von Walter Wenzel

Für beide im Titel genannten Namen fehlt bislang eine stichhaltige Deutung. Auch Ernst Eichler und Hans Walther konnten trotz sorgfältiger Prüfung aller Erklärungsmöglichkeiten keine eindeutige Lösung erzielen (Eichler/Walther 1984: 126-128).

Auf ihrer Darstellung baut der nachfolgende Versuch auf, der mit einer Auswahl der wichtigsten Belege beginnt: Puonzowa, Gau im Raum um Zeitz, 976 in pago Puonzouua, 995 provincia quanda Ponzouua dicta, 12. Jh. Ponzowe, 14. Jh. Pozowe, 1210 in provincia Buzewiz, (1271) 14. Jh. comitatus Buzewitz.

Bosau, älter Posa, ehemaliges Kloster, entstanden 1114-1121 auf dem gleichnamigen Berg dicht nö. Zeitz, 1118 in Bussawie, 1119 monasterium Bosov, (1121) 14. Jh. abbatiam construxi in monte, qui dicitur Buzowe, 1150 abbas de Bozowe, 1183 trans Bosowe, 1191 in Bůzovve, 1204 in Puzowe, 1814 Bosau.

Die neue Erklärung geht von urslaw. *Bǫďźevъ, *Bǫďźeva oder *Bǫďźevo ʻSiedlung des Bǫďźʼ aus. Bei dem PersN *Bǫďź, aus urslaw. *Bǫd+jь, handelt es sich um eine mit -jь suffigierte KurzF von urslaw. *Bǫdimirъ oder ähnlichen VollN mit dem Vorderglied aus urslaw. *byti, *bǫdǫ ʻsein, existierenʼ. Im Altsorbischen entwickelte sich nach dem Wandel ǫ > u und dj > ďź > z späturslaw. *Bǫďź zu aso. *Buz. An die ursprünglich weiche Affrikate ďź, trat das Ortsnamensuffix -evъ(-a/-o), das bald an die vielen OrtsN auf -ov(-a/-o) angeglichen und im Altsorbischen, besonders nach der Eindeutschung, zu -ov vereinheitlicht wurde. So entstand der aso. OrtsN *Buzov(a/o). Den Schlüssel zu dieser Erklärung bildet die Suffigierung eines Vollnamengliedes oder einer davon abgeleiteten KurzF mit -jь, wie oben bei *Buz < *Bǫďź < *Bǫdjь. Diese Erscheinung ist u. a. bei dem bisher unklaren und nicht genau lokalisierbaren Burgwardnamen Titibuzin, aso. *Tetibuďźin ʻSiedlung des Tetibuďźʼ, zu beobachten, ferner bei den OrtsN Pausitz, s. Wurzen, aso. *Buďźici ʻLeute des Buďź oder Buďźaʼ, sowie bei Würschwitz, nö. Grimma, aso. *Viršovici ʻLeute des Viršʼ mit *Virš < urslaw. *Vьrch+jь, einer suffigierten KurzF von *Vьrchoslavъ (Wenzel 2017: 61 f., 78). Es handelt sich bei dieser Art von j-Suffigierungen um einen sehr seltenen und altertümlichen Vorgang in der slawischen Personen- und Ortsnamenbildung. Nicht sicher läßt sich bestimmen, ob ursprünglich ein OrtsN vorlag, der nach der fränkischen Eroberung für ein Siedlungsgebiet der Slawen gebraucht wurde, oder ob sich hinter dem pagus Puonzouua nicht womöglich ein slaw. *Buzova (zemja) ʻLand, Stammesgebiet des Buzʼ verbirgt. Auch wissen wir nicht, ob sich auf dem monte Buzowe einst eine slawische Kultstätte befand. Sehr fraglich bleibt ein aso. *Buzovici ʻLeute des Buzʼ, erschlossen aus 1210 provincia Buzewiz, (1271) 14. Jh. comitatus Buzewitz, viel eher erfolgte hier Angleichung an die zahlreichen OrtsN auf -witz.

Literatur:

Eichler, Ernst / Walther, Hans (1984): Untersuchungen zur Ortsnamenkunde und Sprach- und Siedlungsgeschichte des Gebietes zwischen mittlerer Saale und Weisser Elster, Berlin.

Wenzel, Walter (2017): Die slawische Frühgeschichte Sachsens im Licht der Namen, hg. von Andrea Brendler und Silvio Brendler, Hamburg.