„Namen in Grenzräumen“, 7. Tagung des Arbeitskreises für bayerisch-österreichische Namenforschung (ABÖN), 27.–28. September 2012 an der Universität Passau

Bericht von Sabina Buchner

Am 27. September um 9.00 Uhr begrüßt der Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Rüdiger Harnisch, der gleichzeitig Mitglied des Arbeitskreises ist, die Teilnehmer der Tagung in den Räumen des Nikolaklosters der Universität Passau.

Der erste Tagungstag widmet sich dem Schwerpunkt Ortsnamen. Anhand der Ausführungen über Die deutsch-slawische Siedlungsgrenze im Mittelalter in Oberösterreich anhand der Ortsnamen und den Vorträgen zu verschiedenen Exonymen wird klar, dass das Tagungsthema Grenzräume eines unumgänglich macht – Karten. Dies veranlasst einige Teilnehmer, für einen besseren Blick bereits nach der ersten Kaffeepause in die vorderen Reihen des Tagungsraumes umzusiedeln.

Als unbegründet erweist sich die Angst vor einem nachmittäglichen Tief, da Wolf-Armin von Reitzenstein die Teilnehmer die Bergnamen in südbayerischen Grenzbeschreibungen selbst in den Quellen suchen lässt, welche er in Kopie als Tischvorlage verteilt hat. Barbara Stefan gewährt mit dem Vortrag Zimbrische Ortsnamen aus Johann Andreas Schmellers Nachlass einen Einblick in die Bedeutung Schmellers als Ortsnamenforscher. Im Anschluss spricht Harald Bichlmeier Zu den Grenzen der Erkenntnismöglichkeit der Forschungen alten Stils der alteuropäischen Hydronymie: Überholte sprachwissenschaftliche Konzepte und Mythenbildung (dargestellt anhand von Gewässernamen aus Bayern und Österreich). Die anschließende Diskussion über den bisherigen und zukünftigen Beitrag der Indogermanistik zur Onomastik ebbt auch in der wohlverdienten Kaffeepause nicht ab.

Den letzten Slot des ersten Tagungstages füllen Projektvorstellungen: Mit der ONDa-Datenbank und dem Projekt WippDigital – GIS gestützte Flurnamenforschung im Wipptal macht sich die Toponomastik fit für das digitale Zeitalter. Interdisziplinär beendet Irmtraut Heitmeier diesen ersten Tag mit der Projektvorstellung Das Wipp- und Eisacktal – Siedlungsgeschichte und politische Raumordnung einer Passlandschaft in Spätantike und Mittelalter und der Anregung für eine Neubewertung des Siedlungsnamens Sterzing.

Der generationen- und fächerübergreifende Austausch wird ab 18.30 Uhr in den Stiftskeller in der Passauer Innenstadt verlegt, der kulinarisch keine Wünsche offen lässt, denn hier „beginnt die Wachau!“ Nur manche können dem Wein widerstehen und hören ab 19:30 Uhr das Orgelkonzert im Dom St. Stephan.

Den zweiten Tagungstag mit dem Schwerpunkt Personennamen leitet Gerhard Rampl ein, der über eine Zusammenarbeit mit Medizinern und Biologen berichtet (Die Sprachgrenze in den Genen). Anikó Szilágyi-Kósa stellt anhand von Vor- und Familiennamen sprachliche Phänomene beim Aufeinandertreffen des Deutschen und des Ungarischen dar. Die wichtige Thematik der Quellenarbeit greift Herbert Wurster auf und zeigt Neue Möglichkeiten der Namenforschung. Digitale Bereitstellung und archivische Tiefenerschließung serieller Quellen – die Matrikeln des Bistums Passau vom 16. Jahrhundert bis ca. 1900. In dem letzten Tagungsbeitrag über Stand und Aufgaben der bayerisch-österreichischen Gewässernamenforschung spricht sich Albrecht Greule für eine regionale Dezentralisierung der Gewässernamenforschung aus, die sich an den Mundarträumen orientieren sollte. Fernziel wäre ein digitales, gesamtbairisches Gewässernamenbuch.

Zum Abschluss der Tagung lädt Mag. Dr. Gerhard Rampl den ABÖN zur nächsten Tagung 2014 nach Innsbruck ein, was gerne angenommen wird. Die thematische Schwerpunktsetzung wird auf Berg- und Flurnamen liegen. Im Namen aller Teilnehmer bedankt sich em. Univ.-Prof. Dr. Peter Wiesinger für die gelungene Organisation der Tagung bei Prof. Dr. Rüdiger Harnisch und Dr. Rosemarie Spannbauer-Pollmann.

Damit endet um 13.30 Uhr die anregende 7. Tagung des ABÖN – was aber der weiteren Diskussion auf dem Flur und an den verschiedenen Mittagstischen keinen Einhalt gebieten kann.