Den Abschluss der Namenkundlichen Workshop-Reihe im laufenden Wintersemester an der Universität Leipzig bildet ein Thema, das sich einer multi- und interdisziplinären Quellengattung der Frühen Neuzeit zuwendet: den Personalschriften, zu denen die große Gruppe der frühneuzeitlichen Leichenpredigten zählt.

Zu dieser Veranstaltung mit dem Titel „Die Datenbanken der Forschungsstelle für Personalschriften als onomastische Quelle“ laden die GfN und das Namenkundliche Zentrum an der Universität Leipzig am Mittwoch, dem 22. Januar 2014, von 13:00–15:00 Uhr, herzlich ein.

Den Workshop gestaltet Frau Dr. Eva-Maria Dickhaut. Sie ist seit 2009 Leiterin der Forschungsstelle für Personalschriften in Marburg, einer Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.
An dieser Forschungsstelle werden seit nahezu vier Jahrzehnten Leichenpredigten und sonstige Trauerschriften erfasst, katalogisiert und in Printpublikationen und Datenbanken für die Forschung aufbereitet. Umfassende Auskünfte vermittelt die Homepage www.personalschriften.de. Aktuell hervorzuheben sind zwei laufende digitale Editionen: das Vorhaben AutoThür und das kooperative DFG-Projekt AEDit Frühe Neuzeit.

Eva-Maria Dickhaut ist Historikerin und Autorin zahlreicher Veröffentlichungen. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Hessische Landesgeschichte, ihre Promotion verfasste sie zum Thema "Homberg an der Ohm. Untersuchungen zu Verfassung, Verwaltung, Finanzen und Demographie einer hessischen Territorialstadt (1648-1806)".
Des weiteren publiziert sie zu Leichenpredigten als Forschungsgenstand und Quelle. Zudem hat sie an 30 Katalogbänden der inzwischen 54 Bände umfassenden Reihe der "Marburger Personalschriften-Forschungen" mitgearbeitet, seit Band 51 ist sie Reihen-Herausgeberin.
Wer bereits an dieser Stelle mehr über "Leben in Leichenpredigten" erfahren möchte, dem sei die von ihr begründete gleichnamige Artikelserie im Web empfohlen.

Einführung zum Workshop (Abstract von Eva-Maria Dickhaut)
Über zwei Jahrhunderte – von 1530 bis 1750, von der Reformation bis zur Aufklärung – blühte der Brauch der gedruckten protestantischen Leichenpredigten. Sie gehören zur Gattung der Personalschriften, also den Schriften, die zu Geburtstagen, Taufen, Verlobungen, Hochzeiten, Amtseinführungen, Jubiläen und schließlich zum Tod eines Menschen verfasst und gedruckt wurden. Mit ihren mehr oder weniger umfangreichen Biographien stellen sie eine der aussagekräftigsten Quellen zum Leben und Sterben eines Menschen in der Frühen Neuzeit dar. Da die Leichenpredigten in großer Zahl gedruckt wurden und schon im 17. Jahrhundert als Sammelobjekte galten, haben sich in Bibliotheken und Archiven mehr als 300.000 dieser Quellen erhalten.

Seit 1976 ermittelt und katalogisiert die Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg Leichenpredigten. Seit 1986 werden sie verfilmt. 2009 ist mit einer Digitalisierung des Filmarchivs begonnen worden. Bis 2005 wurden die Leichenpredigten-Bestände in den Regionen Hessen und Schlesien erfasst. Die Bestände in Sachsen wurden von einer zwischen 1991 und 2010 bestehenden Dependance der Forschungsstelle an der Technischen Universität Dresden bearbeitet. Seit 2006 konzentriert sich die Bearbeitung auf thüringische Bestände. Als multi- und interdisziplinäre Quelle sind die Leichenpredigten für die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen von Interesse: für Historiker aller Richtungen (z.B. Literatur, Kunst, Kultur, aber auch Medizin und Pharmazie) ebenso wie z.B. für Germanisten oder Theologen.

Ausführlich informiert die Website der Forschungsstelle www.personalschriften.de über Aufbau, Geschichte und Quellenwert der Leichenpredigten und die Aktivitäten der Forschungsstelle. Zum Serviceangebot der Forschungsstelle gehören auch mehrere Online-Datenbanken, u.a. zu Personen- und Ortsnamen sowie Berufsbezeichnungen. Anhand dieser Datenbanken sollen Leichenpredigten als onomastische Quelle vorgestellt werden.

Das Abstract zum Download als PDF.

Mittwoch, 22. Januar 2014, 13:00–15:00 Uhr
Dr. Eva-Maria Dickhaut, Marburg
„Die Datenbanken der Forschungsstelle für Personalschriften als onomastische Quelle“
Universität Leipzig, Universitätsstraße 1, Seminargebäude, Raum S 126

Weitere Informationen finden Sie unter Veranstaltungen.
Für Rückfragen nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.