Organisiert von der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung/GfN und dem Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig fand die 13. Tagung des Arbeitskreises Namenforschung am 9. und 10. Oktober 2015 im bedeutenden Universitätsarchiv Leipzig statt. Diskutiert wurde über die Thematik „Fremde Namen“. „Fremd“ ist schwer fassbar (und schwer übersetzbar), und ohne vorgegebenen „roten Faden“ haben die Beiträge die unterschiedlichsten Aspekte von „fremden“ Namen behandelt. Die Tagung wurde von Frau Prof. Danuta Rytel-Schwarz, Prodekanin der Philologischen Fakultät, Prof. Dr. Albrecht Greule in Vertretung von Prof. Dr. Heinrich Tiefenbach, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Namenforschung, und dem Vorsitzenden der GfN eröffnet.

Karheinz Hengst versuchte eine linguistische Abgrenzung von „fremd“ im Bezug auf die Familiennamen. Ein erster thematischer Block behandelte verschiedene Aspekte der lateinisch-deutschen (Rolf Bergmann, mit einem schönen Muster wissenschaftlicher Stringenz, und Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein) und der slavischen Präsenz in Bayern (Albrecht Greule, Wolfgang Janka) und der Ortsnamen langobardischer Herkunft in Oberitalien (Wolfgang Haubrichs). Von unerwarteter Aktualität war die Vorstellung von Namengebungstendenzen ausländischer und bi- oder multinationaler Familien (Gabriele Rodríguez) oder auch die verschwunden geglaubte, aufschlussreiche und wichtige Dokumentation der DDR-Zeit mit Anfragen an die Namenberatungsstelle der Uni Leipzig zur Genehmigung von nicht registrierten Vornamen (Dietlind Kremer). Die Vorstellung der Neubearbeitung des monumentalen Dictionary of American Family Names/DAFN (80.000 Einträge) und der damit verbundenen konkreten Redaktionsprobleme durch den verantwortlichen Herausgeber (Patrick Hanks) schlossen den Block der Familiennamen ab. Hier wurden die Problematik romanischer Namen in Deutschland (Dieter Kremer) und ein weniger bekannter Bereich: die statistische Ermittlung des Migrationshintergrundes mit Hilfe der Eigennamen behandelt (Klaus Schneiderheinze). Unter „Verschiedenes“ standen Überlegungen zu „fremden“ Namen deutscher Frisöre (Rosa Kohlheim) und zu „exotischen“ Ortsnamen in Deutschland (Claudia Korsmeier). Schließlich wurde das Konzept der „Alterität“ In der deutschen Literatur behandelt (Volker Kohlheim).

Mehrere angekündigte Beiträge entfielen in letzter Minute. Sie werden zusammen mit den Vorträgen im Frühjahr 2016 in der Leipziger Reihe "Onomastica Lipsiensia" (Leipziger Universitätsverlag) erscheinen. Während der Veranstaltung überreichte der Herausgeber Peter Ernst (Wien) den Sammelband Karlheinz Hengst, Sprachkontakte, Sprachstudien und Entlehnungen im östlichen Mitteldeutschland seit einem Jahrtausend, mit einem eindrucksvollen Panorama der Forschungsarbeiten des Autors.

Schließlich bestätigte die Versammlung einstimmig den Beschluss (vorbehaltlich der Zustimmung der nächsten Mitgliederversammlung), den "Arbeitskreis Namenforschung" in die Deutsche Gesellschaft für Namenforschung zu integrieren. Verpflichtend ist die Durchführung thematischer Tagungen im Dreijahresrhythmus. Im Anschluss an die angenehme Tagung besuchten viele Teilnehmer das benachbarte Merseburg, vor 1000 Jahren wichtiges europäisches politisches Zentrum, mit einer Besichtigung des bedeutenden Doms und einer Vorstellung der berühmten Ladegast-Orgel. Besonders eindrucksvoll die Vorstellung und die Rezitation im "konspirativen" Rahmen der "Zaubersprüche", einem der ältesten deutschen Sprachdenkmäler durch den Altgermanisten Wolfgang Haubrichs. Der Abend endete mit einem gemeinschaftlichen Essen.

Tagung und Rahmenprogramm standen auch im Zusammenhang mit dem Geburtstag der GfN: Die (damals) Gesellschaft für Namenkunde wurde am 22. September 1990 in Leipzig gegründet