Namen und Geschichte in der Zeit der Einnamigkeit (ca. 400 bis 1100), Tübingen 30.–31. Mai 2014

Tagungsprogramm

Ausgehend von der Forschergruppe Nomen et Gens und einer Initiative der Deutschen Gesellschaft für Namenforschung und auf Einladung des Seminars für Mittelalterliche Geschichte der Universität Tübingen (Prof. Dr. Steffen Patzold) fanden sich Ende Mai Vertreter der onomastisch Interessierten Geschichtswissenschaft und sprachwissenschaftlicher Namenforschung zu einer Diskussion um die Themenkreise „Namen, Gruppenbindungen, Identitäten“ und „Zweit- und Beinamen“ zusammen. Gleichzeitig fand ein Arbeitstreffen der Forschergruppe statt, auf dem Perspektiven zukünftiger Aufgaben und Zusammenarbeit besprochen wurden. Die Beiträge werden als Schwerpunktthema in der nächsten Ausgabe der Namenkundlichen Informationen (Band 103/104, erscheint Anfang 2015) abgedruckt.

Die insgesamt 13 Vorträge (und eine Zusammenfassung) spiegeln die derzeitige Diskussion der Thematik in Deutschland; sie wird flankiert von der von Frankreich ausgehenden Forschergruppe zur „Genèse médiévale de l’anthroponymie moderne“ (GREHAM).

Insbesondere zwei Aspekte verdienen unsere Aufmerksamkeit: Die mittelalterliche Namengebung kennen wir nur aus der schriftlichen Überlieferung, das Namenverhalten im (mündlichen) Alltag findet erst mit der sog. Namenrevolution, dem Übergang von der Ein- zur Mehrnamigkeit ein dokumentarisches Echo. Hier ist die, regional vielleicht zu individualisierende, Übergangsphase im 11. und 12. Jahrhundert (mit zahllosen Beispielen) von besonderem Interesse. Davon zu trennen sind die bewusst gegebenen Beinamen (vor allem in den Herrscherdynastien) oder Namenwechsel (etwa beim Eintritt in den geistlichen Stand).

Der zweite Aspekt ergibt sich aus dem ersten, er betrifft die Definition von „historischer Namenforschung“ oder die notwendige Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen. Wird die Namenforschung gerade auch von den Geschichtswissenschaften gerne als Hilfswissenschaft angesehen, so ist der sprachhistorisch interessierte Namenforscher auf den historischen Kontext angewiesen. Gerne distanziert sich der eine vom anderen. Dabei führt bei aller autonomen wissenschaftlichen Tätigkeit gerade die Verbindung sozialhistorischer und sprachwissenschaftlicher Erkenntnisse zu Ergebnissen, die beide Disziplinen befruchten.

Genau dies ist das Ziel der Gruppe Nomen et Gens, die als Schwerpunkt das Zusammenwachsen der Romania und Germania zwischen Spätantike und Frühmittelalter als Ausgangspunkt für das heutige Europa bearbeitet. Dabei spielt die Überlieferung der Personennamen eine zentrale Rolle (hierbei ist auffallend, dass die „Romanen“ zwar praktisch die fremden „germanischen“ Namen weitestgehend übernehmen, ihre Sprache aber beibehalten). Die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen ist Voraussetzung für die korrekte Interpretation sprachlicher und historischer Zusammenhänge. Hierbei ist mit Bedauern festzuhalten, dass einer beachtlichen Gruppe von Historikern nur eine sehr kleine Zahl von Sprachhistorikern gegenüber steht.

Es bleibt zu hoffen, dass die Akten des Tübinger Treffens zu einer Belebung dieser wichtigen Diskussion führen.