Ferrari ist ebenso wie Ferrero als Markenname bekannt, nicht unbedingt werden von der Allgemeinheit beide spontan als (italienische) Familiennamen wahrgenommen oder zueinander in Beziehung gesetzt: dabei sind beide Namen bis auf ein morphologisches, „typisch“ italienisches Merkmal identisch und entsprechen genau dem deutschen Schmied (usw.).

Je nach Zählung steht der Schmied auch in anderen Sprach- und Kulturräumen als in den Familiennamen wichtigste Berufsgruppe ganz oben in einer Namenstatistik. Allerdings muss man dann, wie im Deutschen, die verschiedenen Varianten (Schmied, Schmitt, Schmitz usw.) ebenso zusammenrechnen wie die unterschiedlichen Bezeichnungen für ‘Schmied’. Die erste Gruppe gehört in eine semasiologische („was bedeutet das Wort/der Name...?“), die zweite in eine onomasiologische Fragestellung („wie sage ich für denjenigen, der mit Eisen arbeitet?“).

Im Italienischen, als eine der neben Spanisch, Portugiesisch und Französisch romanischen (d.h. aus dem Lateinischen entstandenen) Hauptsprachen, gibt es zwei Grundtypen zur Bezeichnung des Schmieds. Beide gehen (wie in den anderen romanischen Sprachen) auf das lateinische faber, wörtlich ‘Handwerker’ zurück. Während sich faber in einigen Sprachen als Bezeichnung des zentralen Handwerksberufs, eben Schmied, durchgesetzt hat (französisch fèvre, mit zahlreichen regionalen und formalen Varianten: Fabre, Faure, Lefèvre usw.), hat sich in anderen die lateinische Präzisierung (faber) ferrarius ‘Eisenhandwerker’ erhalten (spanisch herrero, portugiesisch ferreiro usw.).

Der italienische Sprachraum ist außerordentlich komplex gegliedert. Einerseits gehört er zur sog. Westromania (vgl. etwa die historische Gallia cisalpina), andererseits zur sog. Ostromania (Mittel- und Süditalienisch, Rumänisch), die gedachte Trennlinie (Isoglossenbündel) verläuft am Apennin entlang, zwischen La Spezia und Rimini. Die markanten Unterscheidungsmerkmale tun hier nichts zur Sache, doch ist Norditalien sprachlich deutlich vom Zentrum und Süden zu unterscheiden, sowohl in der Aussprache als auch im Wortschatz. Und in der Tat gibt es in Italien zwei Grundtypen für die Bezeichnung des Schmieds: das heute hochsprachliche fabbro (< faber (ferrarius)) und ferraio mit Varianten (< (faber) ferrarius). Diese wichtigsten Varianten sind ferraro (Zentrum und Süden), ferraio, ferrai(u)olo (Toscana), ferrero (Norden).

Diese, außerordentlich grobe, Zusammenfassung führt uns zu den italienischen Familiennamen. Hier gibt es Cliché-Vorstellungen: so wie im Spanischen das (immer unbetonte) Suffix -ez ein Erkennungsmerkmal ist (vgl. González), so gilt für Italien die Endung -i als typisch. Hier ist Vorsicht geboten: Einerseits sind diese Namen, hauptsächlich ausstrahlend von der Toscana, charakteristisch, anderswo herrschen andere Bildungsweisen vor; andererseits ist diese Endung auch in genuin „deutschen“ Familiennamen des Typs Martini, Wilhelmi usw. anzutreffen, die auf Latinisierungen deutscher Namen im Zeitalter des Humanismus zurückgehen.

Am Beispiel des italienischen Martin- (Martino) lassen sich deutlich drei Regionen patronymischer Namenbildung erkennen. Hauptsächlich in der Toscana herrscht die Endung -i vor, im Norden, Zentrum und Süden die Beiordnung Martino bzw. die genitivische Anbindung de Martino. Die Funktion (Patronym) ist identisch, die Form unterscheidet sich. Auch ist der Unterschied zur Iberischen Halbinsel offensichtlich: Hier entstanden patronymische Bildungen ausschließlich nach dem Vornamen (normalerweise des Vaters); in Italien beziehen sich Patronyme auf jegliche Art von Namen (Vorname und Übername, Spitzname, Berufsname, Ortsname usw.), ein Rossi (< rosso ‚rot’) oder Alberghi (< albergo ‘Herberge’ u.ä.) ist in Spanien nicht möglich.

