Gastgeberland der aktuellen Fußballweltmeisterschaft ist die Bundesrepublik Brasilien (República Federativa do Brasil), sie wird in insgesamt zwölf Spielorten ausgetragen. Im Folgenden einige, wenige Bemerkungen zu diesen Ortsnamen.

Brasilien wurde offiziell im Jahr 1500 entdeckt. Bereits im Vertrag von Tordesillas (1494) wurde die zu entdeckende Welt zwischen Portugal und Spanien aufgeteilt, Portugal fiel der östlich einer Grenzlinie liegende Teil zu (Brasilien, Afrika, Asien). Die portugiesische Kolonialzeit endete während der napoleonischen Kriege mit der Flucht des Königshofes nach Rio de Janeiro (1808), der Unabhängigkeitserklärung 1822 und der Kaiserkrönung von Pedro I. 1889 wird die Republik ausgerufen.

Staatssprache Brasiliens, mit bald 200 Mio Einwohnern das fünftgrößte Land der Erde, ist das Portugiesische. Diese in Europa verkannte Weltsprache, die außer in Portugal noch in fünf afrikanischen Staaten (den PALOP „países africanos de língua oficial portuguesa“), insbesondere Angola und Moçambique, offizielle Staatssprache, in Resten noch in Asien zu finden und vor allem als europäische „Gastarbeitersprache“ (insbesondere Luxemburg) lebendig ist, ist nach dem Englischen und Spanischen die dritte europäische Weltsprache.

Die brasilianische Variante des europäischen Portugiesisch wird je nach Standpunkt auch als selbständige Sprache "Brasilianisch" betrachtet, vergleichbar mit dem britischen und amerikanischen Englisch oder auch dem europäischen und hispanoamerikanischen Spanisch. Unterschiede sind vor allem in der Aussprache und Intonation hörbar, der Wortschatz ist vielleicht stärker amerikanisiert als der europäische, gleichzeitig finden sich vor allem in den Ortsnamen zahlreiche indianische Einflüsse (Sprachgruppe der Tupi). Durch die schwächere Artikulation der Sibilanten (etwa des für das Portugiesische charakteristischen "Zischlautes" –s /sch/), der Palatalisierung der Gruppe Konsonant+i (verdade /verdádji/), der starken Palatalisierung des silbenschließenden l (im Auslaut meist vokalisiert (Brasil /Brasíu/) und der velaren Aussprache des –rr- und –r (Ach-Laut: carro /cachu/, cantar /cantách/) ist der Klang des Brasilianischen deutlich anders als der des Portugiesischen.

Karte 1: Verwaltungsgliederung Brasiliens nach PLZ (Quelle)

Brasil

Der Staatsname (dt. Brasilien) ist ein "sprechender" Name wie Madeira (Holz) oder Açores (Habichte), er wird mit Artikel gebraucht (o Brasil). Das Land wurde nach der typischen Holzart brasil 'Brasil(ien)holz' benannt, das im späten Mittelalter (bereits vor der Entdeckung Brasiliens) zur roten Farbstoffgewinnung große Bedeutung hatte. Die Bewohner wurden ursprünglich als brasil 'Brasilianer' bezeichnet, die heutige Benennung ist brasileiro (spanisch brasileño).

Belo Horizonte

Drittgrößte Stadt Brasilien, sie wurde erst 1897 zum Verwaltungszentrum der Provinz Minas Gerais (nach dem Vorbild von Washington) erhoben; die alte Hauptstadt war Ouro Preto (Schwarzes Gold). Die alte Gemeinde Nossa Senhora da Boa Viagem de Curral d’El-Rei (Unsere liebe Frau von der guten Reise in Curral [Hürde, Zwinger] des Königs) erhielt per Dekret 1890 ihren neuen Namen 'Schöner Horizont', der auf die schöne landschaftliche Lage Bezug nimmt (vorgeschlagen von Luís Daniel de Carvalho). Die reichen Vorkommen von Erz, Gold und Edelsteinen gaben der Provinz ihren Namen, im Volksmund wird Belo Horizonte auch Minas, und deren Bewohner mineiros genannt.

Brasília

Seit dem 21.4.1960 ist Brasília die neue Hauptstadt von Brasilien, im eigens eingerichteten Bundesdistrikt (Distrito Federal); sie löste Rio de Janeiro ab. Die Anlage einer neuen Hauptstadt in der Mitte Brasiliens war ein fast 200 Jahre alter Traum. Die auf dem Reißbrett entstandene Stadt, die für ihre Architektur, insbesondere die repräsentativen Bauten von Óscar Niemeyer berühmt ist, gilt als eine der kühnsten Entwürfe moderner Stadtarchitektur. Allerdings sind Sozialstruktur und Renovierungsbedarf gravierend.

