Kurznotiz von Dieter Kremer

Am heutigen (3. Februar) Tag des Hl. Blasius scheinen wenige Notizen zu diesem, allein schon wegen seines lateinischen Gewandes, scheinbar veralteten Namen angebracht. Als einer die Vierzehn Nothelfer wurde der Bischof von Sebaste, heute Siwas, in Armenien als Märtyrer (gest. um 316) aufgrund verschiedener ihm legendär zugeschriebenen Wohltaten verehrt. Sein Gedenktag war bis ins 11. Jahrhundert der 15. Februar. Durch die Bedeutung des Lichts (Kerzensegnung) wurde dieser Tag in die Nähe von Mariä Lichtmess (Darstellung des Herrn) gerückt. Von den zahlreichen Legenden ist insbesondere die Heilung des Knaben, der eine Fischgräte verschluckt hatte und durch den "Blasiussegen" (grekreuzte Kerzen) vor dem Ersticken gerettet wurde, volkstümlich.

Die Etymologie des Namens ist nicht definitiv geklärt. Doch scheint griechisch blaisós als blaesus "lispelnd, lallend" ins Lateinische übernommen worden zu sein und würde so zu den charakteristischen lateinischen "cognomina" wie Claudius (zu claudus "lahm, hinkend") passen; eine Verbindung mit Basilius (zu griechisch basileios, vgl. den Wortstamm basil- "König", etwa in Basilika) ist kaum wahrscheinlich. Die lateinische Form ist in St. Blasien (Schwarzwald) erhalten, wo seine Reliquien aufbewahrt sein sollen. Auch der Welfen-Schatz im Braunschweiger St. Blasius-Dom enthält wichtige Reliquien, Wandgemälde stellen die Legenden dar. Zur Zeit der Herausbildung der Familiennamen war Blasius in verschiedenen deutschen oder slavischen Varianten wie Blass, Bläss, Blasi, Bläsing, Bläsgen, Blaschke usw. verbreitet (dazu DUDEN Familiennamen oder HDVB).

In den romanischen Sprachen ist unser Name ebenfalls in älterer Zeit als Vorname und heute als Familiennamen weit verbreitet. Die einzelsprachlichen Formen haben sich "lautgesetzlich" entwickelt: französisch Blaise bzw. Blais, italienisch Biag(g)io, spanisch Blas (die gelegentliche Verbindung mit Belasco ist abwegig) katalanisch Blay (Blai) und portugiesisch Brás (älter auch Braz). Die Verteilung dieser Namen und der dazugehörigen (vor allem in Italien zahlreichen) Ableitungen verdiente eine genauere Betrachtung.

In Frankreich ist der mit dem Vornamen Blaise - etwa Blaise Pascal, Mathematiker und Philosoph (1623/1662) ─ identische Familiennamen (10.073 Geburten zwischen 1891 und 1990) besonders im Département Vosges vertreten (1.235), die wahrscheinliche Variante Blais (4.066) im Département Deux-Sèvres (665). Auffallend ist die Konzentration von Blas, die für den Süden charakteristische Variante, im äußersten Norden: von den 2.028 Geburten sind im Département Nord 1.209 nachgewiesen.

In Italien ist Biagi mit 6.757 Fällen (Toscana 3.752, Emilia-Romagna 1.419) die häufigste Grundform, neben Biaggi (819: Lombardei 390, Piemont 129); Biaggio (132: Lombardei 100) und Biagio (18) sind selten. Stärker vertreten sind die Ableitungen, die charakteristischsten sind Biagini (8.302: Toscana 4.394, Emilia-Romagna 2.658), Biagioni (4.265: Toscana 3.066), Biagiotti (3.192: Toscana 1.902, Marche 408) sowie Biagetti (1.812: Umbrien 328, Toscana 298).

Auf der Iberischen Halbinsel ist die Heiligentradition verbreitet. Die Hauptvariante ─ wozu der Name des Protagonisten der gleichnamigen Novelle Gil Blas [de Santillana] von Lesage (1715/1735) ─ Blas ist in 9.381 Familiennamen der Gesamtbevölkerung vertreten (4.767 an erster, 4.571 an zweiter Stelle, 43 beide Namen). Die Variante Bras (614) ist durch alte Migration (Reconquista) aus Portugal und Galicien nach Spanien gelangt (Schwerpunkt Galicien und Provinz Huelva), die alte Schreibung Braz (350) begegnet vor allem in den Provinzen Ourense (Galicien) und Badajoz (Extremadura). Die katalanische Form Blai (17) ist fast ausschließlich in der Schreibung Blay (3.367: 1.773+1.585+9) nachgewiesen.