Bedeuten die Beiordnung und die syntaktische Anbindung keinerlei formale Veränderung des Namens – sie sind „durchsichtig“ – so ist die Endung -i mehrdeutig, und sie verändert die formale und lautliche Gestalt des Namens. Formal und inhaltlich bieten sich zwei Erklärungen an: (a) Es handelt sich um den lateinischen Genitiv, Typ Martini „Sohn des Martino“, oder (b) Es handelt sich um die italienische (männliche) Pluralform Rossi „die Mitglieder der Familie des N.N. Rosso“, also eine Art Kollektivbezeichnung. Beide Erklärungen haben ihr Für und Wider. In der überaus reichen historischen Überlieferung gibt es für beide Interpretationen Anhaltspunkte, doch überwiegt der Bezug auf eine konkrete Person, in diesem Fall meist der Rufname (Typ Iacob quondam Gotifredi a.1166, Riccardus cognomine Landonis filius olim Landonis cognomine de Casale a.1230, Iacobus condam Bonbologni a.1288 usw.), nicht das Kollektiv. Dieses wiederum wird durch einen Plural wiedergegeben (homines qui vocantur Lupi a.1067, domus Orsellorum a.1241, Gerardus de Graciadeis a.1188, Petrocino de Medicis a.1253, in terris Blancorum a.1269 usw.), hier überwiegen ursprüngliche Beinamen. Darüber hinaus gibt es Suffixe - die beiden wichtigsten, -isc und -ing, sind germanischer Herkunft und uns wohl bekannt, sie drücken die Zugehörigkeit aus, die entsprechenden Namen sind daher als Kollektivnamen zu verstehen (Guiçardus Berardengus a.1223, Ottobellus de Robertengis a.1191, a Tosinghis et Lanberteschis a.1225, d. Perna f. Stefanescis 13.Jh. usw.). Allerdings ist -isc auch Rufnamensuffix  (Albertescus Albertini, Albertescus Gerardi a.1221 usw.). Die genitivische Funktion bzw. der Bezug auf eine Person, nicht die Familie, scheint jedoch insgesamt deutlich zu überwiegen, das betrifft sowohl den Bezug auf den Rufnamen wie den ursprünglichen Beinamen. Hierbei ist allerdings das Überleben des lateinischen „synthetischen“ Genitivs (-i) sehr auffällig, längst hatte sich die für die romanischen Sprachen gültige „analytische“ Bildungsweise (Präposition de + Wort/Name) durchgesetzt. Vielleicht ist es daher angebracht, von einem spezifischen (patronymischen) Namensuffix -i auszugehen, das ursprünglich auf den lateinischen Genitiv zurückgeht.

Angewandt auf unseren Schmied ergeben sich für Italien überaus zahlreiche Familiennamenvarianten von faber bzw. ferrarius. Hierbei ist zusätzlich zu unterscheiden zwischen Übernamen nach dem Beruf und, für Italien charakteristisch, die Verdrängung des eigentlichen Rufnamens durch den Übernamen. Die Namenform ist, abgesehen von migratorischen Phänomenen (Süd → Nord), gebietstypisch. Die folgende Auswahl nennt die Haupttypen und nur die jeweils größte Konzentration (PatRom-Materialien):

Fabbro (Udine 1829, Pordenone 1048), Fabro (Udine 755), Favre (Aosta 674), Fabre (Genova 12), Favro (To788,Ve230), Fabbri (Foggia 9134, Bologna 3392, Ravenna 2921, Ferrara 2827), Fabri (Rm494), Dal Fabbro (Treviso 146), Del Fabbro (Udine 1121), Del Fabro (Udine 319), Fabbris (Rovigo 283, Padova 277), Fabris (Vicenza 2861,Venezia 1760, Padova 1701, Udine 1102)
Fabbreschi
(Grosseto 116) usw.

Ferraro (Neapel 5927, Cosenza 4909), Del Ferraro (Lazio 452)
Ferrario
(Mailand 6247, Varese 3112), Ferrari (Mailand 12605, Brescia 9690), De Ferrari (Genova 471), Ferraris (Vercelli 1922, Alessandria 1585)
Ferrero
(Torino 7637, Cuneo 5186)
Ferriere
(Bari 305, Napoli 115)
Ferrai
(Nuoro 265,Trento 179)
Ferraiolo
(Napoli 294, Caserta 179), Ferraioli (Salerno 3121, Napoli 460)
usw. (zahlreiche Varianten)

Mit diesen eigentlichen Berufsbezeichnungen ist der Namenschatz für ‘Schmied‘ keineswegs erschöpft. Allein mit ferro ‘Eisen‘ oder davon abgeleitet gibt es rund 120 verschiedene Namenformen (Übernamen), hinzu kommen zahlreiche, meist ironische Satznamen mit ferrare ‘beschlagen‘ (Ferracane, Ferramosca, Ferraloro u.a.) bzw. mit ferro als Objekt. Diese letzteren gehören als mittelbare Berufsbezeichnungen zum Schmiedehandwerk, etwa Tagliaferro ‘Eisenschneider‘ (Vicenza 262, Napoli 139, Padova 131), Tagliafierro (Caserta 792, Salerno 228), Bruciaferri ‘Eisenbrenner‘ (Ferrara 100), Brugiaferri (Ancona 41), Brusaferri (Cremona 165), Brusaferro (Rovigo 123), Tiraferri ‘Eisenzieher‘ (Forlì 234) oder Maccaferri etwa ‘Eisenschmieder‘ (Bologna 1091, Modena 630, Ferrara 291), Maccaferro (Ascoli Piceno 60).