Monatsnamen und Namengebung stehen in einem engeren Verhältnis, als man das spontan vielleicht annehmen möchte. Vor allem im lateinisch-romanischen Kontext gibt es zahlreiche Personennamen (und davon Familiennamen), die auf eine Monatsbezeichnung zurückgehen. Hierbei ist die Motivation nicht immer eindeutig, also für den Vornamen etwa "im Monat X geboren" oder auch "Findelkind" oder Bezug auf bestimmte jahreszeitliche Bräuche oder Abgaben (etwa Mai). Die Referenz in den Familiennamen (Patronym oder Beiname nach dem Monat) ist ebenfalls nicht immer eindeutig, hier ist die historische Überlieferung besonders wichtig. Besonders komplex ist Augustus, mit Augustinus: Adjektiv augustus 'erhaben' ? schmückender Beiname des Kaisers Octavian ? Monatsname (wie Juli, mit Iulius, zu Cäsar) ? Personenname. Eine systematische Untersuchung böte sich an (war im PatRom-Projekt ursprünglich vorgesehen). An dieser Stelle nur wenige Angaben, fast überflüssig ist der Hinweis auf die europäische (oder abendländische) Dimension der Namengebung. In diesem Zusammenhang auffallend ist das weitgehende Fehlen entsprechender deutscher FN, allerdings wurde nur nach den offiziellen Monatsnamen gesucht, nicht etwa Jänner für Januar usw.

Monatsnamen als Personennamen (und umgekehrt) sind der Namengebung durchgehend zu finden. Selbst wenn man die Kaisernamen Augustus oder Julius ausklammert oder die Namenfamilie um den Kriegsgott Mars (März, Martin) übergeht, so sind alle Monatsbezeichnungen in Personennamen nachgewiesen. Hier nur eine sehr knappe Übersicht mit jeweils nur einigen charakteristischen Namenformen:

Januar: PN Januarius (insbesondere San Gennaro von Neapel) → FN it. Gennaro (7.727, davon Sizilien 3.984, Veneto 1.077) / Gennari (9.223, davon Lombardei 2.277, Emilia-Romagna 2.184) usw. mit zahlreichen Varianten, vielleicht zu trennen vom Monatsnamen Gennaio (102, Sizilien 56) / Gennai (1.307, Toscana 1.209). Fr. Janvier (7.205, zwischen Vor- und Beiname ist nicht zu unterscheiden). Span. (kat.) Giner (10.498+9.966+119 ), neben Enero (wohl Monatsname). Gal. und port. Janeiro (Spanien/Galicien: 1.245+1.163+21, ebenfalls nicht zu trennen zwischen Vor- und Beinamen) [ØD].

Februar: Als mittelalterlicher PN Februarius gelegentlich belegt, in den heutigen FN aber vielleicht eher auf den Monat bezogen: fr. Février (6.606, besonders in Westfrankreich). Spanien: Febrero (682+674, Lugo und León), Hebrero (381+311, Kastilien), Febreiro (42+34, Lugo), port. Fevereiro, Febrer (1.615+1.536-9, Katalonien). Italien: Febbraio (462, Campania), Febbrai (16, Toscana 14) und Ableitungen [ØD].

Mai: span. Mayo (7.320+7.372+147), Maio (64+59, so auch Portugiesisch), Maig (8+16, Katalanisch), it. Maggio (15.483, Apulien 5.399, Sizilien 4.997) / Maggi (19.586, Lombardei 7.156, Apulien 2.943) usw., fr. Mai 724 (Elsass/Lothringen), May 3.010 (auch andere Deutungen möglich) [D: Mai 6.403, May 9.797].

Juni: span. Junio (38+35), Juny (74+54, Katalonien), port. Junho, fr. Juin (2.836, Deux-Sèvres und Westen) und Ableitungen, it. Giugno (1.901 (Sizilien 866 und Süden, Lombardei 260) / Giugni 1.341 (Lombardei 530, Toscana 370) [D: 4].

September: span. Setembre (22+32), port. ØSetembro, it. Settembre (1.379, Campania 825) / Settembri (269, Marche 151), Settembrino (444 (Süden) / Settembrini (1.374, Süden und Lombardei 129, Toscana 115), fr. Septembre (100) [ØD]00.

Oktober: span. Octubre (10+9), fr. Octobre (169), it. Ottobre (427: Süden) / Ottobri (66, Zentrum und Norden), Ottobrino (163, Piemont 31, Süden, Sardinien 17) / Ottobrini (264, Piemont 38, Nordwesten) [ØD].

November: span. Noviembre (35+14), port. ØNovembro, it. Novembre (666: Apulien 218, Sizilien 139, calbria 129) / Novembri (129, Toscana 87), Novembrino (127, Apulien 60) / Novembrini (326, Zentrum/Norden, Süden), fr. Novembre (70) [ØD].

Dezember: alter PN (Spanien a.904) span. Diciembre (11+10), it. Dicembre (387, Calabria und Campania), Dicembrino (152) / Dicembrini (74) u.a., fr. Décembre (206) [D: 9].

Diese nackte Aufzählung müsste mit historischen Daten ergänzt und jeder Einzelname für sich interpretiert werden, dabei kann die geographische Verbreitung der verschiedenen Namentypen aufschlussreich sein. Anlass dieser Zusammenstellung ist der Monat April. Nicht nur auf der Iberischen Halbinsel ist April(is) als Vorname historisch gut belegt, weshalb das durchgehende Problem Vorname bzw. Beiname pauschal kaum zu lösen ist.

April: span. Abril (8.476+8.140+138), port. Abril (auch Abrilete), fr. Avril (8.693, Westen) / April (103, Elsass) / Abril (288, äußerster Südosten), it. Aprile (8.335, Sizilien 2.975, Apulien 2.425, Campania 1.068) / Aprili (320, Veneto 128), Aprilis 49 (Friaul 45), Aprilino 44 (Calabria 20) / Aprilini 71 (Lazio 44, Toscana 14), Aprilante 21 (Calabria 16) / Aprilanti 38 (Lazio 16, Toscana 12), Apriletti 82 (Marche 47, Lazio 16), Aprilotti (Lazio 7) [D: 8].

n. b. Die Zahlenangaben erfolgen wie bei den vorhergehenden Blogs für Frankreich nach geopatronyme.com (alle Geburten zwischen 1891 und 1990), für Spanien Angaben des nationalen Statistikinstituts zur aktuellen Gesamtbewohnerzahl (jeweils Name an erster und zweiter Position, ggf. beide identisch), für Portugal stehen keine Statistiken zur Verfügung, für Italien PatRom-interne Dokumentation des Finanzministeriums (Mehrfaches der Telefonanschlüsse). Frequenzen deutscher FN hier nach gen-evolu.de. Zu den gelegentlich gebrauchten Kürzeln vgl. auch das Blog vom 7.4.2013 (Martin).

Dieter Kremer