Nun schon zum 22. Mal traf sich die Gesellschaft Onomastica & Letteratura zu ihrer jährlichen Zusammenkunft vom 16. bis 18. November, in bewährtem Zyklus diesmal wieder an ihrem Gründungsort Pisa.

Die Tagung war dem Gedenken des in diesem Jahr verstorbenen herausragenden Philologen und Namenforschers Davide De Camilli gewidmet. Die insgesamt 23 Vorträge verteilten sich auf vier Themenblöcke:

1. Der Name des Autors.

In diesem umfangreichen Block ging es um Themen wie die wechselvolle Identität des neugriechischen Dichters Niklaos Kalas (Maria Caracausi), die Namensnennungen der Gebrüder Rosny (Roberta De Felici), ein Heteronym des Schriftstellers Antonio Tabucchi (Francesco Feola), die Einflüsse der Litanei auf die italienische Lyrik (Magdalena M. Kubas / Warschau), den Namen des Spielmanns (Annamaria Carrega), onomastische Metamorphosen der "feindlichen Brüder" Pascoli und d'Annunzio (Patrizia Paradisi), den Zirkel "Die Freunde von Hafiz" oder "Als Petersburg Petrobaghdadù wurde" (Martina Morabito), "Benennung und Konstruktion des fiktionalen Alter-Ego von Sergej Dovlatov" (Laura Salmon), "'Masked and anonymous': von Bob Dylan bis Jack Frost - der 'Star', sein Name und seine Rückkehr in die Anonymität" (Klaus Vogel / Sassari), den Namen des Viators in der Divina Commedia (Leonardo Terrusi).

2. Der Name im nichtliterarischen (Kon)text.

Mit diesem Thema befasste sich nur Marina Castiglione, die über "Sciascia und das 'pirandellianische Alphabet'" sprach.

3. Alpine (sc. literarische) Onomastik.

Dieser Themenblock wurde eröffnet durch Richard Brütting / Herborn, der über ethnische Stereotype in Südtirol, wie sie in Joseph Zoderers Roman Die Walsche zum Ausdruck kommen, referierte. Es folgte Rosa Kohlheim / Bayreuth mit ihrem Vortrag über Peter Roseggers 'Die Schriften des Waldschulmeisters', ein Werk, das insofern dokumentarischen Charakter besitzt, als in ihm berichtet wird, wie der in einer abgelegenen Berggegend der Steiermark zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebenden Bevölkerung Familiennamen zuerteilt wurden. Über die Orts- und Personennamen in Adalbert Stifters Novelle Bergkristall referierte Volker Kohlheim / Bayreuth. Schließlich sprachen Marcella Banfi und Alice Ongaro über die alpine Toponomastik in I piccoli maestri von Luigi Meneghello.

4. Methodologie:

Giusi Baldissones Beitrag lautete: "Von Name zu Name. Der Kodex der Metamorfosi bei Gozzano". Nunzio La Fauci stellte sein Konzept einer "funktionalen literarischen Onomastik" vor, Francesca Boarini sprach über die Namen in der deutschen Version des italienischen Comics Geronimo Stilton, Francesco Sèstito über traditionelle und eigenständige Elemente bei der Namenwahl in den Giornate delle novelle dei novizi von Pietro Fortini.

5. Freies Thema:

Außerhalb der vier Themenblöcke wurden folgende Referate gehalten: Luigi Sassos Beitrag trug den Titel: "Die Namen eines Lebens" und betraf die Namen als Gedächtnis im Werk von Luigi Meneghello; Donatella Bremer sprach über "Die Eigennamen in der Nonsense-Literatur" und insbesondere über die Rolle der Toponyme in den Limericks; Antonio Iurilli über "Osman, eine onomastische Metapher im Werk von Carlo Francavilla." Außerdem wurde Enzo Caffarellis Projekt eines neuen Wörterbuchs literarischer Namen vorgestellt.

Eine Neuerscheinung aus dem Bereich der literarischen Onomastik wurde präsentiert: Silvia Zangrandi: Fanta-onomastica. Scorribande onomastiche nella letteratura fantastica del Novecento. Nominatio. Serie Monografie 12, Pisa: Edizioni ETS 2017, 134 Seiten.

Wie auch in den vergangenen Jahren konnte den Teilnehmern pünktlich der neueste, umfangreiche Band der Zeitschrift il Nome nel testo überreicht werden. Die Redaktion von Band 19 lag in den Händen von Donatella Bremer, Giorgio Sale und Leonardo Terrusi und enthält auf 444 Seiten sämtliche auf dem 21. Internationalen Kongress zur Literarischen Onomastik im November 2016 in Palermo vorgetragenen Beiträge, zusätzlich die Aufsätze: "'...das namenlose Nennen'. Kommerells 'letzter Hölderlin'" von Klaus Vogel, "Gli antroponimi in due racconti di E.T.A. Hoffmann: Ignaz Denner e Die Jesuiter Kirche" von Giovanna Neiger und "La storia sacra dell'isola stella: Delo e i suoi nomi" von Maria Serena Mirto (Zum Inhalt der Zeitschrift s. den Bericht über diesen Kongress im Onomastik Blog am 30.11.2016.) Wie immer werden die Beiträge durch ein alphabetisches Register der behandelten Namen sowie der erwähnten Autoren (Primär- und Sekundärliteratur) auf ideale Weise erschlossen.

Volker Kohlheim, Bayreuth