei sprang er allerdings frei um mit seinen Namen und verlegte das sächsische Kuhschnappel schon einmal nach Schwaben – so geschehen in seinem Roman „Siebenkäs“. Hier soll es aber einmal nicht um seine literarische Namengebung gehen, sondern um seinen eigenen Namen, der bekanntlich ein Pseudonym, ein nom de plume ist.

Geboren wurde der Dichter 1763 als Johann Paul Friedrich Richter. Dass ihm der Name Richter nicht gefiel, hat er selbst geäußert: Ich war [...] von jeher allen Geschlechtsnamen, die etwas bedeuten, feind, z.B. Hofmann, Edelmann, Zimmermann, Seiler, Richter; wie schön hingegen ist einer von gar keiner Bedeutung, z.B. Goethe, Herder, Leibniz, Jacobi, Kant! (E. Berend: Die Namengebung bei Jean Paul. In: Publications of the Modern Language Association of America 57, 1942, S. 820–850). Und so nannte er sich in seinen ersten Schriften Hasus, ab 1792 aber Jean Paul – unter Verwendung seiner eigentlichen Vornamen, ins Französische gewandelt aufgrund der Bewunderung, die er für Jean-Jacques Rousseau hegte. Das ist in der ganz neuen Jean-Paul-Biographie von Helmut Pfotenhauer (Jean Paul. Das Leben als Schreiben, München 2013, S. 102) detailliert dargestellt. Dieser Künstlername bringt allerdings einige Probleme mit sich. Da wäre zunächst die Aussprache. In der Regel spricht man wohl heute Jean französisch, Paul deutsch aus. Diejenigen aber, die den ganzen Namen französisch aussprechen, können sich auf Jean Paul selbst berufen. In dem sog „Vita-Buch“, einer Sammlung von Einfällen (hrsg. von H. Pfotenhauer, München 2004), schreibt Jean Paul unter No. 340: „Statt J.P. – Pohl oder Schang oder Schang Pohl“. Er stellt sich also seinen gesamten Namen auf Französisch gesprochen vor.– Ein zweites Problem ist die alphabetische Einordnung seines Namens. Es gibt Verzeichnisse, die Jean Paul unter „P“ aufführen, z. B. der Prospekt von Reclams Universalbibliothek. Die Jean-Paul-Gesellschaft führt ihn in ihren Bibliographien unter „J“ auf, und das ist aus onomastischem Gesichtspunkt wohl zu befürworten, denn der Künstlername sollte als Einheit aufgefasst werden, die sich nicht in Pseudo-Vor- und Familiennamen trennen lässt.

Zum Schluss noch ein Bonmot von Jean Paul, in dem man ihn als ganz großen Onomastiker der Literatur erkennt: „Man sollte e[in] Lexikon aller der Män[n]er schreiben, v[on] denen m[an] in d[er] Geschichte n[ichts] findet als blos den Namen“ (Aus P. Zaus: Jean Paul: Bausteine, Actio, Thorheiten. Ausgewählt von Petra Zaus. In: Jahrbuch der Jean-Paul-Gesellschaft 40, 2005, S. 3–13).