Cuiabá

ist Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso und rühmt sich als geographische Mitte Südamerikas. Sie wurde 1719 gegründet und nach dem gleichnamigen Fluss benannt. Die Etymologie ist diskutiert, dürfte aber im Tupi zu suchen sein.

Curitiba

Die Hauptstadt des Bundesstaates Paraná und Sitz der gleichnamigen Metropolregion gilt als eine de "bürgerfreundlichsten" Städte Brasiliens. Sie wurde 1693 als Vila Nossa Senhora da Luz e Bom Jesus dos Pinhais (frei: Unsere liebe Frau vom Licht und dem guten Jesus der Kiefernwälder) gegründet und erhielt 1721 ihren heutigen Namen. Er entspricht dem einheimischen (Tupi) ku’ri 'Kiefer', mit Kollektivsuffix tüba, also etwa 'kieferreiche Gegend' (Araukarien oder Brasilkiefer).

Fortaleza

Die fünftgrößte Stadt Brasiliens ist die Hauptstadt des Bundesstaates Ceará. Der Name Fortaleza 'Festung' ist auch Name zahlreicher weiterer Orte in Brasilien. Die Gründung der Anlage durch den Holländer Matias Beck als Befestigungsanlage von Schoonenborch um 1650 ersetzte frühere portugiesische Forts, die gegen Angriffe von Franzosen und Holländern schützen sollten.

Manaus

Die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas (der Name [rio das] Amazonas) führt wirklich auf die antiken Amazonen zurück. Der spanische Entdecker Francisco Orellana lieferte sich 1541 flussaufwärts einen Kampf mit kriegerischen weiblichen Eingeborenen und benannte den Strom nach den mythologischen Amazonen. Dieser Name ersetzte die ursprüngliche Benennung rio d’Orilhana) wurde 1669 als portugiesischer Stützpunkt gegründet und hieß ursprünglich vila da Barra do Rio Negro. Mit der Erfindung des Verfahrens der Vulkanisierung von Kautschuk durch Charles Goodyear (um 1840) nahm die Stadt eine stürmische Entwicklung, da es "Gummibäume" nur im Amazonas-Gebiet gab. 1856  erhielt der Ort Stadtrechte und wurde nach dem dort beheimateten Stamm der Manaus /Manáus/ benannt.

Natal

Die Stadt Natal wurde am 25.12. 1599 gegründet, sie trägt also den Ereignisnamen natal 'Weihnachten'. Das am Atlantik, an der Mündung des Potengi liegende Zentrum ist Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte.

Porto Alegre

Der Name der Haupststadt des Bundesstaates Rio Grande do Sul, wörtlich porto 'Hafen' + alegre 'fröhlich', ist nicht zu verwechseln mit der portugiesischen Regionalhauptstadt Portalegre. Laut einer Vergleichsstudie der UNO hat Porto Alegre die beste Lebensqualität der Großstädte Lateinamerikas (Wikipedia).

Recife

ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco im Nordosten Brasiliens, sie löste die nahe gelegene Stadt Olinda ab. Der Name der bedeutenden Hafenstadt geht auf das eindrucksvolle Riff (recife) zurück, das die Stadt vor dem Atlantik schützt.

Rio de Janeiro

Die ehemalige Hauptstadt (bis 1960) ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates; zwischen 1808 und 1822 war sie auch Sitz des portugiesischen Hofes. Sie liegt an der Guanabara-Bucht, die von Gaspar de Lemos am 1. Januar (janeiro) 1502 entdeckt wurde und die er für eine Flussmündung hielt: daher Rio de Janeiro 'Januar-Fluss'. Der bekannte Bewohnername lautet carioca (aus dem Tupi kari’oka 'Haus des weißen Mannes'), das u.a. eine Kaffeezubereitung (portugiesisch carioca 'verdünnter Kaffee') bezeichnet.

Salvador da Bahia

Der eigentliche Name der Hauptstadt des Bundesstaates Bahia und drittgrößten Stadt Brasiliens lautete São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser der Allerheiligen-Bucht). Die weite Bucht wurde am 1. November (Allerheiligen) 1526 von Cristóvão Jaques entdeckt und entsprechend benannt. Bahia (in altertümlicher Schreibung, das Lexem lautet baía), so der frühere Rufname der Stadt, war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens. Sie gilt als die portugiesischste der brasilianischen Städte (sozusagen ein Heimspiel der Portugiesen)

São Paulo

Die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates ist mit über 20 Mio Bewohnern die größte Stadt Brasiliens und der Südhalbkugel unserer Erde. São Paulo (Hl. Paul) wurde am 25. Januar 1554, dem Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, von zwei jesuitischen Missionaren gegründet.

Karte 2: Administrative Gliederung Brasiliens (Quelle)

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